Der Teamchef und Geschäftsleitende Beamte im Bad Brückenauer Rathaus, Anton Kiefer, ist begeistert: "Ich bin ein totaler Fan der alten Kennzeichen." Und Bad Brückenau werde, wenn er Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks, derzeit in Urlaub, richtig verstanden habe, die Fahrzeugflotte zwar nicht ummelden, aber Stück für Stück, bei Neuanschaffungen, mit BRK-Kennzeichen ausstatten. Ganz anders Hammelburgs Bürgermeister Ernst Stross. "Ich kann mir nicht vorstellen, mit HAB-Kennzeichen herumzufahren", sagte er auf Nachfrage unserer Zeitung. Auch die Stadt, schätzt er, werde ihre Fahrzeuge eher nicht auf HAB ummelden.

Die alten Kennzeichen gab es für neu zugelassene Fahrzeuge seit der Gebietsreform 1972 nicht mehr. Ausgestorben waren sie aber nicht. Fahrzeuge, die ununterbrochen zugelassen waren, konnten die alten Kennzeichen behalten. Das sind meist landwirtschaftliche Fahrzeuge, um die 750 an der Zahl.

Nun aber werden die verschwundenen Autonummern der einstigen Kreisstädte Hammelburg (HAB) und Bad Brückenau (BRK) wiederbelebt. Jeder im Landkreis kann dann, unabhängig vom Wohnort, wählen, welches Kennzeichen er will. "Einer deutschlandweiten Studie zufolge wollen vor allem junge Leute die alten Kennzeichen zurück", sagte Landrat Thomas Bold bei der Vorstellung der neuen Möglichkeit der Kfz-Zulassung. Er hatte sich jüngst im Kreisausschuss ein Meinungsbild in den Kreistagsfraktionen gemacht. Dabei sei deutlich geworden, dass Hammelburg und Bad Brückenau die Wiedereinführung der Altkennzeichen befürworten.

Nutzung für touristische Zwecke

"Sie können die Kennzeichen für touristische Werbung nutzen, Hammelburg könnte als älteste Weinstadt Frankens für sich werben oder Bad Brückenau als Kurort", sagt Bold. Er musste und wollte also diesem Anliegen nachkommen. Denn es handelt sich ja um eine Verwaltungsentscheidung.

Er wird nun fristgerecht den Antrag auf (Wieder-)Einführung der Altkennzeichen HAB und BRK beim Bayerischen Wirtschaftsministerium stellen. Dieses sammelt bayernweit entsprechende Anträge und stimmt sie mit dem Bundesverkehrsministerium ab. Und: "Voraussichtlich ab Mitte Juli können Interessierte aus dem Landkreis wählen, ob sie beim gewohnten KG bleiben oder zum Wunschkennzeichen HAB oder BRK wechseln wollen", sagt Bold.

Bis dahin ist bereits die eine oder andere bürokratische Hürde übersprungen, und manch eine ist noch zu nehmen. Am 21. September 2012 hatte der Bundesrat die "Änderung der Fahrzeugzulassungsverordnung (FZV)" auf zur Wiedereinführung ausgelaufener Kfz-Kennzeichen auf dem Tisch und hatte eine von Bundesseite angedachten vollständige Kennzeichenliberalisierung verhindert. Die Änderungsverordnung war am 1. November 2012 in Kraft getreten. Damit waren die Bundesländer ermächtigt, alle oder einzelne Altkennzeichen als zusätzliche Wunschkennzeichen neben der Landkreiskennung wiedereinzuführen.

Am 14. Januar 2013 hatte der Bayerische Ministerrat beschlossen, von dieser Ermächtigung Gebrauch zu machen. Und bis 30. April 2013 können die Landkreise nun Meldung an die Regierung von Unterfranken machen, ob und welche Altkennzeichen sie wieder ausgegeben wollen. Die leitet das Ansinnen weiter ans Bayerische Verkehrsministerium, das wiederum den Antrag beim Bundesverkehrsministerium stellt, schildert Bold den Behördenweg. Voraussichtlich am 10. Juli 2013 werden seiner Einschätzung nach die genehmigten neuen Altkennzeichen im Bundesanzeiger veröffentlicht. Und ab dann sind Ausgabe und Reservierung möglich.

Die neuen alten Kennzeichen

Kennzeichen Im Landkreis Bad Kissingen sind derzeit nach Auskunft Kfz-Zulassungsstelle in Hausen etwa 95.000 Fahrzeuge zugelassen.

335 Fahrzeuge haben noch ein BRK-Kennzeichen, davon vier Pkw, die meisten aber Fahrzeuge aus der Landwirtschaft, Anhänger, Motorräder oder alte Feuerwehrfahrzeuge.

393 Fahrzeuge haben HAB-Kennzeichen (davon ein Pkw, sechs Anhänger oder Schlepper, die übrigen sind Fahrzeuge aus der Landwirtschaft).

Künftig Wer Interesse an einem neuen alten Kennzeichen hat, kann sich die Sonderzeichen auf der Internetseite des Landkreises Bad Kissingenvoraussichtlich ab Juli 2013 online reservieren lassen.

Kosten Der Gebührenaufschlag für ein Wunschkennzeichen beträgt 10,20 Euro, eventuell zuzüglich einer Reservierungsgebühr von 2,60 Euro für die Vorwegzuteilung. Ein Rechtsanspruch auf Zuteilung eines bestimmten Kennzeichens besteht allerdings nicht.

Begrenzt Eine Reservierung wird gelöscht, wenn das Fahrzeug nicht binnen zehn Tagen zugelassen oder eine Verlängerung telefonisch oder persönlich (bis zu 90 Tage) bei der Zulassungsbehörde beantragt ist.