Ludwig Weber setzt sich seit Jahren für eine biologische und nachhaltige Landwirtschaft ein. Chemischen Dünger und Pestizide findet man auf seinem Steffeshof nicht. Das Getreide stammt aus eigenem Anbau und wird in der Mühle direkt auf dem Hof gemahlen. Brot wird im Holzbackofen gebacken. Die Tiere leben ausschließlich von dem, was Hof und Weide hergeben.
Sein Geld verdiene er mit dem Hofladen, in dem er neben Bio-Brot und Backwaren auch Gemüse, Obst und Milchprodukte sowie Fleisch und Wurst anbietet. Außerdem verkauft der Steffeshof Getreide und ist ein in der Gastronomie gefragter Fleischlieferant.
Weber verzichtet auf moderne Rinder- oder Schafsrassen und züchtet stattdessen altes "Rotes Höhenvieh" und "Rhönschafe". Vordergründig betrachtet haben beide Rassen einen wirtschaftlichen Nachteil: "Sie liefern weniger Leistung. Deshalb war das Rote Höhenvieh auch fast ausgestorben", erklärt der Öko-Landwirt.
Dieses Manko sei aber zu verkraften, denn die Fleischqualität sei sehr gut. "Das Rindfleisch überzeugt durch seine Zartheit, Feinfaserigkeit und seinen Geschmack", zählt Weber die Qualitätsmerkmale auf. Das seien zwar subjektive Einschätzungen, aber die positiven Rückmeldungen der Kunden bestätigten seinen Eindruck. Nicht umsonst beliefert Weber, wie er sagt, ein Hotel aus der Region exklusiv mit Rindfleisch.
Entscheidend sind das Alter des Rindes beim Schlachten, die Dauer der Fleischreifung und der Fettanteil im Fleisch. Letzteren kontrolliert Weber über das Futter. "Die Kuh ist ein Wiederkäuer und kein Kraftfutterfresser", sagt er. Deshalb bekommen seine Tiere in der Regel Weide- und nur selten Kraftfutter. So schaffe er es außerdem einen hohen Anteil gesunder, essentieller Fettsäuren im Fleisch anzureichern.
Es gibt aber noch andere Gründe, weshalb Ludwig Weber das vom Aussterben bedrohte Rote Höhenvieh züchtet. "Ich mag die Kühe einfach", sagt er. Er kenne sie schließlich noch aus seiner Kindheit. Das "Rote Höhenvieh" sei zudem sehr genügsam auf der Weide. Im Vergleich zu fleischigeren Rinderrassen seien die Tiere relativ leicht, so dass auf einer nassen Weide der Boden geringer geschädigt werde.
Rhönschafe züchtet Weber schon etwas länger als das "Rote Höhenvieh". Mit den Rindern begann er 1996, die Schafe hält er bereits seit über 20 Jahren auf dem Steffeshof. Hierbei ist das Motiv ebenfalls, der Tierrasse zum Überleben zu verhelfen. Das Rhönschaf überzeugte Weber aber auch durch seine gute körperliche Verfassung. "Die Tiere sind einfach sehr robust und haben einen guten Gesundheitszustand", sagt er. Und das leckere Fleisch habe schon Napoleon geschmeckt. "Napoleon hat sogar einige Rhönschafe eigens für sich nach Paris treiben lassen", erzählt der Bio-Landwirt.
Weber teilt damit die Ziele der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen. Sie will das genetische Erbe in der Rhön schützen und einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Vor Kurzem stellte die Gesellschaft das Projekt "Tiergenetische Ressourcen in Biosphärenreservaten in Deutschland" vor.