"Alles Routine" meldet der Abwasserbetrieb Bad Kissingen nach den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel. Zwei Mitarbeiter betreuten das Klärwerk Bad Kissingen an Weihnachten, Silvester und Neujahr. Dieser Minimalbetrieb stellte sicher, dass die täglichen Routinekontrollen auch an den Feiertagen stattfanden und eine unerwartete, kleine Reparatur sofort erledigt werden konnte. An normalen Werktagen kümmern sich acht Mitarbeiter im Schichtbetrieb um die Anlage, schreibt die Stadt Bad Kissingen in einer Pressemitteilung.

Kläranlagen laufen jeden Tag

Wie andere kommunale Ver- und Entsorgungseinrichtungen, z.B. Kliniken, Feuerwehr und Polizei, müssen auch Kläranlagen an 365 Tagen im Jahr in Betrieb bzw. in Einsatzbereitschaft sein. Im Bad Kissinger Abwasserbetrieb überwachten und überprüften zwei Mitarbeiter an den Feiertagen die Kläranlage und stellten ihren ordnungsgemäßen Betrieb sicher.

Die Abwasserbehandlung in der Kläranlage Bad Kissingen erfolgt nach einem bewährten Prozess: mechanische Reinigung, biologische Reinigung, chemische Reinigung und zuletzt Schlammbehandlung. Die einzelnen Schritte laufen im Großen und Ganzen automatisiert ab. Falls niemand vor Ort ist, meldet das Steuerungsnetz Störungen an einen Mitarbeiter im Bereitschaftsdienst. Dennoch müssen jeden Tag mindestens zwei Kräfte vier Stunden vor Ort sein, da einige Kontrollaufgaben täglich anstehen.

Prüfen und kontrollieren

So sind am Auslauf des Vorfluters, über den das gereinigte Wasser in die Fränkische Saale fließt, Abwasserproben zu nehmen und zu prüfen. Dabei werden auch Rückstellproben gebildet. Alle Anlagen müssen mit erfahrenem Expertenblick kontrolliert werden, um einen reibungslosen Betrieb der Kläranlage sicherzustellen.

Die Schlammentwässerung muss überprüft und nach Bedarf manuell angestoßen werden. Wie wichtig diese Kontrollen sind, zeigte sich an Heiligabend, als kurzfristig ein Keilriemen ausgetauscht werden musste. Die Routine-Reparatur war zwar schnell erledigt - verschiebbar wäre sie jedoch nicht gewesen.

Feiertage im "Corona-Winter"

Die Kläranlage an der Fränkischen Saale im Süden der Stadt übernimmt in Bad Kissingen den Großteil der Abwasserreinigung. Üblicherweise stammt das Abwasser nicht nur aus Haushalten, sondern auch aus Hotels, Krankenhäusern, Kliniken, Sanatorien, Gewerbe und Gastronomie sowie von Kurgästen und Urlaubern.

An den Feiertagen im "Corona-Winter 2020" waren die meisten Einwohner am Heimatort, während Hotels und Gastronomie aufgrund der behördlichen Auflagen geschlossen waren. So wurde hauptsächlich daheim geschlemmt und gespeist. Es ergab sich ein hoher Anteil an Abwasser aus Privathaushalten, und dies machte sich aufgrund der Zusammensetzung des Abwassers in der Kläranlage sogar bemerkbar.

Über die Abwasserreinigung in der Kläranlage Bad Kissingen

Zusammen mit der Kläranlage Kleinbrach und der Pflanzenkläranlage Klaushof reinigt die Kläranlage Bad Kissingen jährlich vier Millionen Kubikmeter Abwasser. Es stammt aus dem 185 Kilometer langen Kanalnetz der Stadt mit seinen rund 5600 Schachtpunkten sowie aus 17 Regenüberlaufbecken und 26 Regenüberläufen. Auch Sickerwasser aus der Deponie in Wirmsthal wird geklärt.

Das Abwasser durchläuft mehrere Reinigungsschritte, bevor es der Fränkischen Saale zugeführt wird. Die mechanische Reinigung übernimmt die Vorklärung. Grob- und Feinrechen fangen grobe Teile wie beispielsweise Äste, Flaschen oder Hygieneartikel ab. Im Sandfang und im Fettfang setzen sich anschließend Sand, Steine und Glasscherben sowie Fett ab. Im Vorklärbecken sinken schließlich organische Stoffe wie Papier und Fäkalien an den Boden. Der Schlamm, sogenannter Primärschlamm, wird den Faultürmen zugeführt und zur Verstromung genutzt. Bei der biologischen Reinigung werden noch bestehende Verunreinigungen in einem Belebungsbecken durch Mikroorganismen, u.a. Bakterien, abgebaut. Dazu wird dem Becken zusätzlich Sauerstoff zugeführt.

Zuletzt findet die chemische Reinigung des Wassers statt. Hierbei geht es insbesondere um die Entfernung von Phosphaten im gereinigten Abwasser. Dies geschieht mit chemischen Fällungsmitteln.

Im angegliederten Nachklärbecken setzt sich wiederum Schlamm vom Wasser ab, der teilweise als Rücklaufschlamm weiterverwendet wird. Der Überschussschlamm fließt in die Faultürme, das geklärte Wasser in den Vorfluter und anschließend in die Fränkische Saale.