Mit "Der Kurgarten - Ein historischer Überblick - a short overview" wurden die Sonderpublikationen des Stadtarchives Bad Kissingen nun auf Band 9 erweitert. Autor des zweisprachig aufgelegten Werkes (deutsch/englisch) ist Dr. Fred Kaspar. Der gebürtige Berliner studierte in den siebziger Jahren in Münster Volkskunde, Kunstgeschichte sowie Vor- und Frühgeschichte.
Seitdem ist er als Bauhistoriker für Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen beschäftigt.
Seine Forschungsschwerpunkte sind das städtische Bauen und Wohnen, die Geschichte der Bautechniken und des Fachwerkbaus sowie die Geschichte des Bäder- und Kurwesens einschließlich der Salinen; zahlreiche Publikationen zur Geschichte der Bau- und Wohnkultur in Nordwestdeutschland und der Bäderkultur in Deutschland sind bereits erschienen. So bezieht sich "The Kurgarten" auch nicht alleine auf Bad Kissingen, sondern behandelt rund 40 bis 50 europäische Kurgärten - alle unter dem Aspekt "Von der Spielwiese und Allee zu Kurgarten und Kurpark".
Wie Oberbürgermeister Kay Blankenburg anlässich der Buchpräsentation im Rathaus verlauten ließ, ist es fast erschreckend, wie wenig wir heute über diese Kulturgüter wissen. So sei es an der Zeit, einen dieser unserer Schätze zu präsentieren, zumal dies auch bei der Bewerbung als Weltkulturstadt zum Tragen kommen dürfe. Zwar würden immer mehr neue Kurorte aus der Retorte entstehen, "ein Kurpark allerdings könne nicht aus der Retorte entstehen, und so könnten die Kissinger stolz auf die lange Existenz und Form des Kurgartens sein". "Da sehen andere dagegen trist aus" so das Kissinger Stadtoberhaupt.


Bisher kaum Literatur

"Der Kurgarten ist ein zentrales Moment im Kodex der Dinge, die ein Weltbad braucht", so Kissingens Kulturreferent Peter Weidisch. Überrascht zeigte sich Autor Kaspar, dass es bislang kaum Literatur über die europäischen Kurgärten gebe.
Eben auch nicht über den "Vater aller Kurgärten" wie Oberbürgermeister Kay Blankenburg den hiesigen Kurgarten gerne bezeichnete. 1737 wurde "diese geniale Idee, die bis heute weiter geführt wird, im damaligen Kurort Kissingen geschaffen und der Kurgarten hat gleich von Anfang an eine entscheidende Rolle im Kurwesen eingenommen. So schreibt Kaspar dass Park- und Landschaftsgestaltung in Kurstädten eine besondere Kategorie in der Geschichte der Garten- und Landschaftsarchitektur bilden.


Ort der Kommunikation

Kurgarten bzw. Kurpark sind zentrales Element im Kurgeschehen, zentraler Ort in der Erholung und Therapie dienenden Kurlandschaft. Der Kurgarten ist nicht in erster Linie eine Anlage mit Sammlung botanischer Raritäten oder grüner Rahmen für Architekturen, sondern ein erweiterter Kursaal, als sommerlicher Aufenthaltsort der Kurgäste im Freien gedacht.
Die vorliegende Publikation liefert einen historischen Überblick zum Thema Kurpark und zeichnet anhand einschlägiger Beispiele dessen Entwicklung detailliert in Wort und Bild nach. Speziell auf Bad Kissingen treffe es zu, dass der Kurgarten, und Kaspar betont "Kurgarten" und nicht Kurpark, "die Erweiterung zum Freiluftsaal" sind. Während man im Park meist allein sei, finde im Kurgarten eine Kommunikation statt. So sei der abgrenzende Arkadenbau, der weit später als der Kurgarten entstand sowohl Einfassung, wie auch Erweiterung des Kurgartens bei schlechtem Wetter. Mit diesem Buch, das vorerst in einer Auflage von nur 500 Stück erscheint, möchte die Stadt Bad Kissingen einen wissenschaftlichen Input zur Unesco-Bewerbung setzen, ganz unter dem Motto "Kissingen will und kann", und darum müsse man den Vater aller Kurgärten auch ins rechte Licht setzen, schließlich diente er als Vorbild für viele andere Orte".
Der beim Fuldaer Imhof Verlag gedruckte "Kurgarten" (ISBN 978-3-7319-0370-3) ist im Buchhandel und im Stadtarchiv Bad Kissingen erhältlich.