Ein neuer Supermarkt am Ortseingang - ja oder nein: Diese Frage sollen bis Ende Juni alle über 16-Jährigen Einwohner entscheiden. Nach unerwartet zähem Ringen um die endgültige Formulierung eines Brief an die Ortsbevölkerung hat sich der Gemeinderat doch noch auf die Endfassung geeinigt. Brief und Stimmzettel werden an alle Haushalte geschickt.

Der Hintergrund ist, dass die Bemühungen der Gemeinde, im ehemaligen Kaufhaus Schäfer wieder einen Lebensmittelmarkt anzusiedeln, gescheitert sind. Zuletzt hatte man große Hoffnungen, dass die Lebenshilfe Schweinfurt im Rahmen ihrer Behindertenarbeit dort einen "CAP-Markt" eröffnen würde. Nach eingehender Prüfung ist der aber das finanzielle Risiko zu groß. Und damit ist die Frage wieder aktuell, ob der Gemeinderat am Ortseingang einen Markt zulassen soll. Viele Unterschriften dafür oder dagegen hatten im Vorfeld gezeigt, wie unterschiedlich die Meinungen dazu sind. Deshalb hat der Gemeinderat beschlossen, eine Bürgerabstimmung dazu zu machen. Für die Entscheidungsfindung haben Bürgermeister Günter Kiesel und die Ratsmitglieder noch einmal zusammengestellt, was die Bevölkerung vor der Abstimmung wissen sollte.


Netto hat Interesse



Demnach hat derzeit hat nur noch Firma Netto Interesse an einer Ansiedlung in Nüdlingen, und dies nur auf dem Wiesengrundstück am Ortseingang von Bad Kissingen kommend. Edeka, Lidl und Rewe haben abgesagt, weil Nüdlingen zu wenig Einwohner hat und einen zu kleinen Einzugsbereich.

Würden die Bürger pro Markt votieren, würde die Gemeinde den Flächennutzungsplan entsprechend abändern, einen Bebauungsplan aufstellen und eine Gehweganbindung für die Fußgänger schaffen. Die Versiegelung der Wiesenfläche müsste durch andere grünordnerische Maßnahmen ausgeglichen werden. Angedacht sind ein naturbelassener Wasserspielplatz und eine Kneippanlage am Riedbach beim ehemaligen E-Werk.


Keine Aussage über Fortbestand



Über das Fortbestehen vorhandener Einzelhandelsbetriebe kann keine verbindliche Aussage getroffen werden, heißt es in dem Anschreiben an die Bürger weiter. Auch wäre ein Neubau keine Garantie für einen dauer-haften Betrieb. Keine der Firmen könne der Gemeinde versprechen, auf Dauer in Nüdlingen zu bleiben. Das Risiko eines Leerstandes bleibt deshalb ebenso bestehen wie das Risiko, irgendwann überhaupt keinen Lebensmittelmarkt mehr am Ort zu haben. Ob auch in einigen Jahren noch die Chance besteht, dass sich ein Lebensmittelmarkt ansiedelt, sei ungewiss.

"Es gibt Gründe, die gegen den Standort am Ortseingang und auch grundsätzlich gegen einen zweiten Markt sprechen: Die Versiegelung der Wiese, die Ortseingangsgestaltung und die Konkurrenz zu den bestehenden Geschäften im Ort", heißt es in dem Brief wörtlich. Für einen weiteren Markt spreche die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung und die Stärkung des Einzelhandels am Ort sowie der gesunde Wettbewerb zwischen zwei Anbietern.

Der Gemeinderat bittet die Ortsbevölkerung mit seinem Anschreiben, nach Abwägen des Für und Wider die Entscheidung mitzuteilen. Die Gemeinde werde das Abstimmungsergebnis wie einen Gemeinderatsbeschluss behandeln und sich daran halten.