Aaron drückt "Tigger" an sich. "Mein Baby", sagt der Siebenjährige. Und ohne sein Baby geht er nicht ins Bett. Seit Februar lebt Aaron im Kinderdorf Riedenberg. Auch die Ferien verbrachte er hier. "Unsere Kinder sind eigentlich immer alle da", sagt Siegried Groh, Gruppenleiterin in Haus 7, und erst im Nachklang dämmert einem, was das heißt.

Das weitläufige Gelände liegt ruhig am Hang. Ruhig ist das Stichwort - eigentlich müsste hier der Bär steppen, denn schließlich leben im Kinderdorf bis zu 70 Kinder und Jugendliche. Aber Ferienzeit heißt Umbruchszeit. "Mit Schuljahresende verlassen uns immer einige Kinder. Andere verbringen die Ferien bei ihren Familien", erklärt Markus Till, Erziehungsleiter des Kinderdorfs. Deshalb seien in den Ferien nur ungefähr die Hälfte der Kinder da.
Dafür kommen Feriengruppen ins Kinderdorf. Zwei Wochen lang bevölkerten rund 50 Kinder das Gelände. "Die Ferienkinder waren am blödesten", platzt Aaron ungeniert heraus. "Es tut den Kindern auch einmal gut, wenn hier nicht so viel Trubel ist", drücken es die Erzieherinnen aus. Das Haus 7 hat sein eigenes Ferienprogramm gemacht: "Wir sind ins Mitmachmuseum ,Wortreich' gefahren, haben gezeltet und dann gab's noch eine Fahrradtour von Bad Kissingen nach Hammelburg", erzählen die Kinder begeistert.

Aufregung vor dem Schulbeginn


Die zwölfjährige Yvonne lächelt schüchtern. Sie findet gut, dass die Schule bald wieder losgeht, denn "dann weiß ich, wie der Tag abläuft." Die Erzieherinnen haben deshalb mit ihr einen Plan für die Ferien gemacht. Darauf steht beispielsweise Schwimmen, draußen Spielen oder ein Ausflug. Das hilft ihr.

Auch David freut sich wieder auf die Schule, weil er dann alle seine Freunde wiedersieht. Er geht aufs Franz-Miltenberger-Gymnasium nach Bad Brückenau. Und auch Aaron ist schon ganz aufgeregt - er hat am Donnerstag seinen ersten Schultag in der Katharinen-Schule in Fuchsstadt. Andere Kinder in der Runde sind anderer Meinung. "Ferien sind toll! Ich hab sogar mein Seepferdchen gemacht", erzählt Selima.

"Die Kinder haben hier ihren Lebensmittelpunkt", sagt Till. Dass heißt nicht zwangsläufig, dass sie das Kinderdorf auch als ihr Zuhause betrachten. David zum Beispiel zögert nicht lange. "Mein Zuhause ist bei meinem Papa", sagt der 12-Jährige, den er in den Ferien zweimal besucht hat. Bei Selima sieht das anders aus. "Hier ist es besser als zuhause, weil ... " Ihr Blick wandert zur Tür. Draußen stehen die beiden Erzieherinnen und unterhalten sich. "Mama schlägt uns", sagt sie mit leiser Stimme.