Eine Biber-Familie mit sechs bis acht Tieren lebt auf dem unwegsamen Gelände, durch das Robert Hildmann, Leiter der Kurgärtnerei, am Samstag eine Besucher-Gruppe führt. Aber Makler sind - soweit ersichtlich - nicht darunter, dafür interessierte Bürger und einige Kurgäste.

"An dieser Burg bauen die Tiere schon seit 15 bis 18 Jahren," erzählt Hildmann. "Das ist ja wie ein Hausbau!", wirft ein Mann ein.
Und er hat Recht: Die Burg ist kunstvoll aus dicken Ästen aufgeschichtet. "Mit ihren Pfoten schaffen die Tiere Schlamm herbei und verputzen den Reisig", erklärt Hildmann. Auch die "Außenanlagen" sind gepflegt: Indem die Biber den alten Arm der Sinn aufstauten, schufen sie eine Landschaft aus flachen Teichen, in der nicht nur sie sich wohlfühlen: Auch Schwarzstörche leben hier.

Natur zum Anfassen

Aufrecht vor der Burg steht ein Biber - natürlich nur ein ausgestopftes Exemplar. Seine Artgenossen schlafen drinnen in ihrer Burg - denn Biber sind nachtaktive Tiere. "Den habe ich vorher aufgestellt", verrät Hildmann nach der Wanderung. Das Tier wurde bei Eckarts überfahren. Später wird Robert Hildmann den Biber wieder einsammeln, denn wer will schon in seinem Vorgarten den Nachbarn treffen - und dann auch noch ausgestopft?

Die Kinder jedenfalls sind begeistert. "Am Anfang habe ich gedacht, der Mann redet nur und wir sehen gar nichts", sagt Alina aus Bad Brückenau. Zusammen mit ihren Freundinnen ist sie zur Biber-Wanderung gekommen. "Ich wollte wissen, wie die Biber leben und mir ihre Spuren ansehen", sagt die Elfjährige. Und tatsächlich: Im feuchten Schlamm der Sinn hat ein Biber seine Abdrücke hinterlassen. Und nicht nur das.

"Riechen Sie mal!" Mit einer Hand voll Erde kommt Robert Hildmann vom Ufer der Sinn zurück. Susanne Warndorf und Karin Hellweg, Patientinnen in der Hartwald-Klinik, schnuppern an dem Klumpen. "Ganz komisch... irgendwie ein ganz neuer Duft", versucht Hellweg zu beschreiben und Warndorf ergänzt: "Nicht unangenehm, ein bisschen chemisch". Was die beiden da riechen, ist Bibergeil. Die Biber nutzen die Duftstoffe, um ihr Revier zu markieren und auch für die Fellpflege.

Knapp der Ausrottung entronnen

Sein Fell wurde dem Biber zum Verhängnis. "Im 17. und 18. Jahrhundert waren Biber-Hüte in Mode", erklärt Hildmann und zieht ein dichtes Fell aus seinem Rucksack. Weich ist es, und unglaublich dicht. Ehrfürchtig reichen es sich die Gäste von Hand zu Hand. Pro Quadratzentimeter wurden 25.000 Haare gezählt, berichtet Hildmann. Kein Wunder also, dass die wasserdichten Filzhüte reißend Absatz fanden - und fast alle Biber den Tod.

"Um das Jahr 1900 blieben nur etwa 100 Biber an der Elbe übrig", sagt Hildmann. Erst durch gezielte Auswilderungen - zum Beispiel im Jahr 1988 in Altengronau - haben sich die Bestände wieder erholt. "Man wohnt ganz in der Nähe und kennt doch so wenig von der Umgebung", lautet das Fazit von Erna Fay aus Geroda. Seit Jahren wollte sie schon einmal bei einer Biber-Wanderung mitlaufen. Sie hat es nicht bereut.

Die Biber-Wanderung in Bildern gibt's hier.