Viel hat sich getan in Europa seit Michael Peter 1963 der Bad Kissinger Europa-Union beigetreten ist. "Ich finde die Entwicklung sehr positiv: Die Demokratie hat sich ausgebreitet, die Grenzen sind kaum noch vorhanden, die Jugendlichen können sich treffen und austauschen", resümiert er begeistert. Rechts- wie Linkspopulisten, die momentan egoistisch und gegen den europäischen Gedanken agierten, müsse man "mit aller Kraft entgegentreten", sagt Peter.


Gemeinsam reisen

Er selbst kam damals über eine Reise in die italienische Partnerstadt Massa zur Europa-Union, seine erste Reise ins Ausland. Der Gründer des Kissinger Vereins, Kurt Federer, habe ihn fasziniert: "Seine Art, auf die Leute zuzugehen, und die vielen Sprachen, die er sprechen konnte, das habe ich mir zum Vorbild genommen", sagt der Vorsitzende. Die Begeisterung, die er spürte, wolle er weitergeben.
Seit 1999 ist er der erste Vorsitzende, seit seiner Zeit als Geschichtslehrer am Jack-Steinberger-Gymnasium in Bad Kis singen engagiert er sich, Kindern und Jugendlichen die europäische Kultur näher zu bringen. Über 300 Reisen habe er bisher organisiert, jedes Mal war er dabei. "Auch bei den Diskonächten feiert er mit. Das hat den Jugendlichen immer gefallen", erzählt Hannelore Bauer. Wie Peter kam sie 1963 in Massa zur Europa-Union. Nun ist sie stellvertretende Vorsitzende.


Großer Ortsverein

Der bayerische Dachverband der Europa-Union zählt insgesamt 1800 Mitglieder. Dass der Bad Kissinger Verein die größte Jugendorganisation in ganz Deutschland hat (von den rund 500 Mitgliedern sind über drei Viertel unter 20 Jahren alt), liege daran, dass Peter einen so guten Draht zu den Jugendlichen habe. "Bis hin zu Grundschülern schafft er es, alle für Europa zu begeistern", sagt Bauer.
"Es ist wichtig, die Idee auch altersgerecht zu vermitteln, um gegen die Europaskepsis Akzente zu setzen", sagt Peter.
Im Keller des Europa-Zent rums feiert Peter noch immer gerne mit den jungen Mitgliedern Feste, kürzlich etwa ein Oktoberfest. Seit 2008 hat der Verein ein Zentrum im Stadtteil Hausen. "Auf vier Stockwerken wird Europa gelebt und weitergegeben", beschreibt es Michael Peter. Zwei Sitzungssäle für Vorträge und politische Diskussionen finden sich dort. Im restlichen Gebäude stapeln sich tausende Reiseführer, Broschüren, CDs und Bücher zur europäischen Geschichte und Kultur. Reiseführer, Sprachführer und Malbücher für Kinder sind auch darunter.


Europa zusammenhalten

Das Haus ist Anlaufstelle für Austauschschüler und jeden, der sich über die europäische Kultur informieren will. Auch an den vielen Reisen, die der Verein organisiert, kann jeder teilnehmen. Sie dienen dem Zusammenhalt und der Begegnung zwischen den Menschen der europäischen Länder, besonders der Jugendlichen. Das dürfe wegen der derzeitigen Krisen nicht wegfallen, sagt Peter.
Beispielsweise sei er sehr gerne nach Griechenland gefahren und dort stets gut aufgenommen worden. Heute fühle er ein angespanntes Verhältnis, "wobei die normalen Bürger eigentlich nichts zu tun haben mit den ausbeuterischen Aktionen mancher Unternehmen und dem wirtschaftlichen Streit", sagt Peter. "Die Menschen zählen, wir dürfen die positiven Erfahrungen nicht vergessen."
Europa habe nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Mauerfall "unglaubliche Fortschritte gemacht", so Peter, aber man müsse die Probleme der Zeit auch ansprechen. "Wir fühlen uns politisch verantwortlich", sagt er. "Was wir aufbauen wollten und so gut voranging, bröckelt", sagt Hannelore Bauer.


Flüchtlinge europäisches Thema

Die ehemalige Rektorin einer Schule in Garitz engagiert sich im Helferkreis für Flüchtlinge. Dass so viele Menschen nach Deutschland fliehen sei "eine riesige Herausforderung mit ungewisser Zukunft", sagt Bauer. Aber man dürfe nicht vergessen, dass es auch eine Chance sei für ein gemeinsam handelndes Europa. "Das Flüchtlingsthema ist ein eklatantes Beispiel für das Versagen der EU", sagt Peter. Es gebe kein gerechtes System und es sei viel zu spät gehandelt worden. Der deutschlandweite Dachverband der Europa-Union setzte im April "ein klares Bekenntnis zum Charakter Europa als Einwanderungskontinent" und sieht in einer Erklärung die Zuwanderung als Chance für eine überalterte europäische Gesellschaft. "Wir werden aber von der Politik kaum beachtet", sagt Peter.


Die Zukunft

"Wir wollen der Bevölkerung auch die Angst vor dem Ungewissen nehmen", sagt Tobias Hegemann. Seit Juni ist er Vorsitzender der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF), der Jugendorganisation der Europa-Union. Die jungen Europäer sind in Kreisverbänden organisiert, geben Deutschstunden für Flüchtlinge. Ängste und Wissenslücken wollen sie durch begegnungen abbauen.
"Unser Ziel ist es, Krisen durch ein starkes gemeinsames Auftreten in Zukunft früher zu meistern", sagt der 19 Jahre alte Hegemann. Wie die Europa-Union tritt der Jugendverein für ein starkes europäisches Parlament ein, und ein Europa, das föderalistisch organisiert ist - wie die Bundesrepublik. "Ein Europäer zu sein heißt für mich, demokratisch und hilfsbereit für Freiheit und Brüderlichkeit einzutreten", sagt er.