Die Einwohnerzahlen im Landkreis sind im vergangenen Jahr minimal gesunken. 104 073 Menschen hatten 2020 ihren Hauptwohnsitz im Landkreis. Der Kreis schrumpfte damit um 129 Personen im Vergleich zum Vorjahr.Das entspricht einem Rückgang um minus 0,12 Prozent.

13 Kommunen des Landkreises Bad Kissingen verlieren Einwohner, 13 Kommunen gewinnen dazu.

Diese Gemeinden verlieren Einwohner

Motten hatte den höchsten prozentualen Bevölkerungsrückgang 2020 mit minus 4,9 Prozent.

Auch Ramsthal büßte 2020 etwa 3 Prozent seiner Einwohner ein.

Münnerstadt verlor 58 seiner Bürger, das entspricht minus 0,7 Prozent. "Um dem demografischen Wandel zu begegnen, hat der Stadtrat im letzten Jahr beschlossen, ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept für die Kernstadt und ein Gemeindeentwicklungskonzept für die Stadtteile aufzustellen", berichtet Bürgermeister Michael Kastl.

Corona-Effekt?

Auch Bad Kissingen hat leichte Einbußen bei der Einwohnerzahl erlebt. Das habe vermutlich zwei Ursachen, teilt Thomas Hack als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit für die Stadt Bad Kissingen mit. Der eine Grund sei Corona. "In 2020 mag es durchaus den Effekt gegeben haben, dass Menschen auf solch gravierende und komplexe Aktivitäten wie einen Umzug verzichtet haben."

Als anderen Grund nennt Hack eine gewisse Sättigung des Marktes, also des Wohnungsangebotes in Bad Kissingen. "Mehr Einwohner bedeuten ja immer auch mehr benötigter Wohnraum. Dieser Markt mag jetzt durchaus eine Sättigung erreicht haben." Deswegen wolle die Stadt in den nächsten Jahren mehr Wohnungsbau und -angebote schaffen.

Bad Kissingen wächst eigentlich

Insgesamt hat Bad Kissingen aber in den vergangenen zehn Jahren um 1389 Einwohner zugelegt. Oberbürgermeister Dirk Vogel findet, Bad Kissingen biete als Oberzentrum mehr als andere Städte ihrer Größe. "Beispiele sind etwa das Terrassenschwimmbad, viele Schulen, der Kissinger Sommer oder die gepflegten Anlagen."

Um diese Leistungen weiter in der Höhe und Qualität finanzieren zu könne, sollte Bad Kissingen sowohl an Unternehmen wie auch an Einwohner wachsen. "Für beides sind im Stadtgebiet ausreichend Fläche vorhanden." Die Stadt entwickle aktuell Flächen, um dieses Ziel zu erreichen. Eine Zersiedelung sei nicht zu befürchten.

In diese Gemeinden ziehen Menschen zu

Geroda bleibt trotz dem größten prozentualen Wachstum mit plus 1,6 Prozent im vergangenen Jahr die kleinste Kommune im Landkreis.

Der Markt Wildflecken darf sich zwar 2020 über ein leichtes Plus im Vergleich zum Vorjahr freuen, dennoch hat der Markt 57 Einwohner im Vergleich zu 2018 verloren. Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz teilte mit, dass man bei Gemeinderatsentscheidungen immer im Hinterkopf habe, dem demografischen Wandel entgegen zu wirken. Das Gremium sei bemüht, "dass unsere Jugendlichen nach ihrer Ausbildung hier bei uns bleiben und nicht abwandern."

Die Einwohnerzahlen des Marktes Oberthulba sind seit Jahren stabil mit einer sehr leicht steigenden Tendenz. Bürgermeister Mario Götz äußerte sich erfreut darüber, denn Bevölkerungsprognosen zeigen ein anderes Bild für den ländlichen Raum. Diese Entwicklung entgegen der Prognosen führt er auf verschiedene Faktoren zurück.

Warum der Oberthulba langsam wächst

Er nennt etwa die Eröffnung des Seniorenhauses Thulbatal im Jahr 2017, das moderate Schaffen von Baugebieten und die Ausweitung von Gewerbe- und Industriegebieten. Außerdem weist er auf Fördermöglichkeiten für Privatpersonen hin, um den Ortskern instand zu halten. Auch die lebendigen Orts- und Vereinsgemeinschaften, die Naherholungsmöglichkeiten in der gesamten Region, die gute Verkehrslage und die intakte Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten, Apotheken, Schulen und Kindergärten führt Götz an.

Bauland wird gesucht

Fuchsstadt legt wiederholt etwas zu. Darauf ist Bürgermeister René Gerner etwas stolz.

Gründe sind für ihn die "sehr gute Wohnlage, mit einer einmaligen Anbindung an die Bundesstraße und die Autobahn, die sehr gute Nahversorgung in den verschiedensten Bereichen, das sehr gute Vereinsleben mit den verschiedensten Angeboten und die immer wieder, auch wenn nur für kurze Zeit, bereitstehenden Bauplätze, die insbesondere von junge Familien in Anspruch genommen werden."

Die Nachfrage für Bauland sei so groß, dass man mit der Erschließung nicht nachkomme und wieder eine Warteliste für Bauland gemacht werden müsste, obwohl das letzte neue Baugebiet erst 2020 voll erschlossen wurde.

Zu den Zahlen

Weil das statistische Landesamt seine Bevölkerungszahlen erst im Juni veröffentlicht, hat die Redaktion die Zahlen direkt bei den Gemeinden abgefragt. Es wurden nur Einwohner gezählt, die ihren Hauptwohnsitz im Landkreis haben.