Hoch über dem Saaletal laufen etwa 20 Männer und Frauen über einen frisch gepflügten Acker. Ihr Blick ist auf den Boden gerichtet - hochkonzentriert. Schatzsucher? Mitnichten. Dieses Wort mag Ralf Obst vom Landesamt für Denkmalpflege überhaupt nicht. "Wir suchen auf den Äckern nach Hinweisen, ob dort Bodendenkmäler vorhanden sind", erklärt er die Exkursion am Sonntagnachmittag.
Hammelburg ist reich an frühgeschichtlichen und mittelalterlichen Bodendenkmälern. Und viele sind bisher noch nicht entdeckt. Auch die Völkerwanderung im 5. Jahrhundert hat hier ihre Spuren hinterlassen. "Das ursprüngliche Hamulum Castellum - wahrscheinlich eine Fluchtburg - muss viel größer gewesen sein als das heutige Schloss Saaleck", vermutet Obst.

Hinweise durch Flurnamen

Der Flurname "Fischlingen" scheint dem Experten verdächtig. Handelte es sich hier um eine Wüstung (Siedlung)? Stammt der Name vom Fischfang? Oder ist er abgeleitet von "Fiscus" - den Leuten (an einem Guts- oder Königshof)?
Hinter dem östlichen Wäldchen des Weinguts Lange und dem Weg zum Truppenübungsplatz stößt das Team auf eine bewachsene, kleine Anhöhe, die von ihrer Geländeform ein Verteidigungswall gewesen sein könnte. Aber um dies zu belegen, müsste ein Laser-Scanning eingesetzt werden.
Die Freizeit-Archäologen haben diese Möglichkeit nicht. Sie betreiben nach einem theoretischen Unterricht lediglich Oberflächen-Archäologie. Sie graben nicht, für Grabungen ist eine Genehmigung der Denkmalpflege Voraussetzung.

Scherben weckten Interesse

Was bringt einen Menschen eigentlich dazu, nach Zeugen der Vergangenheit zu suchen? Bei Hans Dünninger machte es "Klick", als er als Pflanzenbauberater tätig war. "Ich war viel auf den Feldern unterwegs und machte dabei manchen Fund, den ich zu einem Fachmann brachte", berichtet er. Meist waren es Scherben von Tongefäßen und ähnliches.
"Dadurch kam ich zur Hobby-Archäologie, denn die Funde begannen mich zu interessieren", sagt Dünninger. Die Funde behielt er - nach Meldung bei der Denkmalpflege - zum Teil selbst, einige gab er weiter an einschlägige Ausstellungen.
Kreisheimatpfleger Roland Heinlein, der ebenfalls im Rahmen des Projekts "Archäologie und Ehrenamt" tätig ist, hatte keine großen Erwartungen an die Lehr-Exkursion. Grund: Die Bedingungen, wie zum Beispiel die Lichtverhältnisse, waren nicht optimal. Doch kann er auf beachtenswerte Exponate verweisen, die er früher selbst gefunden hat oder zugetragen bekam. Eine Sammlung mit zahlreichen Exponaten übergab er vor vier Jahren an den Bürgermeister von Elfershausen.
Die ältesten und am besten erhaltenen Stücken fanden einen Platz in der großen Vitrine im Foyer des Erthalbaus der Trimburg. "Manche Hobby-Sammler wissen gar nicht, welch archäologisch wertvolle Stücke sie gefunden oder zuhause liegen haben. Diese Raritäten sind es wert, der Öffentlichkeit gezeigt zu werden", betonte Heinlein.
Funde gab es am Sonntag zwar nicht, doch glaubt Ralf Obst, dass eine weitere Suche in der Region lohnt. Für die engagierten Laien war die Begehung der praktische Teil nach der theoretischen Einweisung - und eine bereichernde Erfahrung.
Das Modellprojekt "Archäologie und Ehrenamt" hat vor gut drei Jahren im Landkreis Fuß gefasst. In bürgerschaftlichen Engagement mit Heimatpflegern und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Denkmalpflege unterstützen archäologische Arbeitskreise und Vereine dabei die Altertumswissenschaft ihrer Region in unterschiedlicher Weise.
Die Vernetzung von Vereinen, Museen und Ehrenamtlichen soll eine bessere Zusammenarbeit zwischen der amtlichen Denkmalpflege und den "Hobby-Archäologen" dienen mit dem Ziel, Erhaltung, Erforschung und Dokumentation der heimischen Vergangenheit sicherzustellen.