Der Konflikt schwelt seit langem, den Kreisobmann Karl-Heinz Vogler so formuliert: "Wir Landwirte brauchen die Saalewiesen für unsere Kühe und Rauhfutterfresser, aber das Wasserwirtschaftsamt (Freistaat) will die Saale fast überall naturnah belassen und ihr links und rechts mehr Raum geben." Dabei gehe es um etwa 500 Hektar Nutzland und damit um die Futtergrundlage für 1100 Kühe, die fehlen würde.

Daher nutzten die Landwirte die Gelegenheit, Walter Heindl, den Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes, für ihr Anliegen zu sensibilisieren und um Unterstützung zu bitten, und trafen ihn anlässlich seines Besuchs beim Kreisbauerntag an den Saalewiesen bei Bad Bocklet. Zuvor hatte stellvertretender Bürgermeister Andreas Sandwall bei einem kleinen Empfang verdeutlicht, dass auch ein Kurort auf die Landwirte angewiesen sei. Sie trügen zum Erhalt der Kulturlandschaft Saaletal bei, Pfunde, mit denen die Region auch touristisch wuchern kann.
Die "Interessengemeinschaft (IG) zur Erhaltung der Kulturlandschaft fränkischer Saale-Auen" unter Leitung des Aschacher Landwirts Norbert Götz gibt es seit 2005. Damals begann das Flurneuordnungsverfahren. Die IG vertritt etwa 40 Landwirte und bekam für ein Projekt mit freiwilligem Nutzungstausch im Markt Bad Bocklet 2007 den "Staatspreis für besondere gemeinschaftliche und öffentliche Leistungen." Damals hatten sich die Landwirte vertraglich zu freiwilligen Maßnahmen verpflichtet und vor Ort Uferstreifen festgelegt, die sie extensiv nutzen. Auch mähen sie seither die Ufer regelmäßig und nutzen die saftigen Saalewiesen zum Beweiden oder Futteranbau auf Verpachtungsbasis. Aber 2017 läuft die Pacht aus. Bis dahin will der Freistaat, der viele Flächen an der Saale, aber auch abseits besitzt, alle Uferflächen im Eigentum haben und strebt dies im freiwilligen Landtausch an.
Die Landwirte aber wollen den Status quo am liebsten auf den gesamten 80 Kilometern Saalelänge zwischen Bad Neustadt und Gemünden festschreiben. Das wäre ihrer Meinung nach die beste und für den Freistaat günstigste Lösung. Aber das Wasserwirtschaftsamt (WWA), das 1999 sein Gewässer entwicklungskonzept Fränkische Saale entworfen hat, will dem Fluss mehr Raum lassen und wieder dem annähern, wie er vor den Uferverbauungen der 50er Jahre, die allmählich bröckeln, war. Links und rechts sollen im Schnitt 15 Meter ausgewiesen und unterschiedlich stark bewirtschaftet werden. Laut WWA-Chef Leonhard Rosentritt sollten die ersten fünf Meter dem Uferbewuchs gehören, denn: "Wir müssen auch etwas für die Wasserqualität tun."

Damit könnten die Landwirte noch leben. Aber um die folgenden fünf Meter gab es Differenzen. Ein angedachter "Krautsaum" hätte nur alle zwei Jahre gemäht werden dürfen, was die Nutzung einschränken würde. "Darauf haben wir ja schon verzichtet", so Rosentritt, "dieser Bereich könnte mit bewirtschaftet und einmal jährlich gemäht werden." Genau genommen seien es fünf Meter, die die Landwirte abgeben müssten, auf 80 Kilometer also 40 Hektar. Aber die Landwirte bestehen auf einen gemeindlichen "Anwandweg", den sie befahren können. Rosentritt dazu: "Damit soll zementiert werden, dass das WWA nur fünf Meter hat."

Walter Heindl gewann vor Ort den Eindruck, aus der Saale solle ein Museum werden. Aber das verneinte Rosentritt auf unsere Nachfrage: "Die Kulturlandschaft Saale soll genutzt und bewirtschaftet werden." Und der Kurweg in Bad Bocklet sei ohnehin öffentlicher Grund, der nach Bedarf gemäht werden könne.
Um die letzten fünf der 15 Meter Wiese gibt es übrigens keinen Streit.