Nach den ersten Prognosen zu den Bundestagswahlen am Sonntagabend steht für Hans-Josef Fell fest: Er hat keine Hoffnung mehr, erneut in den Bundestag einzuziehen. Die Wahlforscher vermuten seine Partei Bündnis 90/Die Grünen bei 8,1 Prozent. "Das Wahlergebnis ist bitter für mich, aber ich muss das Votum der Wähler akzeptieren", sagt der enttäuschte Grünen-Politiker. Fell bräuchte ein Ergebnis seiner Partei von über 12 Prozent. Das verfehlte seine Partei klar. Und damit ist im Wahlbezirk Hans-Josef Fell der Verlierer des Tages. Er scheidet nach 15 Jahren Abgeordnetentätigkeit aus dem Bundestag aus.

Gewinnerin des Tages ist die Kandidatin der CSU, Dorothee Bär. Ihre CSU bleibt in Feierlaune. Nach dem Gewinn der absoluten Mehrheit vor einer Woche in Bayern haben die Schwarzen aus dem Freistaat bei der gestrigen Bundestagswahl erneut sehr erfolgreich abgeschnitten. Ihren Anteil daran hat die stellvertretende Generalsekretärin der Partei, Dorothee Bär aus Ebelsbach (Kreis Haßberge). "Der Einsatz in den vergangenen Wochen und Monaten hat sich gelohnt", sagte sie gestern Abend in einer ersten Reaktion auf das Wahlergebnis.

Auch persönlich kann sie sehr zufrieden sein, genauer gesagt: "Ich bin überglücklich", denn "wenn eine Fünf beim Ergebnis vorne dran steht, freut man sich riesig". Sie hat das Direktmandat im Wahlkreis 248 Bad Kissingen geholt, und der besteht aus den drei Landkreisen Haßberge und Bad Kissingen sowie Rhön-Grabfeld, souverän behauptet. Deutlich liegt sie vor den anderen Bewerbern um den Einzug in den Bundestag. Am nächsten kam ihr die SPD-Kandidatin Sabine Dittmar aus Maßbach. Aber nur in diesem Ort, aus dem sie stammt, konnte Dittmar bei den Erststimmen knapp mehr punkten als die CSU-Frau.

Im dortigen Schützenhaus war die Stimmung am Sonntagabend gut: "Wichtig ist, dass ich das Mandat für die Region habe", sagte Dittmar. Sie zieht über die Liste ihrer Partei ins Parlament ein. Mit ihrem persönlichen Abschneiden ist sie zufrieden. Das Ergebnis der SPD "hätte besser sein können.", urteilt sie. "Ich hätte mir bundesweit zwei bis drei Prozent mehr gewünscht." Dittmar zeigte sich überrascht vom starken Abschneiden von der Union und der Alternative für Deutschland.


Prognose irritierte etwas
In Diebach im Altlandkreis Hammelburg hatte Karl-Heinz Waldmann als einer von bundesweit 640 sogenannten Wahlkorrespondenten die Wähler direkt nachdem sie ihre zwei Kreuze gesetzt hatten. Die Befragung erfolgte freiwillig und anonym. Im Auftrag des ARD ermittelte Infratest Dimap auf diesem Weg die ersten Hochrechnungen. Stündlich gab der Wahlkorrespondent die Angaben telefonisch an die Datenzentrale weiter, die um punkt 18 Uhr als Prognose in der ARD präsentiert wurde. Und im Landratsamt Bad Kissingen war die Überraschung über diese Prognose denn doch ziemlich groß bei den wenigen, die sich zur Stimmauszählung im Großen Sitzungssaal eingefunden hatten.

Vor allem darüber, dass sich eigentlich von Anfang an anzeichnete, dass die Liberalen dem nächsten Bundestag wohl nicht mehr angehören werden.


Was wird mit welcher Koalition?
Landrat Thomas Bold meinte später, auch wenn es ein tolles Ergebnis für die Union in Bayern und im Bund ist, dass ihm lieber gewesen wäre, die FDP hätte es geschafft, "einfach damit die Mehrheit etwas größer ist.Der Landrat ist prinzipiell der Auffassung, dass die Union mit jeder demokratischen Partei in Koalitionsverhandlungen eintreten könne, außer mit den Linken. Aber so wirklich gut würde ihm die Konstellation weder mit den Grünen noch mit der SPD gefallen. "Gerade bei Schwarz-Rot wäre die Mehrheit aus Grünen und Linken einfach doch zu klein", fand er. Und die zum Zeitpunkt der Befragung nicht ganz ausgeschlossene Möglichkeit, dass die Union womöglich allen regieren könne, war ihm auch nicht wirklich geheuer, weil die Mehrheit zu knapp wäre.
Aber wie gesagt, das alles basierte auf den Hochrechnungen. Unterdes klemmten sich die beiden IT-Fachfrauen Karola Kunkel und Jasmin Schlereth im Landratsamt dahinter, die Ergebnisse aus den Gemeinden einzuholen. Thundorf war die erste Gemeinde, die im Landkreis Bad Kissingen ausgezählt war, Hammelburg die letzte.

Erstaunlich war in fast allen Gemeinde die starke Wahlbeteiligung. In der Stadt Bad Brückenau hatten prozentual die wenigsten Bürger Lust zur Wahl zu gehen, ihre Beteiligung lag bei gerade 58,03 Prozent. Indes gingen in Ramsthal 85,12 Prozent der Wähler zur Wahl.

Alle Ergebnisse der fränkischen Stimmkreise für die Bundes- und Landtagswahlen finden Sie unter wahlen.infranken.de. Auch Detailinformationen zu den Kandidaten finden Sie auf dieser Seite.