Nicht so bei den Eheleuten Sieglinde und Günter Schaub. Sie stehen trotz schwerer Tage bis heute in Treue zueinander. Einen besonderen Part übernimmt dabei die 72-jährige Ehefrau: Sieglinde Schaub pflegt seit 1975 ihren auf den Rollstuhl angewiesenen Ehemann aufopferungsvoll zu Hause. Die dauernde Pflegetätigkeit für ihren Ehemann umfasst neben der "normalen" Haushaltsführung alle Verrichtungen des täglichen Lebens. Unter Zurückstellung ihrer persönlichen Wünsche erledigt sie diese überaus kräftezehrende Arbeit ohne Klage Tag für Tag, sehr liebevoll und optimistisch. Dies erfordert jedoch von beiden einen sehr disziplinierten, zeitlich festgelegten Tagesablauf. Mit einer beispielhaften Selbstverständlichkeit hat sie ihre gesamte Kraft und Freizeit in den Dienst ihres schwer behinderten Mannes gestellt. Trotz dieser großen persönlichen Belastung engagiert sich Sieglinde Schaub immer wieder gerne auch für das Gemeinwohl in ihrem Heimatort.
Diese großartige, aufopferungsvolle Pflege ihres Ehemannes und ihr sonstiges Engagement sind jetzt in besonderer Weise gewürdigt worden. Bundespräsident Christian Wulff hat Sieglinde Schaub jetzt mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienst ordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck überreichte die hohe Auszeichnung am Montagvormittag in Würzburg.

Ein schrecklicher Unfall


Ihr Ehemann Günter Schaub, der mächtig stolz auf die hohe Auszeichnung seiner Gattin ist, schildert der Saale-Zeitung sein eigenes Schicksal. Das Unglück geschah demnach 1975. Damals hatte Günter Schaub mit einer hohen Leiter einen Kirschbaum erklommen. Dabei stürzte er in die Tiefe und prallte so unglücklich auf dem Boden auf, dass er von diesem Zeitpunkt an querschnittsgelähmt war. "Unterhalb der Bauchnabelhöhe spüre ich meinen Körper nicht. Deshalb bin ich darauf angewiesen, dass mir meine liebe Frau im täglichen Leben hilft", sagt er. Dies bedeute vor Allem die Hilfe bei seiner Inkontinenz. "Denn ich spüre überhaupt nicht, ob und wann ich zur Toilette muss und bin deshalb so pflegebedürftig wie ein kleines Baby."

"Das ist doch selbstverständlich"


"Es gab in den zurück liegenden dreieinhalb Jahrzehnten an keinem Tag die Frage, ob ich für meinen Mann pflegerisch zur Verfügung stehe", betont Sieglinde Schaub. "Als Günter 1975 von der Leiter fiel, waren unsere beiden Kinder noch jung und unser Wohnhaus stand gerade als Rohbau da", erinnert sie sich. Da sei der Ausfall der Hauptarbeitskraft Günter doppelt bitter gewesen. "Und dennoch haben wir es gemeistert", ist Sieglinde Schaub heute noch froh. "Freilich gab es damals auch einen barrierefreien Hauszugang für den Rollstuhl meines Gatten", weist sie auf die 1975 durchaus nicht selbstverständliche Baumaßnahme hin.
"Ohne die selbstlose Hilfe meiner Frau wäre ich heute womöglich schon längst im Abseits des Lebens", mutmaßt Günter Schaub. Sie habe ihn durch ihre liebevolle Pflege nicht nur bei der Alltagshygiene geholfen, sondern ganz besonders im seelischen Bereich. Gar manch anderer Betroffene hätte in seiner Situation schon längst zu Alkohol oder Drogen gegriffen. "Das hatte ich nicht nötig, weil mein guter Engel Sieglinde stets zu mir stand und mich hoch hielt", bestätigt Günter Schaub.

Basteln als Therapie


Man müsse jedem Unglück immer noch etwas Positives abgewinnen, weist er darauf hin, dass er wenigstens seine Arme und Hände frei bewegen kann. So beschäftigt sich Günter Schaub gerne mit Bastelarbeiten. "Es hilft mir, die heute noch auftretenden Phantomschmerzen zu bewältigen. Wer hätte gedacht, dass nach dem Besteigen einer Leiter ein halbes Leben im Rollstuhl mit extremer Behinderung folgt?", resümiert er.
"Es lohnt sich, anderen Menschen zu helfen", ist Sieglinde Schaub überzeugt. Sie freue sich jetzt zwar über die Anerkennung ihrer Leistung: "Aber es gibt doch noch so Viele, die es verdient hätten, ausgezeichnet zu werden", signalisiert sie Bescheidenheit. "Außerdem wollen wir nicht so sehr im Vordergrund stehen", ist sie fast schon ein wenig verlegen. Doch gerade die Mitbürger aus ihrer Nachbarschaft waren mit deren Vorschlägen für diese Bundesauszeichnung der Ansicht, dass Sieglinde Schaubs Treue und Aufopferung eine öffentliche Anerkennung verdiene. So ist das Verdienstkreuz jetzt ganz bestimmt in den richtigen Händen gelandet.