Pfülb ist Haustechniker bei der Staatsbad GmbH. Er betreut die Heilquellen und gerade lässt er sich als Fachmann für die neue Heilwasser-Überwachungsanlage schulen. Der Leitstand befindet sich im Regentenbau. Von dort aus können Pfülb und seine Kollegen jeden Brunnen und den Hochbehälter einzeln anwählen und kontrollieren.

Die Überwachungstechnologie wurde zusammen mit der neuen Heilwasser-Leitung installiert, die Luitpoldsprudel Alt, Luitpolsprudel Neu, Schönbornsprudel und Runden Brunnen von der Quelle über den ebenfalls neuen Hochbehälter nach Bad Kissingen befördert.

Neben Pfülb steht Gerd Scheller vom Planungsbüro MSR-Plan, das die neue Technik der Firma Siemens eingerichtet hat. Aufgezeigt werden unter anderem Durchfluss und Schüttung, die Wasserstände im neuen Hochbehälter an der Oberen Saline, die Temperatur der Wässer, ob sich Kohlendioxid in den Betriebsräumen befindet, ob die Pumpen richtig arbeiten.

Jeden Fehler zeigt das neue elektronische System sofort an. So wird zum Beispiel die Stromleitfähigkeit des Wassers gemessen, sagt Hartmut Holzheimer vom Wasserwirtschaftsamt. Gibt es Abweichungen bei der Leitfähigkeit, hat sich die Mineralisation geändert. Das wiederum könnte undichte Rohre oder das Eindringen von Oberflächenwasser bedeuten. Dann, so Holzheimer, müsse sofort gehandelt werden.


Nach Hause auf das Handy



Damit im Notfall sofort gehandelt werden kann, gehen die Störmeldungen unmittelbar an den Bereitschaftsdienst. Auch nachts, dann über Handy oder auf den heimischen Laptop. Auf letzterem kann sich der Bereitschaftsdienst sofort in das System einklicken. "Das System ist ständig online und bietet eine komplette Überwachung", versichert der Leiter der Haustechnik, Hubert Kirchner.

Zwar gibt es auch jetzt schon eine elektronische Quellen-Überwachung, doch die lieferte nur Momentaufnahmen. "Wenn nachts eine Pumpe ausgefallen ist, haben wir das früher erst gemerkt, wenn das Becken im Hochbehälter leer war," sagt Hubert Kirchner. Dank der neuen, wesentlich moderneren Technologie kann der Mitarbeiter sofort sehen, was passiert und wie groß der Handlungsbedarf ist.

An der neuen elektronischen Überwachung hängen nicht nur die vier Quellen, die über die neuen Heilwasserleitung von außerhalb nach Bad Kissingen gefördert werden, sondern auch die drei Kurgartenquellen Rakoczy, Pandur und Maxwasser. Wie wichtig die Überwachung ist, verdeutlicht Hubert Kirchner: "Wir haben es hier schließlich mit Heilwasser, mit Arznei zu tun."


Der Mensch wird nicht überflüssig



Kirchner betont, dass das neue Überwachungssystem den Menschen nicht überflüssig macht. Aber er könne flotter handeln, finde Fehler viel schneller. Obwohl sich vom neuen Leitstand direkt in das System eingreifen lässt, zum Beispiel Pumpen an- und abgeschaltet werden können: "Eine Vor-Ort-Kontrolle ist nach wie vor nötig," sagt Kirchner, "das schreibt schon die Eigenüberwachungs-Verordnung vor." Außerdem müssen nach wie vor die Schutzzonen rund um die Heilquellen regelmäßig begangen werden. Die Schieber sind regelmäßig zu kontrollieren und zu bewegen. Und das sind alleine im neuen Hochbehälter über 30.

An das neue System angeschlossen ist auch die neue Heilwasser-Verteilstation am Luitpoldbad. Hier werden die Quellen in Richtung KissSalis-Therme, an die Sanatorien und in die Brunnenhalle verteilt. Auch hier ist in die Wand ein Monitor eingelassen, der online alle Daten wiedergibt.

Schließlich zeigt die elektronische Überwachung auch den Pegelstand der Saale an, sagt Hartmut Holzheimer. Bei Hochwasser muss die Staatsbad GmbH schnell reagieren können. Zum Beispiel die Bodeneinläufe des Schönbornsprudels schließen, kontrollieren, ob die Türe des Verteilerschachtes dicht ist. Sämtliche Messwerte werden protokolliert, das gilt auch für die Wartungsarbeiten und die Störungen mitsamt der getroffenen Gegenmaßnahmen. Diese Protokolle gehen dann ans Wasserwirtschaftsamt.

Noch läuft die neue Überwachungsanlage im Probebetrieb, die Mitarbeiter der Haustechnik werden noch geschult. Der frisch sanierte Runde Brunnen ist noch nicht angeschlossen. "Die Anlage ist neuester technischer Standard," sagen Holzheimer und Scheller. Für Elektronik und Fernmeldeanlagen hat der Freistaat als Eigentümer der Heilquellen rund 200.000 Euro ausgegeben. Fast schon "Kleingeld", verglichen mit den 6,4 Millionen Euro, die der Bau der neuen Heilwasserleitung samt Hochbehälter kosten wird.