Arno Nüchter aus Oberbach war einer von rund 150 GKN-Sinter-Metals-Beschäftigten, die am Montag die Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn in der Metall- und Elektro-Industrie unterstützten: "Die Forderungen sind angemessen", sagt der 48-Jährige. "Die Unternehmen haben volle Auftragsbücher, und die Mitarbeiter sollen ein Stück von dem Kuchen abbekommen", steht der gelernte Werkzeugmacher hinter der Forderung der IG Metall nach 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt.

Nüchter ist Schichtleiter in der neuen Halle des Bad Brückenauer "Metallwerks". Zudem sitzt er mit im Betriebsrat und vertritt damit die rund 470 Beschäftigen, darunter 47 Auszubildende, am Standort Bad Brückenau. Deshalb war es keine Frage, ob er sich am Warnstreik gestern beteiligt. Das ging den meisten so: Betriebsratsvorsitzender Peter Fröhlich schätzte die Zahl der Kollegen, die vors Werkstor kamen, auf 150. "In der Frühschicht arbeiten so ungefähr 180 Kollegen, das ist eine ganz deutliche Mehrheit", war Fröhlich zufrieden.

Gut organisierter Betrieb

Immer wieder gerne nach Bad Brückenau kommt der Erste Bevollmächtigte des IG-Metall-Bezirks, Walther Mann. "Das GKN-Werk ist ein gut organisierter Betrieb", berichtet Mann: Rund 60 Prozent der Belegschaft sind bei der IG Metall, bei einem bundesweiten Schnitt von unter 40 Prozent sei das ein Spitzenwert. An solchen Betrieben sei zu sehen, wie wichtig in Deutschland das Industrieprinzip und die Einheitsgewerkschaften seien: Ersteres legt fest, dass eine Gewerkschaft eine Sparte abdeckt, letzteres verhindere ideologisch geführte Grabenkämpfe: "In anderen Ländern gäbe es in einem solchen Betrieb zehn Gewerkschaften, die sich dann nicht einigen können", erklärt Mann: "Und man sieht ja, wie wenig die Arbeitnehmer in anderen Ländern rausschlagen."

Im Metallwerk dagegen spricht die IG Metall für die ganze Belegschaft und fordert 5,5 Prozent mehr Lohn und monatlich 60 Euro mehr für die Auszubildenden. "Wir wollen auch ein Stück vom Kuchen abhaben, wenn uns die Bäckerei schon nicht gehört", bringt es Walther Mann ähnlich wie Arno Nüchter auf den Punkt. Den wirtschaftlichen Spielraum dafür sieht der Gewerkschafter gegeben: "Das Jahr 2013 entwickelt sich gut für die Industrie, und das Jahr 2014 wird sich noch besser entwickeln." Deshalb sei die Gewerkschaftsforderung auch "fair und wirtschaftlich sinnvoll".

Arbeitgeber bieten 2,3 Prozent

Nicht dagegen das Arbeitgeber-Angebot: 2,3 Prozent bieten die bisher an - und zwar erst ab Juli, obwohl der alte Tarifvertrag bereits Ende April auslief. Bereinigt also nur 1,9 Prozent. "Das hat mit Fairness nichts zu tun", ruft Mann seinen Kollegen zu und erntet Beifall. "Wir fordern mehr Respekt vor der Arbeit, die ihr tagtäglich leistet."

Nicht vors Werkstor kam Personalleiter Wolfgang Müller. Trotzdem äußert er zum Teil Verständnis für die Forderungen: "Ich hoffe, dass man sich schnell, pragmatisch und für beide Seiten akzeptabel einigt." Auf alle Fälle möchte Müller einen langwierigen Arbeitskampf vermeiden - eben auch, weil der Organisationsgrad im Bad Brückenauer GKN-Sinter-Metals-Werk so hoch ist.

Keine Anteilnahme an Rekordgewinnen

Bei allen Unterschieden sind sich Müller und die Gewerkschafter zumindest in einem Punkt einig: "Von den Rekordgewinnen der Automobilisten sind wir Zulieferer weit entfernt", verweist Personalleiter Wolfgang Müller auf den Preisdruck bei den Teile-Produzenten. "Die Zulieferer werden immer mehr gedrückt", sagt auch Jürgen Wawersig, Politischer Sekretär bei der IG Metall draußen vor den Werkstoren.

Laut Müller gibt es dafür andernorts auch eine eigene Lösung: "Viele Automobil-Zulieferer haben längst Haustarifverträge." Davon wollen natürlich die Gewerkschafter nichts wissen: "Das soll so weitergehen, wie es jetzt ist", pocht auch Arno Nüchter darauf, dass das Metallwerk im Flächentarifvertrag bleibt. Dafür erwartet er sich am Ende keinen allzu hohen Lohn-Aufschlag: "Ich gehe von 3,5 Prozent aus", liegt seine Prognose näher am Arbeitgeber-Angebot. Und Personalleiter Müller gibt erst gar keine Prognose ab: "Das Ergebnis wird halt wieder irgendwo dazwischen liegen."