Bester Stimmung in der 4a. Klassenlehrerin Silke Fiedler verteilt die Urkunden der Bundesjugendwettkämpfe und hat schnell noch ein paar Dinge zum anstehenden Ausflug bekannt zu geben. Dann geht es zum eigentlichen Thema. Seit zwei Wochen nehmen die Kinder am Projekt klar.text der Saale-Zeitung teil. Jeden Tag bekommen sie eine Zeitung, lesen sie, schneiden Artikel aus. "Sie trennen, was zum Lokalen gehört, oder zur Wirtschaft", erklärt die Klassenleiterin.
Die Schüler haben nämlich Gruppen mit Reportern gebildet, die sich mit bestimmten Themen beschäftigen. Ihre Artikel tragen dann die jeweiligen Gruppen den anderen vor.

In Gruppen aufgeteilt.

Besonders viele Kinder wollten sich mit dem Sport beschäftigen und etliche auch mit den Polizeiberichten. Hanna will Polizistin werden, Nachbarin Alexandra auch. Und noch viele andere mehr. David hingegen ist ein regelrechter Wirtschaftsexperte. Gerne erzählen sie, was Ihnen in letzter Zeit gefallen hat. Felix meint, dass er den Feuerball beim Zugunglück in Kanada toll fand, obwohl das natürlich nicht gut gewesen sei. Ähnlich ist es bei Lukas, der den Flugzeugunfall in San Franzisko erwähnt. Elena hingegen fand einen Bericht sehr gut, der sich mit der Frage beschäftigte, ob ein Maulwurf wirklich blind ist. Artikel über Natur und Wetter kommen gut an. Das Leseverhalten der Kinder unterscheidet sich überhaupt nicht von dem der Erwachsenen. Nur eins fällt auf: Es gibt weniger Kritik.
Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler so intensiv mit der Zeitung beschäftigt haben, wollten sie gerne mehr über das Machen einer solchen erfahren. Und dazu haben sie mich eingeladen.

Wie wird man Reporter?

Wie man Reporter wird, wollen sie wissen und wie lange man arbeiten muss. Recht schnell kommt die Frage, ob man mehr Geld verdient, wenn man nachts arbeitet. Das kommt ja bei einem Reporter einer Lokalzeitung in der Regel nicht vor, erkläre ich. Aber für die Sonntage, an denen man schaffen muss, damit am Montag eine Zeitung im Briefkasten liegt, gibt es schon einen kleinen Bonus.
Inzwischen ist Schulleiterin Angelika Kothmann-Loos dazu gekommen. Wie Silke Fiedler kann sie stolz auf die Kinder sein. Es ist erstaunlich, was sie alles wissen. Sie kennen den Begriff Pressefreiheit, wissen, was ein Kodex ist. Und sie haben immer mehr Fragen. Nachdem geklärt ist, dass ein fest angestellter Redakteur weder nach Zeilen noch nach Wörtern bezahlt wird, wollen sie wissen, was mein schlimmstes Erlebnis war. Ich erzähle ihnen von dem schweren Unfall vor Jahren auf der B 19, bei dem vier Kinder und ihre Oma ums Leben gekommen sind. Jetzt ist es richtig still in der Klasse.
Mehrfach geht um das Thema, was die Tageszeitungen einfach nicht drucken, was erlaubt wäre, oder auch nicht. Lehrerin Silke Fiedler nennt ein schönes Beispiel: In einer Zeitung war ihr Auto bei einer Veranstaltung ganz deutlich zu erkennen, einschließlich Nummernschild. Das hat sie geärgert und sie hat sich beschwert. Sie ist natürlich im Recht, erkläre ich und bin froh, dass es nicht unsere Zeitung war.
Nach unzähligen Fragen werden die Meldungen weniger. Schließlich gibt es gar keine mehr. Es ist ja auch eine Doppelstunde und: "Er hat ja auch fast alles gut erklärt", kommt es aus der Klasse . Das Lob tut gut, obwohl ich mich Frage, was mit dem "fast" gemeint ist.
Dann habe ich noch eine Frage: "Wer von euch möchte denn einmal Reporter werden?" Ganz zaghaft meldet sich Katarina. Aber sie will es nur "nebenbei" machen. Elena erbarmt sich auch noch. Aber auch nur "nebenbei".
Als Werbeträger für den Beruf war das wohl ein Totalversagen. Aber es hat richtig Spaß gemacht, den Kindern offensichtlich auch. Und beim Projekt klar.text haben nicht nur die Kinder etwas gelernt.