In der Aufführung der Schultheatergruppe an der Realschule Bad Brückenau treffen märchenhafte Gestalten auf alltägliche Problemstellungen. Die Mutter von Hänsel und Gretel ist mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert, Aschenputtel darf auf keinen Fall den Bus verpassen, und der Gevatter Tod findet einfach keine Frau - kaum zu glauben, schließlich hat er es sogar im Internet versucht.
All das und noch viel mehr erfährt der Zuschauer, weil die
Gebrüder Grimm pleite sind und nun ein Theaterstück auf die Bühne bringen möchten, um ihre leeren Kassen wieder zu füllen. Was läge da näher, als die eigenen Märchencharaktere zu einem großen Casting einzuladen und so herauszufinden, wer für dieses Stück am besten geeignet ist.


Alle unter einem Hut

Die Idee für das Stück, das von den Lehrerinnen Mona Benz und Monika Kaufmann sowie den Schülern selbst verfasst wurde, ist der Größe der Gruppe geschuldet: Über 30 Schüler und Schülerinnen sind an der Inszenierung beteiligt. Der Stoff bot sich an, weil die Anzahl der Rollen nahezu beliebig erweiterbar war. Natürlich kann man bei entsprechenden Verlagen auch fertige Skripten kaufen, doch es ist kaum möglich, für so viele Schauspieler etwas zu finden, was dann auch inhaltlich den Vorstellungen entspricht. Dieses Problem gab es durch die Themenwahl nicht - in der Märchenwelt der Grimms was für jeden die passende Rolle dabei.


Übung macht den Meister

Professionelle Unterstützung bekam die Gruppe dieses Mal von Georg Schmiechen, seit 2004 festes Ensemblemitglied des Fränkischen Theaters Schloss Maßbach. Der 1980 in Tübingen geborene Schauspieler ist ein wahres Multitalent. Als erfahrener Jazzpianist und Bariton-Sänger übernahm er bereits in diversen Theaterproduktionen die musikalische Leitung, er hat eine Ausbildung im Bühnenfechten und gibt Workshops, beispielsweise im Bereich des Improvisationstheaters. Mit den jungen Talenten probte er einen Nachmittag lang und half ihnen dabei, ein besseres Gefühl für ihre Rollen zu bekommen und selbst auf kleine Details zu achten. Es ist erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln man zum Teil arbeiten kann, um eine große Wirkung zu erzielen. Dass ein Charakter einen höheren Status innehat als die anderen auf der Bühne, zeigt man beispielsweise, indem sie ihm bewundernde Blicke zuwerfen. Ohne groß darüber nachzudenken, merkt der Zuschauer: Diese Person ist etwas Besonderes!
Nach der Probe, die zwar anstrengend war, aber auch viel Spaß gemacht hat, wurde noch gemeinsam gegrillt. Georg Schmiechen musste noch viele Fragen beantworten und Tipps geben, wobei von der anfänglichen Scheu mancher Schüler nichts mehr zu spüren war. Jemanden mit jahrelanger Bühnenerfahrung so hautnah zu erleben, das ist keine alltägliche Erfahrung, und die Jungschauspieler haben sicherlich in vielerlei Hinsicht von der Zusammenarbeit profitiert.
Wer erfahren möchten, ob der offensichtlich schwer vermittelbare Gevatter Tod doch noch die große Liebe findet, sollte ein der Aufführungen.
Premiere ist am Freitag, 3. Juni, um 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen folgen am 4. und am 5. Juni jeweils um 18 Uhr. Gespielt wird in der Aula der Realschule Bad Brückenau. Der Eintritt ist frei, die Theatergruppe freut sich über Spenden. Vor und nach den Aufführungen sowie in der Pause wird für das leibliche Wohl gesorgt. Das reservieren von Karten ist unter Tel.: 09741/ 2574 möglich. red