Zunächst aber gab es ein großes Rätselraten um das große, für viele ungewöhnliche Streichinstrument: Geige? Bass? Gitarre? Cello? Im Saal kannte niemand den Namen des Instrumentes: "Viola da gamba" hieß das Instrument, das man Gambe oder Kniegeige bzw. Schoßgeige nennt. Danach erklang 400 Jahre alte Musik von einem ziemlich unbekannten Komponisten, Tobias Hume. Eva Weiss spielte von ihm drei Stücke der "Musical Humors" von 1605. Den Kindern fiel es nicht schwer, die drei Stimmungen - traurig, wütend, fröhlich - herauszuhören oder zu erraten.

Unnachahmlich

Und dann wurde vorgelesen, Eva Weiß las das Märchen "Die Bremer Stadtmusikanten" vor. Aber eigentlich war es kein Vorlesen, sie verwob vielmehr die Klänge ihrer sechssaitigen Gambe mit ihrer eigenen, unnachahmlichen Gestik und Mimik. Das ergab einen Ton- und Geräusche-Mix, bei dem man fast glaubte, Esel und Hund, Katze und Hahn vor sich zu sehen.
Was die Brüder Grimm vor etwa 200 Jahren aufschrieben, interpretierte die Musikpädagogin mit ausgeprägter Mimik und vollem körperlichen Einsatz. Auf ganz neue Weise erfuhren die kleinen Besucher im Saal die Erzählung, Eva Weiss verknüpfte den Inhalt mit Geräuschen. Im Mittelpunkt stand die Viola da gamba. Das Streichinstrument kann Gefühle und Stimmungen ausdrücken und auch mal bellen wie ein Hund. Durch die einfühlsame Erzählweise von Eva Weiss und das Schnarren, Wispern, Quietschen und Geklapper ihrer Instrumente erwachten die Figuren der Geschichte zum Leben.

Die Geschichte der Musikanten

Neben dem eigentlichen Märchen ging die Referentin auch auf dessen Geschichte näher ein: Die Kinder erfuhren, von wem sie stammt, wann sie entstanden ist, die inhaltlichen und sprachlichen Eigenheiten der Geschichte wurden erläutert. Es war ein besonderes Ereignis, diese "Vorlesestunde", Literatur wurde im wahrsten Sinne des Wortes sinnlich erlebt. red