Eines der Merkmale von religiös denkenden Menschen ist, dass sie nach dem Sinn eines Ereignisses fragen. Für Glaubende gibt es einen Gott, der irgendwie in Beziehung zu den Ereignissen auf der Erde steht. Fragen wir die Bibel, sehe ich drei Antwortspuren.

Die eine ist die direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung: Da gibt es ein schlimmes Ereignis wie eine Seuche. Dieses Ereignis kann als eine Strafe Gottes gedeutet werden. In der Geschichte Israels gab es dieses Schema immer wieder: Zum einen in den zehn Plagen gegen den ägyptischen Pharao, damit dieser Israel ziehen lässt in die Freiheit. Zum anderen auch bei den Israeliten selber: Weil sie von Gott immer wieder abfielen, war ihnen gewissermaßen Gottes Rücken zugekehrt. Sie litten unter Feinden und Misswirtschaft und Ungerechtigkeit. Wenn sie sich aber bekehrten zu Gott, dann ging es ihnen bald wieder besser und sie lobten eine Zeitlang dankbar Gott.

Die Gefahr dieses Bildes liegt darin, dass wir Gottes Willen sehr klein machen: Er reagiert quasi automatisch auf unsere Verfehlungen. In Jesus überraschte er aber die Israeliten und die ganze Welt, indem er selbst Leid und Schuld auf sich nahm. Jesus starb stellvertretend für uns am Kreuz. Dadurch dass Gott sich ganz klein machte in einem Menschensohn, wurde er erst wirklich relevant für unser Leben. Im leidenden Jesus sehen wir auch den Corona-Kranken und das verhungernde Kind in Ostafrika. Der mitleidende Gott war eine gute Nachricht, ein Evangelium, für die Menschen, die glaubten, von Gott bestraft zu werden und unwürdig zu sein vor ihm.