Im Jahr 2004 waren neun Mitglieder der Garitzer Kolpingsfamilie zu einem 14-tägigen Arbeitseinsatz zum Kolping-Feriendorf "IVO" im Hargithagebirge in Siebenbürgen aufgebrochen, um das "Würzburger Haus", ein Seminar- und Begegnungshaus, fertigzustellen. "In dieser Zeit wurden viele Bekanntschaften geschlossen und freundschaftliche Kontakte geknüpft", sagt Heiner Fuchs von der Kolpingsfamilie Garitz.
Das Kolpingwerk Rumänien trägt durch seine Arbeit einen großen Teil dazu bei, dass im Land Sozialstrukturen entstehen. "Nach einem halben Jahrhundert müht sich Rumänien zurzeit mit dem Übergang zu einem demokratischen System und zur Marktwirtschaft ab", ergänzt der Vorsitzende der Kolpingsfamilie. Rumänien wurde im Jahr 2007 in die EU aufgenommen. Mit rund 22,5 Millionen Konsumenten ist Rumänien der zweitgrößte Markt des ehemals kommunistischen Europa. Es ist ein riesiges wirtschaftliches Potential und trotzdem weit vom Wohlstand entfernt. "Das Kolpingwerk ist seit Beginn der 90er Jahre im Land aktiv und ist mit seinen 6000 Mitgliedern der größte Verband in den EU-Beitrittsländern", weiß Fuchs. Menschen in Not - ob in der Region oder weltweit - zu helfen, dieses Anliegen hat sich das Kolpingwerk auf die Fahnen geschrieben.

Rund 1700 Kilometer

Im Oktober haben sich wieder Mitglieder der Kolpingsfamilien aus Garitz und Münnerstadt mit Hilfstransporten auf den Weg gemacht zum rund 1700 Kilometer entfernten Ziel in Siebenbürgen in Rumänien. Zwei Lkw mit Anhänger und ein Begleitfahrzeug ebenfalls mit Anhänger waren von Kolpingmitgliedern vollgepackt worden.
Der Hinfahrt führte zunächst durch Österreich nach Ungarn. In der Nähe von Budapest wurde übernachtet. In der Morgenfrühe des nächsten Tages ging die Fahrt durch Ungarn weiter an die rumänische Grenze. Von hier wurde die rund siebenstündige Fahrt durch Rumänien fortgesetzt. Ziel waren Pfarrhaus und Kolpingheim in Cristuru-Secuiesc, etwa 20 Kilometer östlich von Schässburg (Sighisoara). Am nächsten Tag wurden mit den ansässigen Kolpingmitgliedern die Fahrzeuge entladen und Hilfsgüter nach Bereck zu Pater Robert und nach Odorheiu zu Schwester Margit in das Kinder- und Altenheim gebracht. Der Jugendzeltplatz in Ivo am Fuße der Karpaten wurde besucht und mit einer Waschmaschine und einem neuen Kühlschrank sowie mit Lebensmitteln versorgt. "Diese Jugendbegegnungsstätte wurde bislang mit viel Unterstützung und tätiger Hilfe aus der Diözese Würzburg gefördert", erklärt Heiner Fuchs.

Öffentlichkeit mobilisiert

"Der Kolping-Diözesanverband hatte wieder aufgerufen und seine Mitglieder sowie die Öffentlichkeit mobilisiert, für bedürftige Kinder in Rumänien zu spenden", sagt er. Auch in diesem Jahr hat sich die Firma Elektro-Fischer aus Garitz in großem Umfang an der Aktion beteiligt. Sie hatte die Kinder vom Kindergarten am See eingeladen um "Süße Päckchen" zu packen.
"Der ehemalige Bildungsreferent des Würzburger Kolpingwerkes, Erhard May, hatte nach vorherigen Erfahrungen in Rumänien ab 1994 die Kontakte aufgebaut und zur Gründung zahlreicher Kolpingsfamilien in Rumänien beigetragen", erinnert sich Fuchs. Großen Rückhalt fand er bei der früheren bayerischen Staatsbeauftragten Barbara Stamm und dem früheren Würzburger Landrat Waldemar Zorn. 1996 rief May die Aktion "Süße Päckchen" ins Leben, die zu einem Erfolgsmodell wurde.

Zentrale Sammelstelle

"Das Kolpingheim Garitz war auch in diesem Jahr zum wiederholten Male die zentrale Sammelstelle für 9412 Päckchen und weitere Hilfsgüter, die die umliegenden Kolpingsfamilien vorbeibringen", fasst der Vorsitzende zusammen. Oftmals müssen die angelieferten Päckchen für den Transport - in Bananenkisten - vorbereitet werden. Eine weitere Anlaufstelle für 4978 Päckchen wurde in Großostheim für das Gebiet Untermain geschaffen.

Einer der Garanten

Einer der Garanten für den zuverlässigen Transport der letzten 18 Jahre war der im August 2013 verstorbene Otto Kiesel, Kolpingmitglied der Kolpingsfamilie Münnerstadt, der schon ab 1981 regelmäßig Hilfstransporte nach Polen und ab 1993 nach Rumänien gebracht hatte.
Jüngere Kolpinger aus Münnerstadt werden künftige Transporte wieder im Sinne von Otto Kiesel verantworten, da gerade von rumänischer Seite weiterhin besonderer Wert auf persönliche Kontakte gelegt wird. Sie hatten die einwöchigen Touren miterlebt und wurden bei den Begegnungen förmlich "infiziert" von der Rumänienhilfe.
Auch mit diesem Transport wurden zusätzliche Hilfsgüter wie Lebensmittel, Medikamente, Windeln, Pflegebetten, Rollstühle, Rollatoren, Toilettenstühle, Wolldecken, Nähmaschinen Spielsachen, Büchertaschen, Fahrräder, Kleider, Schuhe, Kinderwagen, Musikinstrumente sowie 60 Computer und 80 Bildschirme (gesponsert von den Luitpoldkliniken in Bad Kissingen) auf die Reise geschickt.

An karitative Einrichtungen

Kolpingmitglieder in Cristuru-Secuiesc haben die Fahrzeuge, die sehnlichst erwartet wurden, wie üblich abgeladen. Der Diözesanverband Alba Julia gewährleistet die gerechte Verteilung an karitative Einrichtungen für Kinder und alte Menschen. Die "Süßen Päckchen" werden an Schulen, Kindergärten, Kinderheime, Waisenhäuser, Krankenhäuser und auch an Einrichtungen für alte und kranke Menschen mit Hilfe der Mallersdorfer Schwestern abgegeben.
Die Kolpingsfamilie Garitz und alle dem Diözesanverband Würzburg angehörenden Kolpingsfamilien zeigen sich laut Fuchs erfreut über die zahlreichen Unterstützer, die die Aktion immer wieder durch großzügige Sach- und Geldspenden unterstützen. Nach einem Tag Pause hieß es Abschied nehmen, um die lange Rückreise nach Deutschland anzutreten. "Unvergessliche Eindrücke wirken noch immer nach", schließt Heiner Fuchs. Mitglieder der beiden Kolpingsfamilien sind in diesen Tagen einmal mehr der Not in Rumänien begegnet, die gerade in den Dörfern unübersehbar ist. red