Etwas abseits stehen sie, die Ehepaare Baus und Neubauer, versteckt hinter der Lokalprominenz aus Kommunalpolitik, Vereinsleben und Vertretern von Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr. Als einige wenige Bürger sind sie der Einladung von Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) gefolgt, die heuer zum ersten Mal alle Bürger zum Neujahrsempfang der Stadt eingeladen hatte.

"Wenn die Bürgermeisterin alle Bürger eingeladen hat, dann gehören wir auch dazu", kommentiert Hermann Neubauer trocken. Im Hintergrund klingt leise Musik - am Klavier sorgt Heinrich Meininger für beschwingte Töne, während die rund 60 Gäste frohen Mutes aufs neue Jahr anstoßen.
"Uns hat das einfach interessiert", ergänzt Sigrid Baus.

Viel erreicht im alten Jahr

Meyerdierks selbst freut sich über jedes bekannte Gesicht, hält in ihrer Rede aber nicht hinter den Berg: "Ich hätte mir noch mehr Bürger gewünscht, deren Gesichter man nicht so oft sieht." Für den feierlichen Anlass hat sie extra ihre Amtskette angelegt. Und dann legt die Bürgermeisterin los und präsentiert die Highlights des vergangenen Jahres: Anbau der Grundschule, Ehrenamtsabend, Juz. "Die Nato-Übung war der Hammer", sagt Meyerdierks noch immer ganz begeistert. "Es war hochinteressant, was hier abgegangen ist." Auch ihr Steckenpferd, der Pinklauf, war mit mehr als 500 Teilnehmerinnen ein voller Erfolg. "Heuer streben wir 750 Leute an", setzt sich Meyerdierks erneut ein ehrgeiziges Ziel. Und - an die Adresse von Dekan Michael Krammer gerichtet: "Bitte beten Sie, dass wir gutes Wetter haben."

Nächster Anlauf 2014

Die Atmosphäre ist locker, nach dem offiziellen Teil ist noch reichlich Raum für Gespräche. "Es kann schon sein, dass sich viele nicht so richtig hertrauen", vermutete zum Beispiel Daniela Wagner. Als Leiterin der Musikschule ist für sie der Besuch beim Neujahrsempfang Routine. "Die Idee, alle Bürger einzuladen, finde ich jedenfalls sehr schön", spricht sich Cornelia Borowski, Vorsitzende des Musikschulvereins, deutlich für die Aktion aus.
Es mag sein, dass für die meisten Gäste der Neujahrsempfang nur einer unter vielen ist. Das Gespräch mit den Bürgern findet eher draußen zwischen Tür und Angel statt. Das muss nicht so bleiben, findet Margarete Wollmann. Die Frau von Kantor Markus Wollmann glaubt nicht, dass die laue Reaktion der Bürger auf blankes Desinteresse zurückzuführen ist. "Ich erlebe es eher so, dass die Leute schon fragen, wie es war." Nur selbst kommen, daran hapere es noch.

Für Meyerdierks ist die Premiere trotzdem kein Flopp. "Vielleicht kommen im nächsten Jahr ja schon mehr Leute", blickt sie voraus, fest entschlossen, 2014 einen neuen Anlauf zu wagen. "Das muss sich erst etablieren", lautet ihr Fazit. Quasi einbürgern.