Holz, Stahl oder Dämmmaterial - in den vergangenen Monaten sind viele wichtige Werkstoffe für das Baugewerbe im Preis gestiegen. Der Krieg in der Ukraine tut sein übriges. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sieht deshalb die Kurzarbeit drohen. Im Landkreis Bad Kissingen stemmen sich die Firmen mit voller Kraft dagegen.

"Manche Händler rufen Friss-oder-Stirb-Preise auf", sagt Bernd Dahm, aus der Geschäftsleitung der Fertighaus-Firma Albert-Haus. Bei dem Unternehmen mit Sitz im Markt Burkardroth ist er unter anderem für den Vertrieb, das Marketing und den Einkauf mitverantwortlich. "Albert-Haus gibt es kommendes Jahr 90 Jahre. In der Zeit sind wir mit unseren Partnern ordentlich umgegangen. Das hat sich bezahlt gemacht", sagt Bernd Dahm.

Dabei half auch vorausschauendes Wirtschaften und eine klare Organisation. Dadurch gelang es, dass selbst trotz der langen Lieferzeiten wie etwa von Dämmmaterial, die von vier auf 16 Wochen stiegen, keine Schwierigkeiten auftraten. "Wir sind mit den Baustellen immer pünktlich fertig geworden." Für Bernd Dahm steht fest: "Kurzarbeit steht derzeit für uns nicht zur Debatte."

Was sich bei vielen Produkten derzeit niederschlage, sind laut Dahm die Energiekosten. Bei Glasherstellern habe es einen Materialzuschlag von 30 Prozent gegeben. Auch für Gipsplatten braucht es bei der Herstellung viel Energie - auch dort stieg der Preis. Daher rührt auch ein Trend in der Baubranche: Der Preis fürs Eigenheim steigt. Das belegen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Die Preise für Wohngebäude haben sich von 2010 bis 2020 um 29 Prozent erhöht. Teuerung entsteht aber auch aus anderen Gründen.

Der Klopapiereffekt

"Ich nenne es den Klopapiereffekt. Aus verschiedenen Ursachen kommt es bei einem Produkt zu einem Engpass. Das trifft dann auf eine höhere Nachfrage und plötzlich fangen manche Firmen an zu hamstern. Das treibt den Preis nach oben und die verfügbare Menge nach unten." Die Gefahr, die dadurch droht: "Wenn beispielsweise kein Stahl für die Bodenplatte vorhanden ist, lässt sich kein Haus stellen." Allerdings blickt Dahm positiv nach vorn: "Wir sind sehr optimistisch, dass es dazu nicht kommt."

Eigene Logistik ist von Vorteil

Toni Schick, der Geschäftsführer der Firma Anton Schick GmbH + Co.KG, bestätigt das: "Wenn ein wesentliches Produkt fehlt, kann eine Baustelle zum Erliegen kommen." Allerdings: "Bei uns gibt es derzeit keine Fälle, wo wir den Bau einstellen müssten." Er meint: "Ich muss den Bad Kissinger OB zitieren: Man kann derzeit nur auf Sicht fahren, man weiß nicht, was im Juni oder Juli passiert." Ein Vorteil sei die eigene Logistik und der große Baufahrzeugpool. Bagger oder Kräne seien derzeit kaum zu leihen.

Thomas Stelzer, der Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt, verweist in einer Pressemitteilung auf die von dem Unternehmer angesprochene Thematik. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Lage in der Ukraine entwickelt. Trotz allem befinde sich der Arbeitsmarkt weiterhin auf einem Erholungskurs. Dass die Geschäfte in der mainfränkischen Baubranche gut laufen, bestätigt auch die IHK in der jüngsten Analyse - die allerdings noch vor Beginn des russischen Angriffskriegs veröffentlicht wurde. Wie sich die Invasion auswirkt, zeigt sich erst im Mai, wenn die neue Analyse veröffentlicht wird. Klar ist - so das Institut für Wirtschaftsforschung - , dass der Krieg in der Ukraine die Materialpreise deutlich schwanken lässt. Deutschlandweit würden Baufirmen unter Versorgungsengpässen leiden.

"Es fordert mit Haut und Haaren. Es ist eine Situation, die man aus den vergangenen 25 Jahren nicht kannte", sagt Schick. Ähnlich wie bei Albert-Haus liegt der Einsatz der Mitarbeiter deutlich über dem Normalzustand. "Als der Staat viel Geld für die Corona-Hilfen gebraucht hat, hat das Baugewerbe enorme Mengen an Steuergeldern geliefert. Das muss die Politik berücksichtigen."

Die Aufgaben der Branche seien so groß und vielfältig, dass es sich der Staat nicht leisten könne, vor Ort Baufirmen zu verlieren. "Eine ganz klare Linie, wie geholfen wird, lässt sich derzeit noch nicht erkennen. Aber es ist auf vielen Ebenen Bewegung drin."