Es piepst. Schrill. Wieder und wieder. Der penetrante Ton verursacht Kopfschmerzen - auch bei Horst Steinhoff. Doch der Chef der Abwasserwirtschaft weiß: An diesem Ton hängt sein Leben. Aufrecht steht er in dem großen Abwasserkanal direkt unter der Sinnaustraße. Unter seinen Füßen fließt ein Rinnsal dreckiger Brühe.
Die Reise durch die Bad Brückenauer Kanalisation ist eine Reise durchs Periodensystem. Kohlenmonoxid bildet sich in den verwinkelten Kanälen, genauso wie Methangas und Schwefelwasserstoff. Letzteres ist ein Nervengift und legt den Geruchssinn lahm. "Wenn das hier unten wäre, würde ich sofort umfallen wie eine Fliege", beschreibt Steinhoff die Gefahr. Deshalb erträgt er das Piepsen geduldig. Draußen behält sein Kollege Frank Wittmann das Vielfach-Gas-Messgerät im Auge. "Wir gehen niemals allein hier runter", sagt Steinhoff. Das ist Vorschrift.

Nie mehr etwas anderes machen


70 Kilometer ist sie lang, die Kanalwelt unter dem Stadtgebiet von Bad Brückenau. Horst Steinhoff kennt jeden Winkel. Der Job als Abwasser-Chef bei den Stadtwerken Bad Brückenau ist vielfältig. "Man muss halb Chemiker sein und halb Mikrobiologe", beschreibt Steinhoff seine Arbeit. Zu seinen Aufgaben gehören die Kontrolle des Kanalsystems, regelmäßige Berichte an das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen und Laboruntersuchungen in Kläranlagen. "Der Job ist geil.