Bad Kissingen — Einer der 1700 Männer, die aus Bad Kis singen in den 1. Weltkrieg zogen - 204 davon ließen ihr Leben - war Georg Pabst jun., der Sohn einer Kissinger Kaffeeröster- und Kolonialwarenhändlerfamilie. Begeistert wollte er unbedingt seinem Vaterland dienen und kam 1916 gerade noch rechtzeitig an die Front, um die verlustreiche Schlacht an der Somme in Frankreich zu durchleiden.
Nach dem Einjährigen (Realschulabschluss) begann Georg Pabst am 1. Oktober 1913 eine Lehre bei der Lebensmittel- und Feinkostfirma Dittmar in Eisenach. Als der Krieg ausbrach, wollte er sich freiwillig bei der Feldartillerie melden, bei der auch sein Vater gedient hatte, und fuhr deshalb nach Fürth und Nürnberg. Wegen seiner Jugend wurde er nirgends genommen und auf später vertröstet.

Stolz auf die Uniform

Ernst für ihn wurde es ab März 1916. Nach Musterung und Stellungsbefehl erhielt der Zwanzigjährige die Einberufung für den 1. Juli 1916 nach Magdeburg zum "Altmärkischen Feldartillerieregiment No. 4". Voll Stolz beschreibt er die für Einjährige, die als Offiziersanwärter galten, bessere Uniform mit ledernen Reithosen, Reitstiefeln, langem Säbel und Reitunterricht. Die Tage waren mit Unterricht, Geschütz-, Parade-schrittexerzieren und Turnen voll ausgefüllt.
Am 15. September wurde das gesamte Rekrutendepot an das Regiment 40 in Burg bei Magdeburg überwiesen. Da dieses Regiment große Verluste erlitten hatte, wurden die Soldaten sofort kriegsmäßig feldgrau eingekleidet und an die Front geschickt. Ohne die eigentlich vorgesehene weitere Ausbildung, wurden sie sofort zu Schanzarbeiten dicht hinter den Infanteriegräben eingesetzt. Untergebracht waren sie bei Miraumont in viereckigen Erdröhren von 2 m Breite und 15 m Länge, in denen man nicht aufrecht stehen, sondern nur auf allen Vieren kriechen konnte.
Als am 26. September die Engländer einen Großangriff starteten, musste Georg Pabst von einem Hügel aus Sperrfeuer schießen. Bei diesen Kämpfen erlitten die Engländer an einem Tag 60 000 Mann an Verlusten. "Sie rannten sich die Köpfe ein", kommentierte Pabst das Geschehen. Trotz der schrecklichen Erlebnisse mit vielen Verwundeten und Toten um ihn herum, fand er noch Muße, während des Granatfeuers eine Kornblume zu pflücken und einem Feldpostbrief beizufügen.
Über die hygienischen Verhältnisse schreibt er nach Hause: "In den letzten zwei Wochen konnte ich nur zwei Mal in einem Bach bei Miraumont ein Vollbad nehmen. Sonst gibt es in der Feuerstellung keine Möglichkeiten, sich zu waschen. [...] Solange man im Sperrfeuer ist, wäre es schade, frische Wäsche zu verschwenden. Sobald es hier regnet, wird der weiche Lehmboden zum Morast."
Eine Verschnaufpause vergönnte ihm die Verlegung nach Lens, wo es bombensicher einbetonierte "großartige" Geschützstände gab und Wohnunterkünfte mit Heizung, elektrischem Licht, Betten mit Matratzen und eine Badeanstalt.

Ratten auf Brust und Gesicht

Zurück in der vorderen Stellung schreibt er: "Ich legte mich, nur mit dem Mantel zugedeckt auf die harte Pritsche in meinem Unterstand und fror. Da kletterte etwas an meinem Bett hoch. Mit einem Mal wimmelte es von Ratten. Es müssen hundert gewesen sein, die aus dem nahen La Bassee-Kanal kamen. Sie sprangen mir über die Brust, übers Gesicht. Ich konnte sie nicht verscheuchen. Es war die schrecklichste Nacht meines Lebens."
Die Schlacht von Wijtschaete (1. bis 8. Juni 1917) brachte für Georg Pabst die Wende. Splitter einer Granate trafen seine rechte Hand. "Sämtliche Mittelhandknochen waren durchschlagen. An einem Fleischlappen hing noch die Vorderhand. Das Blut strömte. Zum Glück war der Sanitäter der Batterie in der Nähe. Er schnürte die Adern ab und verpackte die Finger mitsamt den Granatspittern in Mull." Im Lazarett nähten die Ärzte zunächst die Finger, Sehnen, Adern wieder an, stellten dann aber fest, dass die Hand nicht zu retten war und sicherten mit einer zweiten Operation die Handwurzelknochen. Schließlich wurde er in das Reservelazarett Kasino (heute Spielbank) in Bad Kissingen verlegt (27. Juni bis 14. September 1917). Anschließend kam er in die Marineanstalt nach Würzburg und wurde dort auf seine erste Kunsthand vorbereitet. "Ein Kunstwerk aus Aluminium, bei dem jedes einzelne Fingerglied verstellbar war. Ist jetzt in einem Museum in Würzburg. Ist nur zu schwer gewesen."
Wegen dieser Verletzung schied Pabst am 14. Mai 1918 aus dem Militärdienst und kam wieder in seine Heimat zurück.