1221 Teilnehmer aus 115 Ländern kamen im Kongresszentrum der peruanischen Hauptstadt Lima beim Weltkongress der Biosphärenreservate zusammen, um sich über ihre Arbeit auszutauschen, einen Aktionsplan für das Weltnetz fertigzustellen und zu verabschieden. Zu den Vertretern aus fünf Kontinenten gehörte auch Dr. Doris Pokorny von der Bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, die für internationale Kontakte zuständig ist.
"Über die Möglichkeit der Teilnahme auf Einladung des Bundesumweltministeriums, das die Reisekosten für die 18-köpfige deutsche Delegation finanziert hat, habe ich mich sehr gefreut", sagt Pokorny. In ihrer 25-jährigen beruflichen Tätigkeit für die Rhön war dies bereits der dritte Weltkongress der Biosphärenreservate, diesmal allerdings außerhalb Europas.


Das Netz wächst stetig

In regelmäßigen Abständen werden die Strategien und Maßnahmen für das Weltnetz, in das die aktuell 669 Biosphärenreservate aus 120 Ländern eingebunden sind, überprüft und neu justiert. Das Weltnetz wächst stetig, denn die Integration von Schutzzielen, sozioökonomischen und soziokulturellen Zielen, in eine nachhaltige Entwicklung wird als der Königsweg für die Lösung von Landnutzungsproblemen angesehen. Ob in Peru, auf den Malediven - oder eben in der Rhön.
In zahlreichen Workshops wurden Praxisbeispiele aus den einzelnen Ländern und Gebieten vorgestellt und diskutiert. Schwerpunkt des Aktionsplans bildeten Themen wie Modellfunktion der Biosphärenreservate für Nachhaltigkeit, Kommunikation und Informationsaustausch sowie Zusammenarbeit und Vernetzung der Biosphärenreservate untereinander und mit der Privatwirtschaft.
"Durch unsere Zusammenarbeit mit dem Partner-Biosphärenreservat Kruger to Canyons (Südafrika), in dem derzeit und nächstes Jahr wieder junge Rhöner in einem Freiwilligenprogramm mitarbeiten, können wir auf viele Erfahrungen zurückgreifen", betont Dr. Pokorny. Auch im Bereich der nachhaltigen Regionalvermarktung schaut man auf die Rhön. Die Vertreterin des hiesigen Biosphärenreservats wurde daher gebeten, am Beispiel der Rhön über die positiven Effekte zu referieren, die nachhaltiger Konsum regionaler Lebensmittel durch Touristen auf die Kulturlandschaft haben kann.


Bewusstseinsbildung

Wenn Besucher erfahren, welche positiven Nebenwirkungen ihr Gelbvieh-Steak hat, das sie in einem Rhöner Restaurant verzehren, trägt das zur Bewusstseinsbildung bei, und Gäste nehmen die Rhönlandschaft und ihren eigenen Konsum anders wahr. Das kann zu einer vielseitigen Win-win-Beziehung werden, von der alle profitieren: die Kulturlandschaft, das Nutztier, das eine artgerechte Haltung erleben durfte, der Gastronom, der sich mit dem Angebot profilieren kann - und der Landwirt.
"Innerhalb des Weltnetzes der Biosphärenreservate hat die Rhön einen sehr guten Namen", lautet das Fazit von Pokorny, die während des Kongresses bestehende internationale Kontakte pflegen und neue aufbauen konnte. "Mit der Neuauflage des Rahmenkonzepts arbeiten die Rhöner Akteure derzeit gemeinsam daran, dieses hohe Niveau weiter aufrechtzuerhalten. Der Aktionsplan für das Weltnetz bildet hierfür quasi den Kompass."
Nächster Höhepunkt ist das erste Welt-MaB-Jugendforum 2017 in Italien. Die Teilnahmebedingungen sind: Wohnsitz in einem Biosphärenreservat, gute Englischkenntnisse und Vertrautheit mit den Ideen und Zielen des Biosphärenreservats. Doris Pokorny ist sich denn auch sicher, "dass wir einige geeignete junge Leute aus der Rhön als Botschafter hinschicken können". Thomas Pfeuffer