Als Pfarrer Ludwig Nüdling binnen kürzester Zeit das Heimatpiel "Die Schutzfrau von Münnerstadt" geschrieben hat, das 1927 vor historischer Kulisse erstmals aufgeführt wurde, gab es viele Stücke dieser Art. 85 Jahre später ist das Münnerstädter Heimatspiel eines der ganz wenigen, die es noch aufgeführt werden. In all den Jahren ist die tiefe Verbundenheit der Münnerstädter zu ihrem Stück geblieben. Das setzt natürlich voraus, dass immer wieder neue Heimatspieler nachkommen. "In diesem Jahr haben wir wieder neue Darsteller auf der Bühne", sagt der Vorsitzende der Heimatspielgemeinde, Bruno Eckert.

Neue Kulisse


Bis einschließlich 2010 hatten die Heimatspieler ein Problem: Sie spielten vor einem Heimatspielhaus, das sehr unansehnlich geworden war. Der Verein "Zukunft für das Heimatspielhaus " unter seinem Vorsitzenden Manfred Kuchler aber hat es geschafft, das Haus zu kaufen und zu sanieren. Während diese Arbeiten im Innern noch laufen, erstrahlt die Fassade in nie gekanntem Glanz. So wurde die "Schutzfrau von Münnerstadt" im Jahr 2011 erstmals vor neuer Kulisse aufgeführt.
Jetzt aber gab es ein neues Problem: Weil Christine und Oliver Schikora das benachbarte Gebäude bereits vor einigen Jahren hergerichtet haben (dieses Haus und das Heimatspielhaus sind aufeinander abgestimmt), bot das für das Heimatspiel so wichtige Tor mit den Türmen zwischen den Häusern einen unansehnlichen Anblick.
Aber auch da hat sich einiges getan. Hans Schwarz, Michael Winkler, Norbert Düring, Dieter Petsch, Joachim Labastille, Longin Farrenkopf und Franz Gock haben in Zusammenarbeit mit den Firmen Weigand und Weiß, das Holztor erneuert. Bruno Eckert, weiß, warum die Bretter schräg angebracht sind. Das Wappen der Stadt Münnerstadt zeigt unter anderem ein geöffnetes Stadttor mit schräg angebrachten Beschlägen. "Vermutlich waren die 1927 noch nicht dran", sagt er. Ein Jahr später aber hat man bereits vor einem Tor mit schräg eingesetzten Brettern gespielt. Die ausschließlich als Kulisse dienenden außen angebrachten Beschläge sind noch nicht wieder eingesetzt worden.

Sandstein frei legen


Es gibt Überlegungen, den eigentlichen Torbogen aus Sandstein wieder freizulegen, sagen Martin Kuchler und Restaurator Stefan Lochner. Aber das wird noch etwas dauern. Bis zum Heimatspiel soll der Bogen erst einmal frisch gestrichen werden, so Martin Kuchler. Erst danach werde man das Tor farblich anpassen, sagt der Vorsitzende.
Die neu gestaltete Fassade des Heimatspielhauses und mehrere Veröffentlichungen darüber in der Zeitschrift "Dokumente" haben in ganz Deutschland Interesse geweckt. "Erst kürzlich habe ich einen Anruf aus der Nähe von Münster bekommen", sagt Bruno Eckert. Der Interessent outetet sich als gebürtiger Mürschter der sechs Jahre im Heimatspielhaus gewohnt hat. Er will unbedingt zur Einweihung kommen. Durch die Veröffentlichungen der "Deutschen Stiftung Denkmalschutz" werden einige Besucher zu den Heimatspielaufführungen kommen.

Die Werbetrommel gerührt


Der Kartenverkauf läuft gut. Besonders erfreulich ist es für Bruno Eckert, dass sich mehrere Wandergruppen des Rhönklubs angesagt haben. Zu verdanken sei das hauptsächlich Baldur Kolb und Manfred Köhler vom Münnerstädter Zweigverein, die überall die Werbetrommel für Münnerstadt und sein Heimatspiel rühren.
Inzwischen laufen die Vorbereitungen für die Aufführungen am 26. August, 2. und 9. September auf Hochtouren. Sehr schön ist es für den Jahrzehnte langen Heimatspieler Bruno Eckert, dass wieder neue Darsteller gewonnen werden konnten. Judith Hahn wird erstmals als Ottila auf der Bühne stehenKilian Beudert und Finn Brandt spielen den Melchior und Franziska Wilz stellt die Maria dar. Bei den Darstellern auf der Bühne gibt es also keine Probleme, sieht man einmal davon ab, dass manche Rollen, wie den Baltzer Dietmar, nur ein Darsteller geben kann (Bruno Eckert).
Der Vorsitzende hat aber Probleme ganz anderer Art. Christian Rentsch hatte bisher die vom Publikum unbemerkte Aufgabe, ein Zeichen zu geben, wenn die Kanone abgefeuert werden muss. "Eine ganz wichtige Aufgabe, ohne geht gar nichts", meint Bruno Eckert. Doch Christian Rentsch hat sein Noviziat in den USA angetreten."Da muss ich mir schnell noch jemand Neues suchen.".
Gesucht werden auch noch Jungen für die Gruppe Scholaren. "Eigentlich für alle Gruppen, von der Rosenkranzbruderschaft bis zu den Althäusern." Am Montag, 20. August, findet von 18.30 bis 19 Uhr noch einmal eine Kostümausgabe in der Zehntscheune statt. Benötigt gesucht werden Fanfarenspieler, die das Spiel eröffnen.

Stück Das Heimatspiel "Die Schutzfrau von Münnerstadt" versetzt die Zuschauer in die Zeit des 30-jährigen Krieges. Während des Erntedankfestes stehen plötzlich die Schweden vor den Toren der Stadt. Die Bewohner von Althausen und vom Kloster Maria Bildhausen retten sich hinter die Stadtmauern. Die frommen Münnerstädter bitten die Muttergottes um Hilfe. Als die Schweden angreifen, fängt Maria die Kugeln auf und errettet die Stadt. Natürlich kommt auch die Liebe bei dem Stück nicht zu kurz.
Aufführungen gibt es am 26. August, 2. und 9. September. Das Rahmenprogramm ist an allen drei Spieltagen gleich. Um 13 Uhr wird die Feldkasse vom Rathaus abgeholt. Der Umzug durch die Stadt vom Oberen Tor beginnt um 13.45 Uhr und die Aufführung startet um 14.30 Uhr auf dem Anger. Karten können vorab reserviert werden. Das ist bei Kultourismus (Telefon: 09733/ 787 482) oder bei Bruno Eckert (Telefon: 09733/ 13 64) möglich. Zusätzlich gibt es am 26. August das Gelage im Schloss, am 2. September ist Schutzengelmarkt und am 9. September Tag des offenen Denkmals.

Termine Der Bühnenaufbau am Heimatspielhaus erfolgt am Samstag, 18. August, um 13 Uhr (nicht heute). Am Montag, 20. August, ist die letzte Kostümausgabe von 18.30 Uhr bis 19 Uhr in der Zehntscheune. Die Hauptprobe ist am Freitag, 24. August, ab 18.30 Uhr. Für die Vorbereitungen für das Gelage werden Helfer gesucht am Samstag, 25. August, ab 10 Uhr im Schloss. tm