Christian Höfler verbreitet Zuversicht. Im zweiten Versuch soll es klappen mit dem Einzug ins Nüdlinger Rathaus. Bei der Bürgermeisterwahl 2014 erhielt er knapp 35 Prozent - als einer von drei Kandidaten. Heuer verteilen sich die Stimmen auf zwei Bewerber. Da will er die Nase vorn haben. Er sagt: "Als Bürgermeister kann man viel mehr erreichen. Es ist Zeit für Veränderung."

Im Ort als auch im Gemeinderat sieht der 47-Jährige verschiedene Lager. Das liege sicher auch am beherrschenden Thema Ortsumgehung. "Man kann dazu geteilter Meinung sein. Ich fand die Arbeit des Rathauses in der Sache nicht gut. Da waren die drei Bürgermeister und die Verwaltung schwach. Ich vermisse eine klare Linie." Höfler sieht die Umgehung seit Jahren als "große Chance für Nüdlingen".

Auch wenn er das Thema erstmal für "durch" hält und die Entscheidung, ob es mit der Umgehung überhaupt weitergeht, bei Bund und Staatlichem Bauamt liegt: Der Kandidat will sich für "zeitnahe Lösungen zur Verkehrsentlastung" im Innerort einsetzen. "Da muss die Gemeinde federführend Alternativen suchen und voranbringen."

Christian Höfler hat nach eigenen Worten das Gefühl, "dass Projekte zu langsam laufen und verschleppt werden". Vieles sei liegengeblieben. Dabei führt er die Dorfentwicklung an. Die Seniorenwohnanlage sei schon Wahlkampfthema vor sechs Jahren gewesen. Erst jetzt sei sie auf einem guten Weg, weil das Projekt "durch Teile des Gemeinderates gerettet" worden sei.

Auch hält er ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) für wichtig, um Projekte umzusetzen und Fördergeld zu bekommen. Höfler findet, dass Nüdlingen rund um den Innerort schon schön ist. Doch im Ortskern gebe es viele Baustellen. Dort müssten Leerstände beseitigt und Wohnraum geschaffen werden. Ein Dorfplatz mit WLAN-Hotspot könnte zentraler Anlaufpunkt sein. Baugebiete am Ortsrand sollten nur noch zur Abrundung ausgewiesen werden. "Eine lukrative Wohngemeinde sollte den Anspruch haben, noch schöner, attraktiver und lebenswerter zu werden."

"Ich möchte eine transparente und ehrliche Politik für Nüdlingen und Haard über Parteigrenzen hinweg machen und bürgernah sein", verspricht Höfler für den Fall seiner Wahl. So findet der Ur-Nüdlinger, dass das Betriebsklima in Verwaltung und Bauhof nicht gut sei. Über Gespräche mit den Mitarbeitern will er es verbessen. Zur Transparenz gehört für den 47-Jährigen ein "digitales Rathaus" mit mehr Service als bisher. Er denkt an "kommunales Geodaten-Management", digitale Leerstands- und Solarkataster.

Höfler gehört zu den Gründungsmitgliedern der Energiegenossenschaft. "Bis 2035 soll Nüdlingen energieautark und klimaneutral sein." Das will er über Windkraft, Photovoltaik und Wärme-Kraft-Kopplungs-Systeme erreichen. Daher hält er das Nahwärmenetz für einen Großteil des Ortes für wichtig.

Schließlich läuft für Höfler auch in der Jugendarbeit zu wenig. Er fordert neue Räume. "Die alte Schule im Ortskern hat sich nicht bewährt. Eine große Ortschaft wie Nüdlingen muss der Jugend mehr bieten."

Drei Fragen an Christian Höfler

Die Ortsumgehung hat Nüdlingen die vergangenen Monate und Jahre besonders beschäftigt. Wie wollen Sie als Bürgermeister die beiden Lager der Gegner und Befürworter wieder zusammenführen?

Wir müssen uns jetzt alle zusammensetzen und für kurzfristig umsetzbare Alternativen zur Verkehrsentlastung einsetzen. Ein Bürgerforum muss jedoch von der Gemeinde und dem Bürgermeister geleitet werden und nicht von einzelnen Mitglieder einer Bürgerinitiative. Das klare Ziel ist eine zeitnahe Entlastung vom Durchgangsverkehr. Ein großes Anliegen ist mir, die im Zuge der Entscheidung zur Umgehungsstraße entstandenen Gräben zu schließen. Sehr wichtig ist hierbei auch eine gute Zusammenarbeit im Gemeinderat zum Wohle aller Nüdlinger Bürger, sowie eine transparente und ehrliche Politik des Bürgermeisters.

Sie treten zum zweiten Mal bei einer Bürgermeister-Wahl an. Warum sehen Sie sich gerade jetzt als ideales Ortsoberhaupt von Nüdlingen?

In Nüdlingen ist es Zeit für Veränderung! Der scheinbare Stillstand in unserer Gemeinde in den letzten sechs Jahren hat meinen Entschluss für die Kandidatur nur bestätigt. Ich will etwas für meine Heimat bewegen und die Bürger sollen sich hier wohlfühlen. Nach zwölf Jahren im Gemeinderat möchte ich nun als Bürgermeister die Gestaltungsmöglichkeiten für unsere Orte lenken. Mein Ziel: Verbessern und gestalten statt verwalten! Man muss miteinander reden, um etwas zu erreichen, nicht übereinander.

Welche Einrichtung würden Sie als Bürgermeister in den kommenden sechs Jahren unbedingt nach Nüdlingen holen und warum?

Die Nüdlinger und Haarder sollen im Alter daheim bleiben können; deshalb wird ein "Haus für Senioren" mit Tagespflege und Pflegestützpunkt errichtet. Die Sicherung der Einkaufsmöglichkeiten ist sehr wichtig; ich unterstütze die Neuansiedlung eines Supermarktes. Zum Erhalt der haus- und fachärztlichen Versorgung könnte im Ort ein Ärztehaus gebaut werden. Insgesamt möchte ich den Investitionsrückstand beseitigen. Zur Person Persönliches Christian Höfler ist 47 Jahre alt und seit 2005 mit Frau Melanie verheiratet. Die beiden haben einen Sohn. Seit 1988 arbeitet der Nüdlinger als Technischer Vermessungsbeamter im Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Bad Kissingen. Darüber hinaus ist Höfler zu 50 Prozent freigestellt fürs Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in München. Für die Behörde vermisst, digitalisiert und vernetzt er den Freistaat, führt Geodaten zusammen. 16 Jahre gehörte Höfler dem Nüdlinger Pfarrgemeinderat an, war für vier Jahre Vorstandsmitglied im St.-Johannesverein. Er engagiert sich in der Kirchenverwaltung, als Kommunionhelfer und Lektor. Seit 2011 sitzt Höfler im Aufsichtsrat der Energiegenossenschaft. Politik Seit zwölf Jahren sitzt Höfler im Nüdlinger Gemeinderat. Ebenso lange steht er der Wählergemeinschaft Bürgerblock Nüdlingen vor. Die bestimmte ihn vor sechs Jahren zum Fraktionssprecher im Gemeinderat. Höfler ist außerdem Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses.st