Mehr Wildnis bis zum Jahr 2020 soll her in Deutschland. Das ist das Ziel eines neuen Förderprogramms des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Mit zehn Millionen Euro sollen Wildnisgebiete geschaffen oder bereits bestehende Wildnisgebiete wie die Kernzonen des Biosphärenreservats erweitert werden. Die Frage, die sich viele in der Region stellen: Kommt jetzt der Nationalpark-Rhön durch die Hintertüre?

"Die Flächen-Mindestgröße der Kernzonen käme bei weitem nicht für eine Nationalparkausweisung in Frage", teilt Dienststellenleiter und Regierungsdirektor Michael Geier von der Bayerischen Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservat Rhön mit. Erforderlich für einen Nationalpark sind mindestens 10 000 Hektar geschützte Fläche, in der sich die Natur nach ihren eigenen Gesetzen entwickeln darf. Die Kernzonen des Biosphärenreservats, in denen die Natur sich selbst überlassen ist, umfassen jedoch nur 3889 Hektar.

Flächen lassen sich vergrößern

Trotzdem ließen sich die Flächen mithilfe des Fonds prinzipiell vergrößern. Dafür müssten die Eigentümer - zehn Kommunen, der Bundesforst und zu einem Großteil die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) - angrenzende Flächen auf- oder verkaufen. "Als Antragsteller kommen insbesondere Stiftungen, Kommunen und Verbände in Frage, die in der Lage sind, die Sicherung der Wildnisgebiete dauerhaft zu gewährleisten", erklärt Jan Welzholz, Fachlicher Projektmanager Biodiversität der Zukunft - Umwelt - Gesellschaft (ZUG) gGmbH, die den Fonds betreut.

Privatwaldbesitzer lassen sich daher nur als potenzielle Verkäufer sehen. Laut Geier könnte der Wildnisfond für Waldbesitzer interessant sein, die mehrere 1000 Hektar Wald haben. "Der Borkenkäfer zerstört zum Beispiel eine große Fläche, auf der sich dann jahrzehntelang kein Ertrag mehr erzielen lässt." Die Neuaufzucht eines Waldes ist ein kostspieliges Unterfangen. In einem solchen Fall könnte sich Geier vorstellen, dass ein Waldbesitzer einen Teil seines Grundes aus der wirtschaftlichen Nutzung nimmt und an Stiftungen, Kommunen oder Verbände verkauft.

Geld, aber nicht für jeden

Aber nicht jeder bekommt Fördermittel aus dem Fonds. Die BaySF wären als Anstalt des öffentlichen Rechts zwar dazu berechtigt, gelten jedoch als Landesbetrieb - und Länder sind laut der Förderrichtlinie des Wildnisfonds nicht förderfähig. Außerdem brachte das Volksbegehren zur Artenvielfalt jüngst Änderungen im Bayerischen Waldgesetz mit sich, an das sich die BaySF halten müssen: Zehn Prozent des Staatswaldes sollen bis zum Jahr 2023 Naturwald werden. "Dabei handelt es sich um Wälder mit besonderer Bedeutung für die Biodiversität", erklärt Jan-Paul Schmitt, Pressesprecher der BaySF. Wegen dieser gesetzlichen Verpflichtung können die Staatsforsten keine Gelder erhalten. Das geht außerdem auch aus den Förderrichtlinien hervor.

Bei den anderen juristischen Personen des öffentlichen Rechts - Kommunen und Landkreisen - ist das anders. Dort gibt es zwei Möglichkeiten, um an Fördermittel zu kommen. Wenn eine Wildnisfläche vorhanden ist, lässt sich diese erweitern. Ein bestimmtes Flächenmaß muss dabei nicht erreicht werden. Befindet sich die ursprüngliche Fläche in einem Biosphärenreservat, müssen die neuen Flächen angrenzen.

Mindestgröße schwierig zu erreichen

Anders ist es, wenn ein Wildnisgebiet neu geschaffen werden soll. Beim Kauf einer geeigneten Fläche muss diese mindestens ein Drittel der erforderlichen Größe eines Wildnisgebietes haben. Bei Auen oder Mooren sind das 500 Hektar. Für Wälder im Regelfall 1000 Hektar. Sind die Gebiete kleiner, muss bei der Antragsstellung ein Konzept mit abgegeben werden. Darin verankert: Eine Strategie, wie die Kommune die 500 oder 1000 Hektar erreicht und ein Konzept, wie sich die Wildnisfläche in zehn Jahren entwickeln soll.

Das stellt beispielsweise den Landkreis Bad Kissingen vor Hürden. Denn die Fördervoraussetzungen kann er nicht erfüllen, "da wir keine 500 Hektar zusammenhängende Wildnisgebiete haben und auch nicht zusammen bekommen würden", teilt Melanie Hofmann, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises Bad Kissingen, mit.