Krankheit, Lockdown, finanzielle Einbußen und Einsamkeit: Die Pandemie hatte viele negative Folgen. Aber gibt es auch positive Seiten?

"Wir haben im Kindergarten einen Türdienst eingerichtet", sagt Manuela Sauer, Kindergartenleiterin des Kliegl-Kindergartens in Bad Kissingen. Seit Corona ist es üblich geworden, dass Eltern zum Bringen ihrer Kinder nicht mehr ins Haus kommen, sondern die Kinder an der Tür abgeben. Das Positive: "Die Eltern kommen schneller weg, etwa wenn sie auf die Arbeit müssen. Außerdem sind die Kinder seitdem selbstständiger geworden", sagt Sauer. Zum Abholen kommen die Eltern wieder ins Haus, denn nur draußen bleiben wäre nicht sinnvoll.

Hygiene bei den Kindern

Außerdem haben die Kinder gelernt, viel bewusster auf Hygiene zu achten. "Es ist jetzt normal, dass Kindern in die Armbeuge niesen. Früher war es eher so, dass die Rotze irgendwo hingeschmiert wurde. Mit dem Ärmel einmal über die Nase, typisch Kind halt." Stattdessen seien Taschentuch und Händewaschen nun selbstverständlicher.

Auf App umgestellt

"Durch Corona waren wir gezwungen, andere Formen der Kommunikation zu finden. Das Virus hat uns ins digitale Zeitalter katapultiert", fügt Sauer an. Seit September gibt es die neue Kindergarten-App "KiKom". "Wenn ein Kind Bauchweh bekommt, schreibe ich den Eltern eine persönliche Nachricht." Mittlerweile habe jeder ein Handy. "Wenn ich anrufe, ist es oft stummgeschaltet. Aber wenn ich eine Nachricht über die App schreibe, erfahren die Eltern: Da ist was. Das erspart viele Anrufe."

Auch die Papierflut sei weniger geworden. "Wir kommunizieren darüber alles, was wir früher durch Aushänge gemacht haben", sagt Sauer. Und auch Eltern, die nicht jeden Tag in den Kindergarten kommen, etwa weil die Oma das Kind abholt, hätten die Möglichkeit, über die App informiert zu bleiben.

Auch andere Kindergärten nutzen eine App

Der "Kindergarten am See" in Garitz nutzt die App "Nemborn". "Die App wird die Arbeit in Zukunft erleichtern", sagt Kindergartenleiterin Susanne Kleinhenz. Auch in Winkels an der KiTa "Kleine Strolche" ist die App im Einsatz.

Was hat sich bei der Kisssalis-Therme zum Positiven verändert? "Ein Vorteil für die Gäste ist sicher die Auslastungsanzeige auf unserer Homepage. Dort wird den Gästen angezeigt, wie viele freie Plätze aktuell noch zur Verfügung stehen und sie können so ihren Besuch bei uns besser planen und auch Wartezeiten vermeiden oder ihren Besuch verschieben", sagt Natascha Kiesel, Abteilungsleiterin im Bereich Marketing.

Gästeanzeige in der Kisssalis-Therme

Grund der Einführung seien die eingeschränkten Besucherzahlen nach dem ersten Lockdown gewesen, die auch weiterhin gelten. "Die Auslastungsanzeige wird gut angenommen und von vielen Gästen genutzt. Deshalb planen wir, unseren Gästen diesen Service auch nach Aufhebung der beschränkten Besucherzahlen weiter anzubieten."

Im Laufe der Pandemie ist an Schulen das Wissen im Umgang mit digitalen Kommunikationsformen ausgebaut worden. Schulleiter Stefan Bub vom Franz-Miltenberger-Gymnasium in Bad Brückenau nennt dafür Lernplattformen wie Mebis als Beispiel. Die Ausstattung der Schüler und Schülerinnen mit Leihgeräten hätte gut geklappt.

"Videokonferenzen haben uns viel erleichtern. Das hilft jetzt, Situationen effektiver zu bewältigen, etwa wenn einzelne Schüler oder ganze Klassen in Quarantäne müssen." Aber der Schulleiter sagt auch: "Der Präsenzunterricht hat uns gefehlt. Die direkte Kommunikation im Klassenzimmer ist unersetzbar."

Gesunder Lebensstil als Trend

"Das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil hat sich in den vergangenen Monaten bei vielen Menschen verstärkt. Zudem ist ein Trend hin zu regionalen Ausflugs- und Urlaubszielen zu beobachten", teilt Nina Pereira Santo von der Bayerischen Staatsbad Bad Kissingen GmbH mit. Dieser Trend kann dem Landkreis zugute kommen.

Im Unternehmen sei zudem die Grundlage für mobiles und unternehmensübergreifendes Arbeiten mittels einer modernen IT-Ausstattung geschaffen worden.Unternehmensintern sei die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit durch eine speziell zugeschnittene Software gefördert und erleichtert worden.

Auf Wachstumskurs

"Im Bereich der Wirtschaft stellen wir in einigen Bereichen einen Wachstumskurs fest", teilt Anja Vorndran von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landratsamtes mit. Die Nipro Pharma Packaging Germany GmbH etwa aus Münnerstadt produzierte in den vergangenen Monaten millionenfach die Glasfläschchen, in die alle derzeit gängigen Corona-Impfstoffe abgefüllt werden. Wer geimpft wurde, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Impfstoff aus einem Nipro-Glas erhalten.

Nipro sehe in der Spritzenproduktion einen Wachstumsmarkt und investiere deshalb in diese Sparte. Im Werk II am Münnerstädter Roth stehe ausreichend Platz zur Verfügung. Geplant sei eine Verdoppelung der Kapazitäten in den nächsten zehn Jahren. Durch das Wachstum könnten in einigen Bereichen neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eingestellt werden, so das Landratsamt.

Mehr Freizeit

Kreis- und Stadtbrandinspektor Harald Albert von der Feuerwehr Bad Kissingen findet es positiv, dass seit Corona viele Schulungen und Veranstaltungen online stattfinden. "Durch die Online-Sitzungen hat man mehr Zeit und kann an den Sitzungen auch von zuhause teilnehmen."

Ein weiterer positiver Aspekt für ihn: Während der harten Phase der Pandemie sei die Feuerwehr in zwei Gruppen geteilt gewesen, um Kontakte zu begrenzen.

"Wenn man nicht dran war, wusste man - jetzt hab ich frei, ich weiß, die anderen sind dran und ich muss nicht ausrücken." Das habe sich aber wieder verändert. Insgesamt habe er während des Lockdowns mehr Freizeit gehabt. "Es gab weniger Veranstaltungen. Das fand ich persönlich gar nicht so schlimm, sonst ist man manchmal oft jede Woche jeden Abend unterwegs."