Manche nennen ihn ein Rhöner Urgestein, andere ein Rhöner Original. Doch alle meinen denselben: Bio-Bauer Karl Schneider in Wollbach feiert am Sonntag, 17. Oktober, seinen 70. Geburtstag. Die Zahl der Gratulanten auf dem Schneiderhof wird hoch sein, denn allein seine engste Familie hat sich mit 25 Personen angesagt.

"Da ist der Karl, grüß Gott", meldet sich der Wollbacher am Telefon. Den vollständigen Namen zu sagen, scheint ihm unnötig. Schließlich kennt man Karl Schneider, der mit seinen 70 Milchkühen, 30 Mutterkühen, 100 Stück Jungvieh und etlichen Hektar Weide- und Ackerland seit Jahren zu den erfolgreichen Bauern der Region zählt. Dabei hat er Landwirtschaft nie gelernt: "Ich bin eigentlich Elektriker."

Vor 70 Jahren wurde Schneider als Sohn eines Schmiedemeisters und Kleinbauern in Stangenroth geboren. Als er erst zehn Jahre alt war, starb der Vater und die um viele Jahre älteren Brüder übernahmen die Schmiede, in der der kleine Karl mithelfen sollte. "Ich war aber viel lieber in der Natur und auf dem Acker. Ich wollte nie Schmied werden." Er sollte einen zukunftsfähigen Beruf erlernen, forderten die Brüder später - Automechaniker oder Elektriker. Also wurde Karl Elektriker und arbeitete 14 Jahre in diesem Beruf, "aber ich habe das nie gern gemacht".

Doch als Elektriker lernte er seine spätere Frau kennen: Bei Reparaturen im Bad Kissinger Sanatorium Fronius traf er auf Monika, die dort in der Küche arbeitete. Sie war die Tochter eines Kleinbauern in Wollbach mit zwei Hektar Land und drei Kühen. Am 15. Mai 1976 heirateten beide und einen Monat später kam Ehemann Karl, Erbe eines Hektars Ackerland, mit sechs Kühen hinter sich über die Dorfstraßen Wollbachs auf den Hof seiner Frau.

Im Zuge der 1978 beginnenden Flurbereinigung, bei der sich Schneider von Beginn an einbrachte und auch im Vorstand tätig war, vergrößerte er den Hof durch Kauf und Pacht. Doch bald hatte die Zahl der Kühe und der zu bewirtschaftende Landbesitz ein Maß angenommen, das nicht mehr im Nebenerwerb zu bewältigen war.

So entschied sich Schneider 1980 für die Landwirtschaft als Vollerwerb und gegen den Beruf des Elektrikers. Dies war auch der Start zum Bio-Betrieb, der als solcher allerdings erst 2008 zertifiziert wurde. "Das Spritzen und Düngen hat mir nie gefallen." Schneider begann damals, seine Kühe, statt sie nur im Stall stehen zu lassen, auf die Weide zu treiben.

Großer Hof, große Familie

"Ringsum war kein Vieh auf den Weiden zu sehen." Erst später machten es ihm die anderen Bauern nach. Mit den Jahren wuchs nicht nur Schneiders Kinderzahl auf sechs (zwei Söhne, vier Töchter), sondern Hektar um Hektar auch der "Schneiderhof", der neben der Großfamilie zum Herzstück seines Lebens wurde.

Im Jahr 2015 entschied sich der leidenschaftliche Landwirt schon als 64-Jähriger, seinen Hof an den erstgeborenen Sohn Sebastian (heute 42) zu übergeben. "Die Rente stand an und der Nachfolger war da." Als hätte sich nichts geändert, arbeitet er noch immer Tag für Tag von früh bis spät auf dem Hof. Nur ein Mittagsschläfchen gönnt sich der jetzt 70-Jährige.

Zusätzlich zur Tagesarbeit fordern ihn seine Ehrenämter in der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (seit 40 Jahren), in der Jagdgenossenschaft (37 Jahre), im Bauernverband als Ortsobmann (25 Jahre) und in der Kirchenverwaltung (25 Jahre). Bei dieser Arbeitsfülle bleibt keine Zeit für Urlaub. Lediglich seine viertägigen Exerzitien auf dem Kreuzberg lässt sich Karl Schneider nicht nehmen. Auch die paar Tage Auszeit bei den auswärts lebenden Kindern sowie der sonntägliche Kirchgang im feinen Anzug mit anschließendem Frühschoppen sind ihm heilig: "Da erfährt man, was im Dorf passiert."

Das Vertrauen auf Gott und die Liebe zu Gottes Schöpfung bestimmen Schneiders Leben. "Freue dich über jeden Tag, den du erleben darfst, denn er ist ein Geschenk Gottes" war schon auf seiner Einladung zur Feier seines 60. Geburtstags zu lesen. Dies wurde ihm 2018 noch bewusster, als ihn ein Herzinfarkt niederwarf und sein Leben auf der Kippe stand: "Es war fünf vor Zwölf."

Für die kommenden Jahre wünscht sich Bauer Karl deshalb nur Gesundheit und ausreichende Schaffenskraft, "dass es so weitergeht wie bisher und die Familie so bleibt, wie sie ist". Schneider ist stolz auf seine Kinder und deren Partner. Vor allem die zehn Enkel "sind meine größte Freude". Dankbar ist er seiner Monika: "Wenn meine Frau nicht so mitgemacht hätte, wären wir nicht so weit gekommen."

Voller Dankbarkeit blickt Bio-Bauer Karl auf sein Leben zurück. "Es war ein arbeitsames Leben", meint er, doch ein "hartes Leben" will er es nicht nennen. "Wenn alles weiter so gut läuft, bin ich zufrieden. Da brauche ich nichts anderes." Seinem Herrgott ist er dankbar für alles Erreichte. Dankbarkeit ist für ihn nicht nur ein Wort. Daheim in seinem Haus, umgeben von vier Generationen, fühlt er sich geborgen und die tägliche Arbeit macht ihn zufrieden. So überrascht es nicht, auf seiner diesjährigen Einladung zur Geburtstagsfeier zu lesen: "Zufriedenheit und Gottvertrauen sind hausgemacht! Ich blicke zufrieden auf mein Leben und möchte es mit euch dort feiern, wo ich am liebsten bin - zuhause!"