Sie soll die bayerische Öko-Modellregion Oberes Werntal vorantreiben, sie soll Biobauern und Verbraucher zusammenbringen und eine Plattform für Informationen bieten: Anna-Katharina Paar, neue Projektmanagerin für dieses Thema innerhalb der Interkommunalen Allianz. Im Rathaus Greßthal wurde die 23-Jährige offiziell vorgestellt.
Sie traut sich diese Aufgabe zu und hat unter 46 Bewerbern das Vertrauen der Werntal-Allianz errungen.
Im ehemaligen Trauzimmer des Rathauses der Gemeinde Wasserlosen hat Anna-Katharina Paar ihr Büro bezogen. Denn Wasserlosens Bürgermeister Anton Gößmann verantwortet innerhalb der Allianz von zehn Gemeinden das Thema Landnutzung.
Die Stelle der Projektmanagerin ist zunächst auf zwei Jahre befristet und finanziert vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium. Denn dessen Ziel ist es, die regionale Produktion von Bio-Lebensmitteln zu forcieren, da diese mit der gestiegenen Nachfrage nicht Schritt hält. Beim ausgeschriebenen Wettbewerb zur bayerischen Öko-Modellregion war die Allianz Oberes Werntal mit zwei weiteren unterfränkischen Regionen erfolgreich: dem Landkreis Rhön-Grabfeld und der Allianz Waldsassengau westlich von Würzburg.


Kommunikation ist gefragt

Kommunikativ muss die neue Projektmanagerin sein. Und natürlich vom Fach. "Ich will die Akteure vernetzen", hat sich Anna-Katharina Paar vorgenommen. Aufgewachsen ist sie in Bernau am Chiemsee, jetzt wohnt sie in Bad Kissingen. An der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hat sie Lebensmittelmanagement mit Schwerpunkt pflanzliche Produkte studiert. Praxissemester und freiwilliges Praktikum leistete sie bei großen Anbietern von Bio-Lebensmitteln. Zuvor hat sie ein freiwilliges ökologisches Jahr in Litauen absolviert.
Die Ökomodellregion sieht sie als Chance, regionale Produkte zu stärken und die Wertschöpfung in der Gegend zu halten. Einen Konflikt mit konventionellen Landwirten, die Vorbehalte haben könnten und Angst, ins Hintertreffen zu geraten, verneint sie. Paar hält entgegen: "Das ist nicht das Ziel." Vielmehr könnten alle voneinander lernen.


Maßnahmen-Katalog

Zwölf Maßnahmen beinhaltete der Wettbewerbsantrag, möglichst viele sollen umgesetzt werden. Es geht um den Aufbau regionaler Vermarktungsketten, um Großküchen- und Gemeinschaftsverpflegung, um die Verarbeitung und Lagerung von Öko-Druschfrüchten, die Verbesserung der Getreideverarbeitung in der Region, um Aufbereitungsanlagen für Öko-Gemüse und Kartoffeln und um die Förderung von Streuobstbeständen. Nicht zuletzt diese gehören zum Bild der Werntal-Gemeinden und sorgen ein Stück weit mit für die regionale Identität, ergänzt Werntal-Allianzmanagerin Eva Braksiek.
Dass die Arbeit der Öko-Modellregionmanagerin auch in die Richtung "Verbraucherbildung" gehen muss, verdeutlichte Paar. Betriebsbesichtigungen, Hoffeste oder diverse Weiterbildungskurse möchte sie anbieten. Der Interessent soll direkt bei ihr buchen können. Erstes Vorhaben ist am 4. und 5. Februar 2016 ein Obstbau-Seminar mit dem Experten Josef Weimer auf dem Schloss-Gut Obbach.


Geschenkkorb

Öffentlichkeitsarbeit ist ihr wichtig, ein erster Flyer über die Öko-Modellregion wurde bereits erarbeitet. Nächste Projekte sind eine Direktvermarkter-Broschüre sowie ein Geschenkkorb aus dem Oberen Werntal mit Bio-Produkten.
Bevor allerdings große Projekte starten, muss zunächst eine Struktur der Arbeit entstehen. Dazu soll, wie Paar informierte, eine Steuerungsgruppe aus Landwirten und Verbrauchern gewählt werden. Im Februar werden die Schwerpunkte der Arbeit und die einzelnen Akteure festgelegt.
Die Hoffnung, dass die befristete Stelle durch das bayerische Landwirtschaftsministerium verlängert wird, äußerte Bürgermeister Gößmann. Es hänge natürlich davon ab, wie die Arbeit vor Ort akzeptiert wird und wie erfolgreich sie ist. Silvia Eidel