"Wenn du dich im Alter unter einen Baum setzen möchtest, musst du ihn in der Jugend pflanzen", kennt Theresia Dietz vom AELF (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) Bad Neustadt ein altes Sprichwort. Ein Obstbaum benötigt 40 bis 50 Jahre, bis er voll ertragsfähig ist. Streuobstwiesen und -äcker dienten früher als Mittel zur Selbstversorgung der Bevölkerung mit verschiedenen Obstsorten wie beispielsweise Kirschen, Äpfeln, Birnen, Zwetschgen, Walnüssen und Quitten. Heute sind von den ehemals 5000 Streuobstsorten noch etwa 2100 erhalten.

Viele Sorten und Arten sind in Vergessenheit geraten, denn die Pflanzenzüchter haben die geschmacklichen Vorlieben der Kunden in wenige standardisierte Sorten gezüchtet. Streuobst aus alten Beständen schmeckt oft anders als das Obst aus den Regalen der Märkte. Die alten Sorten enthalten viele Stoffe, die in den neueren, säurearmen Sorten aus dem Intensivobstbau nicht mehr in so großer Menge vorhanden sind. Vor allem der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen, die besonders für die Gesundheit einen wichtigen Beitrag leisten, ist in den alten Sorten der Streuobstwiesen höher.

Artenvielfalt ist das Ziel

Unter dem Motto "Unser Auftrag: Erzeugung gestalten - Arten erhalten" hat das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) bayernweit zusammen mit den AELF vielfältige Veranstaltungen gemacht, die sich mit den Möglichkeiten zur Verbesserung der Artenvielfalt beschäftigen.

"Wir wollen unsere Landwirte und Waldbesitzer, aber auch Verbraucher, Gartenbesitzer, Kommunen, Schulen und Verbände verstärkt für dieses wichtige Thema sensibilisieren und zeigen, was jeder Einzelne in seinem Bereich für den Artenschutz tun kann", sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. "Hierfür bietet sich der geplante Streuobstlehrpfad in Bad Bocklet an", so Theresia Dietz vom AELF Bad Neustadt.

Wer kennt Prinz Albrecht?

Zwölf Bäume wurden entlang des alten Bad Bockleter Weges in Großenbrach, der gleichzeitig der Verbindungsweg zu den Streuobst-Flächen des Bundes Naturschutz ist, vom Bauhof des Marktes Bad Bocklet gepflanzt. Neben einer Mollebusch-Birne wurden noch elf weitere Apfelbäume gepflanzt, und Brettacher, Prinz Albrecht von Preußen, Gravensteiner, Ingrid Marie und Kaiser Wilhelm.

Der November ist genau der richtige Monat, um Bäume zu pflanzen, da sie über den Winter bereits leicht verwurzeln können und so einen Wachstumsvorsprung vor den im Frühjahr gepflanzten Bäumen haben.

Gesponsert wurden die Bäume zum Teil vom Landwirtschaftsministerium, die Pflege obliegt dem Markt Bad Bocklet. "Nur mit dem Pflanzen ist es nicht getan, auch die Pflege der Bäume ist ein sehr wichtiger Bestandteil", erklärt Theresia Dietz, und dankt Bauhofleiter Stefan Metz für sein Engagement.

Stefan Metz verwertet auch privat die alten Streuobstsorten der Region weiter, da er eine eigene Brennerei für hochwertige Spirituosen besitzt. Nicht nur durch das Brennen, sondern auch dank der Investition in Anlagen zum Pressen von Säften aus eigenem Anbau, gibt es wieder eine Zukunft für fast vergessene Streuobstsorten.

Fünf weitere Streuobstbäume

Vom Landschaftspflegeverband Bad Kissingen wurden, initiiert durch Dieter Weisenburger von der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz, zusätzlich noch fünf weitere Streuobstbäume gefördert, um die dortigen Obstbaumflächen durch Nachpflanzungen zu ergänzen. Dabei wurde auf dem Grundstück des Marktes Bad Bocklet eine Apfel-Quitte von Dieter Weisenburger und Bauhofleiter Stefan Metz gepflanzt. Vier weitere Bäume wurden auf der Fläche des Bundes Naturschutz und des Landesbundes für Vogelschutz angepflanzt, dabei auch die seltene regionale Kirschsorte "Ostheimer Weichsel".

Alle Pflanzmaßnahmen erfolgten auf Flächen, auf der durch finanzielle Unterstützung des Rhöner Unternehmens Bionade in den kommenden fünf Jahren 66 800 Quadratmeter Streuobstwiese revitalisiert und gepflegt werden. Vor Ort an den Obstbäumen kann nun gezeigt werden, wie gesundes Pflanzgut aussieht und wie richtig gepflanzt wird. In den Folgejahren soll mit Aktionen rund um die Bäume viel Wissen und Können zum Streuobst-Anbau an viele Bevölkerungsgruppen weitergegeben und gezeigt werden.

Bei Spaziergängen oder organisierten Führungen für "Jung und Alt", können Touristen, Obst- und Gartenbauvereine sowie andere Interessierte lernen, wie das Obst wächst und dass bei guter Pflege reichlich geerntet werden kann, hofft der Markt. Ziel sei es, mittel- und langfristig den Streuobstbestand der Marktgemeinde als wertvolles Element der Kulturlandschaft zu erhalten und zu ergänzen, wie es in der Mitteilung aus dem Rathaus weiter heißt.