Ein unheimlicher Messerstecher steigt nachts heimlich über Gartenzäune und treibt sich in fremden Gärten herum. Dabei handelt es sich wohl um einen Serientäter, der seit 2009 fast jeden Sommer im unterfränkischen Münnerstadt (Lkr. Bad Kissingen) und der Umgebung Kinder zum Weinen bringt. Der teilweise maskierte Täter hat eine Leidenschaft für aufblasbare Planschbecken.
Ein, zwei Schnitte mit dem Messer - zischend entweicht erst die Luft, dann das Wasser.

Entsetzt starrten vergangene Woche Eugen Frost (30), seine Frau Katharina (29) und ihr Sohn Leonhard (8) in Münnerstadt auf ihren Pool. 2500 Liter Wasser fasste der. Doch nach zwei Messerschnitten eines Unbekannten lagen die Überreste der aufblasbaren Gummiwand schlapp am Boden. Auch das Planschbecken wurde zerstört.
Diesmal wurde der Schlitzer in zwei nebeneinander liegenden Gärten fündig: Zuerst schlitzte er einen Pool auf, dann die beiden bei Familie Frost. "Nicht einmal unser Hund hat angeschlagen", wundert sich Eugen Frost. 180 Euro hatte er gerade erst für den neuen Pool für seine Söhne ausgegeben - und nun das.

Frost hatte nachts den halb leeren Pool gesehen. Er rannte hinaus, doch der Täter war schon weg. Nur ein paar Fußspuren im Sand blieben als Beweis für den zerstörerischen Besucher. "Ich traue mich nicht mehr, einen größeren Pool zu kaufen", sagt Frost. "Ich habe Angst, dass der Kerl mit der orangenen Maske wiederkommt."

Ein Bekannter habe ihn in dieser Vermummung gesehen, als der auch bei ihm den Pool schlitzte. Dort entkam der Täter ebenfalls. "Ich habe Angst, weil meine Frau abends manchmal die Wäsche im Garten aufhängt."

Bis vor kurzem hatten Eltern und Polizei noch gehofft, die unheimliche Serie sei vorbei. Seit 2009 wurden 37 Fälle angezeigt, fünf gleich im ersten Jahr, weiß Polizeihauptkommissar Lothar Manger von der Polizeiinspektion Bad Kissingen. 2010 war der Schlitzer 14-mal tätig, 2011 waren es acht Fälle, im Jahr darauf zwei, 2013 dann wieder sechs. 2014 blieb es ruhig.

Maskierter Mann mit Messer

Der materielle Schaden hält sich mit etwa 4000 Euro in Grenzen. Aber die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß: Wer sieht schon gerne, wenn ein Maskierter mit einem Messer nachts im Garten herumläuft?

Meist hat er es auf aufblasbare Kinderschwimmbecken abgesehen. Aber im Juli 2013 schlich er in den Garten eines Einfamilienhauses am Karlsberg. Er zerschnitt ein Kinderplanschbecken, einen Hüpfball und einen Plastikball. Der Schaden betrug rund 21 Euro. Der gleiche Schlitzer - oder ein Nachahmungstäter?

Hauptkommissar Manger weiß es nicht. Mit schöner Regelmäßigkeit macht der Schlitzer ihm und seinen Kollegen Arbeit. Er taucht jedes Jahr auf, wenn es warm wird - normalerweise unter der Woche.

Seine Ziele sucht er sich in der Regel in Kleingartenanlagen, Wohngebieten, aber auch vor Innenstädten schreckt er nicht zurück. Sein Revier liegt vor allem im Osten des Landkreises Bad Kissingen um Münnerstadt herum.

Hat der Täter eine merkwürdige Leidenschaft oder gefällt ihm nur die öffentliche Aufmerksamkeit? Oder reagiert er an den Pools einen Trieb ab? Und muss man befürchten, dass ihm das eines Tages zu wenig ist? Zweimal hatte er schon im gleichen Garten das Messer gezückt - warum nicht zum dritten Mal? Das fragte sich die Polizei - und stellte ihm eine Falle: Kameras lauerten darauf, den Schlitzer beim dritten Besuch auf Band zu bekommen. Doch die Polizisten warteten vergeblich.

Natürlich zog man auch die Möglichkeit in Erwägung, dass ein Betrunkener sein Mütchen an den Schwimmbecken gekühlt hat. Doch Belege dafür fanden sich nicht. Manfred Schweidler