"Das Ehrenamt hat viele Gesichter" lautet ein geflügeltes Wort. Ein Blick in die Runde bestätigt dies. Viele Gesichter aus dem Landkreis sind zu dem Regionalforum in den Tattersall gekommen. Die Veranstalter rechneten mit rund 100 Teilnehmern, die sich in Vereinen, Verbänden, Pfarrgemeinden oder Initiativen engagieren. Am Ende waren es noch ein paar Besucher mehr, kein Stuhl blieb frei, die Diskussionstische waren bis auf den letzten Platz besetzt.
Das Forum diene dazu, dass sich die Ehrenamtlichen untereinander austauschen. "Wo drückt der Schuh, was läuft gut, was wird gewünscht?", schilderte Veranstalterin Christina Flurschütz vom ISKA. Ziel des Projekts "Netzwerk Bürgerengagement" ist es Hilfestellungen und Unterstützung anzubieten, um das Ehrenamt vor Ort zu stärken und auszubauen. In insgesamt vier Diskussionsabenden in Hammelburg, Bad Kissingen, Bad Brückenau und Münnerstadt werde mit den Ehrenamtlichen gesprochen und Ideen, Anregungen sowie Kritikpunkte gesammelt.
"Austausch" war also das Motto des Abends und so verteilten sich die Anwesenden auf neun Tische, um zu drei verschiedenen Themen zu diskutieren. Moderator Georg Schulz-Hertlein las seiner Gruppe eine Frage zur Zukunft des Ehrenamts vor: "Stellen sie sich vor, sie wachen eines Morgens auf, ein Wunder ist geschehen und sie sind rundum zufrieden mit dem Ehrenamt. Wie würde das ausschauen?"
Die geäußerten Meinungen sind vielfältig, reichen von hohen Mitgliederzahlen hin zu Vereinsvorständen, die ohne weitere Probleme mit Freiwilligen besetzt werden. Ein Punkt aber beschäftigt die ganze Runde. "Miteinander anstatt Nebeneinander" hat es Cordula Kuhlmann (Regionalmanagement der Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld) treffend auf einem Kärtchen formuliert. Es solle nicht nur der eigene Verein zählen und kein Konkurrenzdenken geben, so der Wunsch der Gruppe. "Die Kommunikation zwischen den Vereinen ist wichtig", fand Kuhlmann.
Einen Tisch weiter diskutierte Moderatorin Laura Schmidt mit ihrer Gruppe Stärken, Probleme und Wünsche in Bezug auf Bestehendes. "Vorhin ist die Aussage gefallen, dass traditionelle Vereine eine starke Mitgliederbindung aufweisen", nannte sie eine Stärke. Kritisch wurden hingegen veraltete Vorstände angesprochen oder auch die Dienstleistungsmentalität mancher Mitlieder. "Wenn man etwas braucht wollen die Leute, dass sich der Verein darum kümmert; aber man will sich nicht selbst engagieren", fasste sie den Punkt zusammen.
Der dritte Themenblock des Forums widmete sich der Frage, was ehrenamtliches Engagement fördert oder hemmt. Hans-Peter Kreutzberg vom Seniorenbeirat Bad Kissingen meinte, es sei wesentlich das Ehrenamt mit Spaß zu verbinden. "Die Leute bei uns wollen helfen", schilderte er. Moderatorin Marina Schachenmayer-Wiesend hielt fest, dass eine gute Anerkennungskultur und positive Berichterstattung der Medien für das Ehrenamt notwendig sei. Außerdem müsse die Politik für Anreize sorgen. Hemmschuh seien dagegen gesetzliche Vorschriften aber auch die zunehmende Belastung junger Leute durch Beruf - Stichwort flexible Arbeitszeiten und Mobilität - und Familie.
"Im Herbst wird eine zentrale Anlaufstelle für den Landkreis in der Außenstelle des Landratsamtes in Hausen eingerichtet", schilderte Chrtistina Flurschütz die nächsten wichtigen Maßnahmen des Projektes. Es sei des Weiteren angedacht Ehrenamtslotsen, also Anlaufstellen in den Gemeinden aufzubauen, die bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Außerdem werde nach Abschluss aller Regionalforen geschaut welche Wünsche, welchen konkreten Unterstützungsbedarf es im Landkreis gebe. Daraufhin werden entsprechende Lösungen entwickelt.