Ein Landschaftsbauer ist der Biber, einer, der sich nicht darum schert, was der Mensch sich ausdenkt. Das zeigt sich an der Wern und kleineren Bächen wie dem Biegenbach, Euerbach oder Maibach. Dort baut der geschützte Nager Dämme und staut das Wasser zu kleinen Seen. Was bei Landwirten zu Unmut führt, bei Gemeinden zu höherer Aufmerksamkeit, beim Abwasserzweckverband (AZV) zu größerem Aufwand und bei der Unteren Naturschutzbehörde allgemein zu mehr
Arbeit.
"Zur Zeit haben wir das Thema im Griff", meint Jürgen Seufert, Betriebsleiter beim AZV Obere Werntalgemeinden. Seine Mitarbeiter kontrollieren regelmäßig die Bäche, um festzustellen, wo der Biber wieder einen Damm gebaut hat.


Rückhaltebecken lief voll

Zwischen Poppenhausen und Maibach hat das streng geschützte Tier am gleichnamigen Bach an verschiedenen Stellen Dämme errichtet. Unterhalb der Autobahn A 71 liegt ein AZV-Regenrückhaltebecken. Dort staute ein tierisches Bauwerk das Wasser soweit zurück, dass das Becken voll lief. Im Einvernehmen mit dem Wasserwirtschaftsamt und der Unteren Naturschutzbehörde legte der AZV eine Dammdrainage, so dass das Rückhaltebecken wieder leer ist und seinen Zweck erfüllen kann.
Einen weiteren Damm baute der Biber Richtung Poppenhausen. Deshalb wurde ein Wirtschaftsweg überflutet, unter dem der Abwasserkanal läuft. Über einen Gullydeckel liefen "große Mengen Wasser" in den Kanal und bis zur AZV-Kläranlage bei Geldersheim. "Das ist eindringendes Fremdwasser", erklärt Seufert, das man nicht in der Kläranlage wolle, weil es höhere Betriebskosten verursacht. Also wurde um den Damm herum eine Umgehung für das Bachwasser gebaggert, so dass es wieder fließen kann.
Seufert erinnert sich, dass der AZV am Maibach gemeinsam mit dem bayerischen Biberbeauftragten zum ersten Mal einen Damm sogar ganz entfernen musste. "Aber der Biber hat wieder gebaut."
Permanent ist der Verband gefordert, zumal auch rund um die Kläranlage der Biber an der Wern aktiv ist und diese staut, dass sie teilweise breit und träge wird, dass die Uferbäume und -büsche im Wasser stehen. "Zum Teil war das Wasser bis zum Ablauf an der Kläranlage zurückgestaut", sagt Seufert. "Wir handeln dann, das ist schon zur Routine geworden", mit Umgehungsgräben, Dammdrainagen oder im schlimmsten Fall Dammwegnahme - immer in Abstimmung mit den Behörden.
Probleme bereitet der Nager auch der Landwirtschaft. Wenn durch die Stauung des Baches das Grundwasser hoch ansteht, wie jüngst an der Wern bei Geldersheim, können daneben liegende Äcker vernässen. "Das war sonst nur bei Hochwasser so", sagt Herbert Warmuth, langjähriger Ortsobmann des Bauernverbands. Er versteht den Ärger seiner Kollegen.


Biber nicht an allem schuld

Bislang habe man immer tragfähige, individuelle Lösungen in solchen Fällen gefunden, hält Gerhard Weniger von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt dagegen. In diesem Fall war es eine Umgehungsrinne, die um den Damm herum in einen Wiesenstreifen entlang des Gewässers, der dem Staatlichen Wasserwirtschaftsamt gehört, gebaggert wurde. Er warnt zudem davor, bei der aktuellen nassen Witterung jede Überflutung in den Äckern dem Biber zuzuschieben.
Vorbeugend dürfe man den Biber nicht bekämpfen, schließlich ist er EU-weit streng geschützt. Zwar gebe es eine bayerische Verordnung, die Ausnahmefälle definiert, eben dort, wo keine Lösungen gefunden werden könnten. "Aber bis jetzt ist das bei mir noch nicht passiert."
Alle bedeutenden Gewässer im Landkreis hat der Biber mittlerweile wieder besiedelt, nachdem er kurz vor seiner Ausrottung seit 1966 wieder EU-weit eingebürgert wurde. Bei der Biberkartierung 2015 wurden laut Weniger im Landkreis Schweinfurt 35 Reviere gezählt. Durchschnittlich leben dort drei Biber pro Revier.


"Keine Massenausbreitung"

"Wir haben hier keine Massenausbreitung", unterstreicht der Fachmann. Der Biber reguliere sich selber, etwa wenn ein Gewässer komplett besetzt sei, Revierkämpfe stattfänden und sich der Stärkere durchsetze. Die Trockenheit des vergangenen Jahres habe den Nager zudem dezimiert.
"Die Situation ist beherrschbar", sagt Weniger. Zwar habe die Naturschutzbehörde durch den Biber deutlich mehr Aufwand als früher, gibt er zu. Sie sucht daher zuverlässige Biberbetreuer vor Ort, die kleine Konflikte selbst lösen könnten.
Auch den Gemeinden liegt an der Konfliktlösung. "Es ist ein schwieriger Spagat", meint Geldersheims Bürgermeister Oliver Brust, der einerseits landwirtschaftliche Produktionsflächen schützen will, andererseits hinter den Belangen des Naturschutzes steht.
Sein Euerbacher Bürgermeisterkollege Arthur Arnold sieht derzeit noch keine größeren Probleme am bibergestauten renaturierten Bach. Bei der Flurbereinigung habe man mit dem Gewässerentwicklungsplan einen Teil des Landschaftsplanes umgesetzt, mit hoher öffentlicher Förderung. Überflutet ist dort nun gemeindliche Fläche. Die müsse allerdings gepflegt werden und sei teilweise verpachtet an Gras- und Heuabnehmer. Bei einer Vernässung sei dies aber nicht mehr möglich, sieht Arnold kritisch auf die Entwicklung. Silvia Eidel