"Wir sind nicht sexy", sagt Hauptmann Peter Memmert vom Gefechtssimulationszentrum Heer (GefSimZH). "Wir haben keine Panzer und noch nicht einmal eine Pistole." Und ehrlich gesagt hat er recht, denn wer hat schon eine genaue Vorstellung davon, was so eine Gefechtssimulation eigentlich ist? "Unser Arbeitsfeld ist sehr abstrakt", gibt auch Oberst Müller, Leiter des GefSimZH, zu. Nicht zuletzt deshalb hat er die Idee gehabt, zum zehnjährigen Bestehen der Patenschaft der Stadt Bad Brückenau und des Gefechtssimulationszentrums über die Dienststelle zu informieren, und zwar mit einer Ausstellung.
Groß angelegte Übungen kosten eine Menge Geld, deshalb hat die Bundeswehr schon in den Neunzigern angefangen, auf computergestützte Simulation zu setzen. "Heute kommen in unserem Gefechtssimulationszentrum auf 120 Soldaten etwa 500 Computer", erklärt Müller. Bei Großübungen wie "Peregrine Sword" im September können bis zu 6000 Soldaten trainiert werden - bei einem Bruchteil der Kosten, die eine herkömmliche Übung mit sich bringen würde.
Die Bad Brückenauer Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) betont, dass die Stadt stark von der Patenschaft profitiere. Die Soldaten gestalten zum Beispiel den Volkstrauertag oder halfen unlängst bei der Errichtung des Zunftbaumes. Auch beim PINK-Lauf stellten sie die Streckenposten "zur großen Freude der vielen Damen, die mitgelaufen sind", sagt Meyerdierks mit einem Lachen in der Stimme.
Fragt man Oberst Müller, warum der Bundeswehr der Kontakt mit der Bevölkerung so wichtig ist, zitiert er Joachim Gauck. Der Bundespräsident beklagte erst Mitte Juni in seiner Antrittsrede bei der Bundeswehr in Hamburg das "freundliche Desinteresse" der Bürger gegenüber den Soldaten: "Wir denken nicht gerne daran, dass es heute in unserer Mitte wieder Kriegsversehrte gibt. Menschen, die ihren Einsatz für Deutschland mit ihrer körperlichen oder seelischen Gesundheit bezahlt haben. Und dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für die Gesellschaft schwer zu ertragen".
Mit seinen eigenen Worten drückt es Müller so aus: "Wir Deutschen müssen verstehen, dass wir wieder über die Armee reden - und mit ihr". Die Ausstellung in der Georgi-Kurhalle kann einen Beitrag dazu leisten, dass Bürger und Soldaten miteinander ins Gespräch kommen. Die Region wisse, was sie an der Bundeswehr habe, sagt Müller. "Aber wir werden oft nur auf den wirtschaftlichen Faktor reduziert."

Idee Dem Leiter des Gefechtssimulationszentrums Heer
(GefSimZH), Oberst Fredi Müller, ist es ein Anliegen, auf die Bevölkerung zuzugehen. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Patenschaft von Bad Brückenau und dem GefSimZH beauftragte er seine Soldaten, eine Ausstellung über Aufgaben und Funktion des Gef SimZH zu entwerfen.

Engagement In Zusammenarbeit mit Gudrun Friedrich-Kleine von der Tourist-Info organisierten Hauptfeldwebel Mike Richter, Hauptmann Peter Memmert und Oberstleutnant Jürgen Baumer die Ausstellung in der Georgi-Halle. Auf Plakaten wird die Arbeit des GefSimZH erklärt. Puppen in militärischer Uniform sorgen für ein stilechtes Ambiente. Eine Filmvorführung nimmt die Besucher mit zu den Soldaten auf den Truppenübungsplatz Wildflecken.

Öffnungszeiten Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie wurde die Ausstellung gestern eröffnet (siehe Artikel unten). Die Ausstellung ist das ganze Wochenende bis einschließlich Montag, 2.Juli, von 10 bis 17 Uhr geöffnet. red


Einen Bericht zur Ausstellungseröffnung finden Sie in der Samstagsausgabe der Saale-Zeitung.