Bad Kissingen/ Würzburg — Nach zwei Jahrzehnten im Kilianshaus, der Zentrale der Seelsorge im Bistum Würzburg, drängt es ihn nochmals an die Basis: In Bad Kissingen wird Rainer Ziegler zum 1. Oktober als Kur-, Reha- und Touristenseelsorger neu durchstarten.
In seiner neuen Aufgabe in Bad Kissingen wird Ziegler Antworten auf die Fragen der Seelsorge in heutiger Zeit geben können.
Als Touristen- und Gästeseelsorger leitet er den Kontaktpunkt Kirche in der Bäderstadt. Dort will er einen "Kommunikationsort" schaffen und die Touristen- und Gästepastoral mit der Kirchengemeinde vernetzen. Als Kur- und Reha-Seelsorger wird er nach seiner eigenen Einschätzung mehr Krankenhausseelsorger sein, da die Patienten immer noch krank zur Kur kämen. "Man spricht heute von blutigen Entlassungen."

Ideales Einsatzfeld

Mit seinen 23 Rehakliniken sei Bad Kissingen das ideale Einsatzfeld für ihn in der Einzelseelsorge. Hinzu komme die Seelsorge in der großen Reha-Klinik in Bad Bocklet. Dort wolle er für die Menschen in Krisen Ansprechpartner und Begleiter in deren Sorgen und Nöten sein. "Bei meinen neuen Aufgaben geht es um Kirche als personales Angebot. Das reizt mich sehr!", betont Ziegler.

Bestelltes Feld überlassen

Zufrieden ist Ziegler schon, wenn er auf den von ihm begleiteten Dialogprozess "Wir sind Kirche - Wege suchen im Gespräch" aus den 1990er Jahren blickt. 23 Beschlüsse und die bischöfliche Wegweisung "Unser Weg" gab es 1996 am Ende des Dialogprozesses. Pfarrbeauftragte wurden eingesetzt, ein Personal- und Strukturkturplan in den darauffolgenden Jahren entwickelt. Auch die abgeschlossene Errichtung der 164 Pfarreiengemeinschaften in jüngster Zeit hat Ziegler gut mit auf den Weg gebracht. Hier kann er ein bestelltes Feld überlassen. "Ich bin weder frustriert, noch enttäuscht. Ich hatte immer das Gefühl, es geht voran", sagt er und setzt gleich nach: "Aber zu langsam." Ungeduldiger sei er geworden, weil er gedacht habe, die Prozesse gingen einfacher und schneller vorwärts, gesteht er.
Sein zweites berufliches Standbein mag ihm da ein Ausgleich und eine Kraftquelle gewesen sein. Seit zehn Jahren ist Ziegler auch Bereichsleiter Sonderseelsorge, der erste Laie in dieser Aufgabe. Hier ist Ziegler für 15 Aufgabenfelder der ka tegorialen Seelsorge im Bis tum verantwortlich - von der Krankenhausseelsorge über die Ehe-, Familien- und Lebensberatung, der Behindertenseelsorge bis hin zur Gefängnisseelsorge. "Die Bereiche stehen ganz gut da, neue Aufgaben wie die Internetseelsorge und die Citypasto ral sind in den vergangenen Jah ren hinzugekommen." Aber auch hier bewegt Ziegler die Frage, die die gesamte Seelsorge betrifft: Sind wir noch auf Kurs? Haben wir Konzepte für die Zukunft? "In den nächsten 20 Jahren ist ein völlig neues Denken von Seelsorge notwendig. Es wächst schon etwas Neues, das müssen wir sehen und entwickeln", unterstreicht er. Was Ziegler dabei besonders wichtig ist: "Wir brauchen ‚brennende Personen‘ in der Seelsorge."

Vergleich mit Schraubstock

Bei seiner Verabschiedung im Kilianshaus hat Ziegler auf das Bild des Schraubstocks zurückgegriffen. "Ich war immer zwischen der Bistumsleitung und den Pfarrgemeinden gestanden und habe immer zwischen oben und unten zu vermitteln versucht." Erdrückt worden ist er dabei nicht. Doch haben die 20 Jahre in der Zentrale der Seelsorge Spuren bei Ziegler hinterlassen.
Und es klingt dann doch auch etwas Enttäuschung an, wenn er vor allem auf den aktuellen Dialogprozess der Kirche blickt: "Heute dreht man die großen Räder wieder neu. Dabei hatten wir sie vor 17 Jahren zum Abschluss des damaligen Dialogprozesses schon alle Themen auf dem Tisch." Für Ziegler ein Grund, jetzt ganz neue Wege zu gehen: "Ich will nicht der jenige sein, der ständig darauf hinweist, dass wir das alles schon mal gemacht haben." POW