Theaterprobe, dritter Akt: Der Bürgermeister mitsamt Familie und Stadtbewohnern haben sich um "den Revisor" gruppiert und kleben an seinen Lippen. Nach einem offiziellen Empfang auf dem Marktplatz haben sich alle Anwesenden im Haus des Bürgermeisters auf einen Umtrunk versammelt. "Willkommen in meinem bescheidenen Haus" - Max Puschner spielt den Bürgermeister und schreitet mit weit ausholenden, einladenden Gesten über die Bühne. Den Bürgermeister habe er "voll drauf, das liegt sozusagen in der Familie", erzählt er später, sein Onkel hat dieses Amt inne.
Es dauert nicht lange, bis Dirk Hönerlage die Schüler unterbricht und Regieanweisungen gibt: "Du musst ihm mehr Honig ums Maul schmieren." Hönerlage unterrichtet Deutsch und Evangelische Religionslehre und leitet die Theatergruppe "Kompass" seit über zehn Jahren. "Zu der Theaterleitung kam ich wie die Jungfrau zum Kinde", erzählt er. Zwar wollte er erst ablehnen, habe sich aber dann doch umstimmen lassen. "Zum Glück."
Er weiß, worauf zu achten ist und legt großen Wert auf Detailarbeit und Feinjustierung. Ein Problem der Szene ist, dass zunächst nur die beiden Hauptakteure aktiv spielen. Die übrigen Beteiligten halten sich zurück. "Sie müssen Bühnenpräsenz haben und die Bühne ausfüllen, ohne zu langweilen", erläutert Hönerlage die Schwierigkeit. Außerdem muss das Timing stimmen. Wann reicht das Dienstmädchen die Getränke, wann schenkt sie nach? "Im Idealfall fällt dem Publikum solche Kleinigkeiten nicht auf. Dann hat alles gut geklappt", sagt Hönerlage weiter.
Nach dem dritten Versuch zeigt er sich zufrieden. Es folgt eine kurze Pause, in der die Schüler sich ihre Kostüme anziehen. Diese werden zum Teil vom Fränkischen Theater in Maßbach zur Verfügung gestellt. Der Rest stammt aus dem eigenen Fundus. Der sei über die Zeit stetig gewachsen, weil Schüler Utensilien mitbringen und dann vergessen, sie wieder abzuholen. Auch die Kulisse bauen und gestalten die Schüler selbst. Zu der Geschichte passt am besten ein Hintergrund, der ohne Illusionen und Symbole auskommt: ein großes, schickes und repräsentatives Bürgermeisterhaus.
Stefan Klug von der Technik besucht die 10. Klasse und ist bei der heutigen Probe der Jüngste. "Ich bin das erste Mal dabei", sagt er. Von den anwesenden Schülern haben die meisten bereits bei der letzten Aufführung mitgewirkt. Das gehöre zum Schultheater dazu. "Die älteren Schüler geben ihr Wissen selbstverständlich an die Jüngeren weiter", lobt Hönerlage die Gruppe.

Schüler entscheiden mit


Die jungen Schauspieler sind engagiert und motiviert. Warum sonst sollten sie in den Faschingsferien freiwillig in die Schule gehen? Oder Texte auswendig lernen? Aber das sei mit dem Lernen für Schularbeiten sowieso nicht zu vergleichen. "Es macht einfach Spaß zu spielen. Und allein durch das häufige Proben merkt man sich einen großen Teil des Textes", findet "Revisor" Martin Haas.
Auch hinsichtlich Auswahl und Inszenierung bringen sich die Schüler ein. Nachdem zuletzt überwiegend moderne und klassische Stücke umgesetzt wurden, hatte man nun Lust auf etwas anderes. Über fünf Vorschläge stimmte die Gruppe ab. Die Wahl fiel auf Gogols Verwechslungskomödie, weil sie aus dem Rahmen falle. Die Handlung ist aber in Brückenau angelegt. "Aber nicht als Büttenrede und ohne plumpe, direkte Anspielungen", sagt "Bürgermeisterfrau" Annabell Möller. Aus der russischen Provinz wird die Rhön, aus St. Petersburg München und aus dem russischen Landadel die Brückenauer Prominenz. Sozusagen der Revisor auf Rhönerisch.

Der Autor


Nikolai Gogol war ein russischer Schriftsteller ukrainischer Herkunft. Er wurde 1809 als Sohn eines Gutsbesitzers geboren. Er lebte einige Jahre in St. Petersburg, war dort mit dem Dichter Alexander Puschkin befreundet. Später unternahm er viele Auslandsreisen. Seine letzten Jahre waren von geistigem und körperlichem Verfall überschattet. 1852 starb er in Moskau an den Folgen einer religiös motivierten überstrengen Fastenkur. Berühmte Werke: "Abende auf dem Weiler bei Dikanka" (1831/32), "Mirgorod" (1835), "Der Revisor" (1836), "Die toten Seelen" (1842).

Das Stück


"Der Revisor" ist eine aus fünf Akten bestehende Verwechslungskomödie. Thematisiert wird menschliches Fehlverhalten, Korruption und moralische Korrumpiertheit: In einem kleinen russischen Städtchen wird die Nachricht verbreitet, ein Revisor sei inkognito auf dem Weg in die Stadt. Alle Beamten der Stadt fürchten sich vor dem Besuch. Schließlich hat jeder von ihnen Dreck am Stecken: Sie lassen sich schmieren, bestechen oder erfüllen ihre Aufgaben nicht. Gleichzeitig ist ein junger Mann aus St. Petersburg in einem Gasthaus abgestiegen. Seit zwei Wochen wohnt er dort und hat noch keine Rechnung bezahlt, sondern alles anschreiben lassen. Schnell geht das Gerücht um, der junge Mann sei der Revisor. Bald kommt es zum Zusammentreffen beider Parteien.


Die Aufführung


Seit Oktober laufen die Proben. Im Normalfall probt die Theatergruppe ein- bis zweimal in der Woche. Drei Wochen vor der Aufführung beginnt die heiße Vorbereitungsphase. Kommende Woche fährt sie für intensive Proben nach Rieneck auf "Theatertage". Am 15./ 16./ 18. März wird das Stück jeweils um 19.30 Uhr im Lola-Montez-Saal im Staatsbad aufgeführt. Gegen eine Kostenpauschale von einem Euro können Platzkarten in der Staatlichen Kurverwaltung, im Buchhandel Nikolaus oder im Sekretariat des Gymnasiums gekauft werden. Restplätze sind gebührenfrei am jeweiligen Aufführungstermin zugänglich.
bb