Im Wartmannsrother Ortsteil Heiligkreuz ist es schon passiert, im Elfershäuser Ortsteil Engenthal steht es für die Europawahl bevor und im Bad Brückenauer Stadtteil Wernarz muss noch entschieden werden: Wenn weniger als 50 Wähler in ein Wahllokal kommen, steht das Wahllokal auf der Kippe. Auf alle Fälle müssen die Stimmzettel vor dem Auszählen aber mit denen aus einem anderen Stimmbezirk gemischt werden - "wegen Gefährdung des Wahlgeheimnisses", wie
August Brendan vom Hammelburger Ordnungsamt betont.

Versiegelte Urnen unterwegs

In Hammelburg gab es bislang zwar keine Schließung, aber am Sonntag zwei Wahllokale mit geringer Wahl-Beteiligung. "Es war schon vor dem Wahltag abzusehen, dass ein oder mehrere Bezirke die vorgeschriebene Mindestwählerzahl eventuell nicht erreichen werden", berichtet Brendan. Betroffen waren dann die weit auseinander gelegenen Stadtteile Morlesau und Feuerthal. "Am Sonntag-Nachmittag wurden deshalb beide Wahlvorstände mit versiegelten Wahlurnen ins Rathaus bestellt, damit sie als ein Wahlbezirk ausgezählt werden."

Für Brendan ist nach der Wahl vor der Wahl: In eineinhalb Wochen ist Stichwahl. Und auch da werden die Bürger in Morlesau und Feuerthal wieder vor Ort wählen können, weil die Verwaltung mit einer geringeren Briefwahlquote rechnet. "Vorerst gehen wir von einer Urnenbeteiligung von über 50 aus", sagt Brendan. Falls nicht, werde wieder kurzfristig reagiert. Und: "An eine Auflösung der Stimmbezirke ist nicht gedacht."

Die Gemeinde Wartmannsroth ist da schon einen Schritt weiter: "Bereits im Vorfeld der Wahl wurde beschlossen in Heiligkreuz kein Wahllokal mehr einzurichten, weil hier ein Wähleranteil unter 50 zu erwarten war", sagt Geschäftsleiter Daniel Görke. Also mussten die Einwohner von Heiligkreuz nach Völkersleier pendeln. Von den restlichen sechs Wahllokalen kam nur eines über die 100 Stimmen hinaus: Nur in Schwärzelbach gingen mehr in die Wahlkabine vor Ort. Bei den Bundes- und Landtagswahlen im September hatte die Gemeinde auch auf die zurückgehende Zahl der Urnenwähler reagiert und nur noch zwei Wahllokale in Wartmannsroth eingerichtet. "Für die kommende Europawahl ist bereits beschlossen, nur noch ein Wahllokal einzurichten", rechnet Görke mit einer noch geringeren Wahlbeteiligung.

Wahllokale zusammenlegen

Unter anderem wegen der höheren Briefwahl-Quote von 25,8 Prozent (2008 waren es nur 18,4 Prozent) ist auch die Stadt Bad Brückenau in Zugzwang. "Wir denken darüber nach, die Wahllokale Wernarz und Staatsbad zusammen zu legen", sagt der dortige Wahlleiter Anton Kiefer. Während im Staatsbad immerhin noch 54 von 426 Stimmberechtigten den Weg in den Elisabethenhof fanden, machten in Wernarz lediglich 35 der 133 wahlberechtigten Bürger ihre Kreuzchen in der Wahlkabine. Damit bei der Auszählung die Anonymität gewahrt bleibt, wurden die Stimmzettel aus Wernarz unter die aus dem Staatsbad gemischt.

"Die niedrige Wahlbeteiligung ist das Problem", erklärt Kiefer, dass neben dem Zuwachs der Briefwähler auch der Rückgang der Leute, die sich überhaupt an der Wahl beteiligen, eine Rolle spielt. Weitere Folge: In der Georgi-Halle und in der Grundschule werden vermutlich nur noch ein statt zwei Wahllokale eingerichtet. Bei der Europawahl am 25. Mai rechnet Kiefer mit einer noch geringeren Wahlbeteiligung. Da sei es fraglich, ob sich die althergebrachte Struktur noch lohne.

Entscheiden kann das Kiefer aber nicht. Das wird wohl eine der ersten Entscheidungen sein, die der neue Stadtrat trifft. Die Wahllokale in Römershag und Volkers stehen dagegen nicht auf der Kippe. 105 von 603 Stimmberechtigten gingen in Römershag zur Wahlurne. In Volkers stimmten sogar 125 von 441 Bürgern im Feuerwehrhaus ab. "Das ist ein gutes Ergebnis", freut sich Kiefer.

In der Gemeinde Elfershausen musste am Sonntag bereits die Urne von Engenthal in Trimberg ausgezählt werden, weil sie weniger als 50 Stimmzettel enthielt. Konsequenz: Bei der Europawahl wird es kein Wahllokal mehr in Engenthal geben, die Wähler müssen nach Trimberg fahren.

In anderen Orten läuten bei solchen Meldungen die Alarmglocken: "Wir haben im Vorfeld sogar dafür geworben, dass die Wähler in die Wahlkabine kommen", sagt etwa Jürgen Metz aus Singenrain. Damit die Wähler auch wirklich in Ruhe wählen können, wurde im Feuerwehrhaus sogar eine zweite Wahlkabine aufgebaut. Mit Erfolg: Nur 15 der 90 Wahlberechtigten beantragten Briefwahl und von den restlichen 75 kamen 69 ins Wahllokal. Damit lag die Wahlbeteiligung bei 93 Prozent.

"Bei uns ist es traditionell so, dass die Leute zum Wählen gehen", sagt auch Feuerwehr-Kommandant Roland Müller, nachdem er mit seiner Frau Anita Reyskens gewählt hat. Selbst bei der Europawahl lag die Beteiligung bei 60 Prozent. "Damit bleibt das Wahllokal Singenrain erhalten", berichtet auch Gemeindewahlleiter Karlheinz Schmitt.

Auch in anderen Gemeinden ist man noch auf der sicheren Seite: 83 Wähler haben zum Beispiel im Mottener Ortsteil Speicherz oder 97 im Oberthulbaer Gemeindeteil Hetzlos 97 ihre Stimme abgegeben.