Jetzt ist es amtlich: Dieser Juli ist der regenreichste im Landkreis seit Beginn der elektronischen Aufzeichnungen im Jahr 1990. Das sagen die Ergebnisse der agrarmeteorologischen Messstation in Maria Bildhausen. "Eine Trockenphase von zwei bis drei Wochen wäre jetzt nötig, um die Ernte einzufahren", so Edgar Thomas. Der Kreisobmann des Bayrischen Bauernverbandes befürchtet hohe Einbußen. Rund 20 Prozent der Ernte seien bereits eingefahren. Dazu gehört beispielsweise die Wintergerste.

Die Bestände seien nicht schlecht durch den Winter gekommen, aber durch das trockene Frühjahr seien sie sehr stark eingebrochen. "Wochenlang hatten wir überhaupt keinen Niederschlag", erinnert sich Thomas.
Es können nur noch niedrige Erträge eingefahren werden, und mit den anhaltenden Niederschlägen verliere das Getreide zunehmend an Qualität. Der Regen wirke sich negativ auf den Mehlkörper aus, dadurch werde das Getreide schwarz.


Aufgeweichte Böden

Es gibt aber auch positive Nachrichten: Zuckerrüben und Mais hätten sich sehr gut gemacht. Bei Raps, Getreide sieht es nicht so gut aus. Ein weiteres Problem für die Landwirte ist die Befahrbarkeit der Äcker. Der Boden ist durch den dauerhaften Regen extrem aufgeweicht, da wird es auch für Traktor und Mähdrescher schwer, durch zu kommen. Aber: "Noch ist nichts verloren", betont Thomas.

Einen durchschnittlichen Jahrgang für die Winzer erwartet Stefan Ruppert, Vorsitzender des Weinbauvereins Hammelburg. Im Vergleich zu den Landwirten sieht er die Winzer aber doch auf der Sonnenseite des verregneten Julis. "Mit den neuen Rebstöcken haben wir gerade noch so die Kurve gekriegt", erzählt er. Wein wurzelt vergleichsweise tief, deshalb gibt es eher Probleme mit den jüngeren Reben. Da war der Niederschlag im Frühjahr gerade noch ausreichend. "Wenn wir bewässern, dann nur bis Juni, danach kann man nur hoffen", erklärt Ruppert. Aufgrund der anhaltenden Regenfälle werden große Trauben erwartet. "Hoffentlich nicht zu groß ", so Ruppert. Werden sie nämlich riesig, können sie aufplatzen. Außerdem sind kleinere Trauben eher förderlich für die Qualität eines Weines. "Die schweren Unwetter sind bis jetzt an uns vorbeigezogen", so Ruppert.
"Der Juli bringt einen höheren Wert an Niederschlägen als üblicherweise", meint Uwe Seidl, der Stellvertretende Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Bad Kissingen. Nach dem trockenen Frühjahr war der Grundwasserpegel am untersten Punkt angekommen. Nun sei eine gewisse Entspannung zu verzeichnen, sagt Seidl.


Weiter Trinkwasser sparen

Grund für dieses Problem sind die trockenen Winter seit drei Jahren. Kommt dann noch ein trockener Sommer hinzu, verstärke sich der Effekt. Denn normalerweise werden die Grundwasserspeicher durch winterliche Niederschläge aufgefüllt. Deshalb könne der Juli das Grundwasser nicht auffüllen und man müsse weiterhin sparsam mit Trinkwasser sein, erklärt Seidl.

Problem bei den Niederschlägen im Sommer ist, dass zu viel verdunstet. "Ein sehr feuchter Winter müsste kommen, um das Defizit auszugleichen", hofft Seidl. Bei den oberflächennahen Quellen in Zeitlofs, Aura und Euerdorf, sei das Wasser im Frühjahr knapp geworden. Im Juni sind bereits einige Bäche im Oberlauf ausgetrocknet. deshalb hat die Regierung von Unterfranken Anfang dies Jahres ein Pilotprojekt für Niedrigwassermanagement ausgerufen.

Bei den Landwirten waren die Grundwasserpegel nicht direkt ein Problem, für sie sei der Regen von oben wichtig, meint Edgar Thomas. Winzer Stefan Ruppert ist die Problematik bewusst, so hat er auf seinem Weingut fünf Hektar mit externer Bewässerung ausgestattet.