Seit den 1980er Jahren ging es mit der Sinntalbahn bergab. Die Bahnhöfe entlang der Trasse fielen mit der Stilllegung der Strecke in einen Dornröschenschlaf. Eine Immobilie wollen Investoren nun wieder wachküssen: Den alten Bahnhof in Wildflecken.

Eigentümer verlegten Firmensitz nach Wildflecken

Die Eigentümer wollen dort einen Erlebnisbahnhof und Schulungsräume einrichten. Geplant ist zudem eine angeschlossene Gastronomie. Besitzer des Areals ist seit dem Oktober vergangenen Jahres die Firma IGEBA. Dabei handelt es sich um ein Eisenbahnverkehrsunternehmen, das unter anderem Schulungen und Fortbildungen für Eisenbahner anbietet.

Im Erdgeschoss soll sich die Bahnakademie der IGEBA ansiedeln, im Obergeschoss soll eine Wohnung entstehen und zudem sollen Büroräume für ein Ingenieurbüro in den Bahnhof kommen. Seinen Firmensitz hat das Unternehmen von Schwaben bereits nach Wildflecken verlegt.

Frank Lehmann, Anteilseigner der Firma und Betreiber eines Ingenieurbüros als Eisenbahnsachverständiger, sagt: "Wir hatten uns viele Objekte angeschaut. Irgendwann hat sich dann Wildflecken als für uns geeignet heraus kristallisiert." Das Verkaufsinserat entdeckte Dieter Peschel, Geschäftsführer der IGEBA im Internet.

Der Markt Wildflecken und der Standortvorteil in Deutschland

Das Objekt und der Standort sagte den beiden zu: "Wildflecken liegt mitten in Deutschland, Fulda ist nicht weit weg- und wir sind nah an der A7 dran", erklärt Lehmann. "Zunächst geht es darum, die Situation - also den Ist-Zustand des Areals - zu erfassen."

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Die Vision der beiden Eisenbahnfans laut Lehmann: "Wir wollen eine Symbiose aus dem Unterricht, der Bahnvergangenheit, der -Gegenwart und dem Tourismus schaffen." Erste Pläne haben die beiden dazu bereits mit dem Markt Wildflecken geschmiedet. "Seit dem Oktober legen wir die Karten gemeinsam."

Markt Wildflecken: Zusammenarbeit mit Eigentümern läuft gut

Bürgermeister Gerd Kleinhenz betont: "Die Zusammenarbeit läuft gut, und die Vertrauensbasis ist da." Daniel Kleinheinz, geschäftsleitender Beamter der Kommune, hält die Kooperation für einen "Sechser im Lotto", denn: "Vielerorts gibt es Bauruinen. Wir sind mit Glück an einen Käufer gekommen, der es kann und will. Wir wollen das als Partner gemeinsam entwickeln."

Bahnhof Wildflecken: Das sind die Pläne für das Gebäude

Am Bahnhof wollen die Eigentümer nur wenig verändern. Lehmann betont: "Es geht zunächst darum, das Gebäude herzurichten." Auf der To-do-Liste der beiden finden sich als neuralgische Punkte Stromanschluss, Wasser, Heizung, Fenster und die Einbruchssicherung. Um das Gebäude zu sichern und zu erhalten brauchen die beiden allerdings noch genaue Pläne des Bahnhofs. "Wir hoffen, dass das Staatsarchiv uns da helfen kann was die Baustruktur angeht." Die lange überdachte Laderampe soll - wie auch das Erscheinungsbild des verschindelten Bahnhofs erhalten bleiben.

Flächentausch mit Kommune steht bevor

Erste Arbeiten haben bereits stattgefunden: "Wir haben schon vor dem Winter etwas Hand angelegt, unter anderem am Dach und bei der Elektrik." Um das Projekt weiter voran zu treiben, wollen Kommune und Eigentümer einige Flächen tauschen. Den Beschluss fasste der Gemeinderat vor einigen Wochen. Dabei handelt es sich beispielsweise um den ehemaligen Gleisbereich nördlich des Radweges.

Warum am Wildfleckener Bahnhof wieder Gleise verlegt werden sollen

Dort möchten die beiden wieder Gleise legen. Auf einem Ausstellgleis sollen - so die Vision - alte Speisewagen den Bahnhofscharme bewahren. "Dazu kämen noch weitere Fahrzeuge, die Geschichten um die Eisenbahn erzählen sollen." Geplant ist, dass es dort eine Bewirtung geben soll. "Ziel wäre es, die Speisewagen zu bewirten", sagt Lehmann.

Bis es soweit ist, wollen Kommune und Eigentümer auf einen Kiosk oder einen Foodtruck setzen. Dieser könne möglicherweise auch dann noch weiter betrieben werden, wenn die Bewirtung der Eisenbahnwaggons in trockenen Tüchern ist. Eine Idee vom Rathauschef wäre ein Biergarten bei den Speisewagen. "Wir suchen gemeinsam nach Betreibern in der Region, sind aber auch offen für Zuschriften was die Bewirtung angeht", sagt Kleinheinz.

Areal soll sich entwickeln können

Außerdem soll ein Bahnerlebnisgarten entstehen. "Wir wissen noch nicht wo es da genau hingeht", meint Lehmann. Möglich seien auch hier Bahnrelikte wie Schienen, Draisinen, Lokomotiven oder Teile des Fahrzeugparks, den die IGEBA für ihre Schulungen verwendet. "Es soll sich jedes Jahr bestenfalls etwas weiterentwickeln, so dass Gäste einen Grund haben herzukommen", meint Lehmann. Schon 2021 möchte der Bahnaffine "ein Ausrufezeichen setzen". Wie genau das aussehen mag, will der Bahnfan noch nicht verraten.

Was hält der Bürgermeister von den Plänen der Eigentümer?

Für den Wildfleckener Rathauschef handelt es sich "um eine erfreuliche Entwicklung für das Gebiet". Denn der Bahnhof sei mit seinem urigen Charme ein Schmuckkästchen Wildfleckens. "Uns lag daran, dass das Areal in gute Hände kommt." Die Möglichkeit, den Bahnhof selbst von der Deutschen Bahn zu kaufen, hätte theoretisch bestanden. "Aber was hätten wir daraus machen können?" Für Kleinhenz handelt es sich bei den Plänen der IGEBA um eine zukunftsfähige Lösung für Wildflecken, den Tourismus und die Bestrebungen der Kommune.

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