Traditionen und Bräuche geben Halt - andererseits ändern sich die Zeiten. Vieles befindet sich im Umbruch. Darunter auch das Ehrenamt der Feldgeschworenen. War es früher eine reine Männerdomäne, dürfen seit 1981 auch Frauen vom Siebener-Geheimnis wissen. Wie soll dann der Satz von Reinhold Grom, Vize-Kreisobmann der Feldgeschworenenvereinigung Bad Kissingen West, eingeordnet werden? Er sagte auf einer Vereidigung von Kollegen: "Wir sind eine Domäne ohne Frauen, das soll auch so bleiben." Seit 40 Jahren also dürfen Frauen Grenzsteine suchen, heben, versetzen - ist ihm das zu viel an Emanzipation und Gleichberechtigung?

Otto Funck ist der Kreisobmann der Feldgeschworenenvereinigung Bad Kissingen West. Laut ihm bekleiden im Bad Kissinger Landkreis nur zwei Frauen das Ehrenamt. Bayernweit sind es etwa 2000 Frauen. Weder Mann noch Frau können sich um das Ehrenamt bewerben - dazu wird man vorgeschlagen, und zwar von den amtierenden Siebenern.

Jetzt sagte also sein Stellvertreter Reinhold Grom den umstrittenen Satz, als er auf die Frauenquote bei einer Vereidigung in Burkardroth angesprochen wurde.

Nachgefragt: "Wie begründen Sie denn diesen Satz, wo es im Landkreis doch zwei Frauen auf dem Posten gibt und Frauen seit 1981 mitmachen dürfen?"

Kritik an Umständen

Den beiden Frauen möchte er die Kompetenz nicht absprechen. Allerdings: Seine persönliche Meinung begründet er mit einem Erlebnis aus der Vergangenheit. 2002 vereidigte der frühere Kreisobmann Alfons Kleinhenz die erste weibliche Feldgeschworene im Landkreis, und zwar ohne sich vorher mit seinen Kollegen darüber abzustimmen. "Man hätte die anderen Siebener vorher fragen sollen. Bei den Versammlungen wird über so vieles diskutiert, und über so etwas Wichtiges nicht." Der Ärger darüber hält seit 19 Jahren an.

Brigitte Benckiser, Feldgeschworene in Maßbach, fügt an: "Es ist immer abhängig von der Kompetenz der Person. Es braucht ja auch ein Interesse für die ganze Thematik, und man muss sich draußen auskennen." Dementsprechend richtet sich die Wahl der Siebener auch nach dem Angebot kundiger Personen vor Ort. Probleme mit ihren männlichen Kollegen hatte die Feldgeschworene bislang nie. Außerdem sollte man körperliche Arbeit nicht scheuen. Ihre Kollegen seien diesbezüglich sehr rücksichtsvoll. Bei der Arbeitsverteilung habe man dies stets im Fokus.

Denn zu tun gibt es einiges. Allein der Markt Burkardroth hat knapp 70 Quadratkilometer Fläche. "Die zwölf Ortsteile betreuen etwa 70 bis 80 Feldgeschworene", sagt Grom. Die braucht es auch - etwa beim Vermessen von Grundstücken in Neubaugebieten. Und: "Der stellvertretende Landrat Emil Müller hat es mal richtig gesagt: Wir sparen der Gemeinde Geld".

Läuft das Vermessen über das zuständige Amt, dann ist schnell eine größere Summe zusammen. Davon profitierte die Kommune bei der Flurbereinigung. Hier hat Reinhold Grom Lob für seinen damaligen Vize, Helmut Zehe, parat: "Er hat alles in der Hochphase organisiert. Alleine hätte ich das nicht geschafft." Die Grenzen markieren die Siebener mit Steinen aus Granit. "Früher war das mal Sandstein. Aber der ist später in der Flur oft nur schwer wieder zu finden." Alte, bestehende Sandstein-Grenzsteine werden regelmäßig kontrolliert. "Wenn sie nicht mehr in Ordnung sind, ersetzen wir sie."

Punkte, zu denen die Feldgeschworenen regelmäßig im Duo ausrücken, gibt es öfter. Etwa bei Äckern. "Es ist immer wieder eine Streitfrage, wie es weitergeht, wenn der Pächter eines Ackers beim Pflügen den Grenzstein erwischt und er dadurch nicht mehr da ist, wo er sein sollte." Denn: "Letztlich lässt es sich nie klären, ob es der vorherige oder jetzige Pächter war." Groms Vorschlag: "Gibt es einen Pächterwechsel, dann soll derjenige, der aus dem Vertrag ausscheidet, dafür sorgen, dass neu eingemessen wird." So übernimmt dessen Nachfolger eine korrekt bemessene Fläche.

Rund ums Ehrenamt

Feldgeschworene werden auf Lebenszeit ernannt. Ihr Ursprung lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Schon damals rief die Bevölkerung diese bei Grenzstreitigkeiten auf den Plan. Je nach Region tragen als "Siebener" bekannte Feldgeschworene andere Namen. Sie sind auch als Vierer, Dreier, Untergänger, Märker oder Feldscheider bekannt.

Ihr Wissen, ob ein Stein richtig sitzt oder nicht, nennt sich Siebener-Geheimnis. Darüber lässt sich sicherstellen, dass keine Grenzen willkürlich versetzt werden. Diese "Siebenerzeichen" sind laut dem bayerischen Heimatministerium meist besonders geformte und oft beschriftete Zeichen aus Ton, Glas, Porzellan oder Metall. Wie die verschiedenen Zeichen versteckt sind und wo diese zu finden sind, wurde von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich gehandhabt.

Ein großer Teil ihrer Arbeit ist derzeit das Unterstützen der Vermessungsämter und Kommunen. Auch für Privatbürger dürfen sie Grenzsteine suchen, aufdecken sowie sichern und höher- oder tiefersetzen.

In Bayern gibt es laut Heimatministerium rund 27 000 Feldgeschworene. Ihren Dienst verrichten sie zum Großteil in Franken.