Beim Deutschen Bruderkrieg vor 150 Jahren spielte die Eisenbahn eine sehr wichtige Rolle. Militärfachmann Jürgen Bereiter wies anlässlich seines Besuchs bei Manfred Hofmann in seiner riesigen Modelleisenbahn-Ausstellung in der Kissinger Straße 35 auf diese Tatsache hin.
Im Zuge der Mobilmachung und des Aufmarsches sei im Juni 1866 erstmalig das Eisenbahnnetz genutzt worden.
Der Deutsche Bund verfügte bereits über 26 839 Eisenbahnkilometer, wobei die Schienen noch nicht bis nach Bad Kissingen führten, wohl aber bis Schweinfurt. "So konnten die bayerischen Truppen über die Ludwig-Süd-Nord-Bahn in kurzer Zeit im Raum Schweinfurt - Bamberg - Nürnberg konzentriert werden", sagte Jürgen Bereiter. Während eine marschierende Division auf eine Tagesleistung von rund 20 Kilometer kam, wurde mit der Bahn die gleiche Strecke in einem Fünftel der Zeit zurückgelegt, und die Soldaten waren am Ziel ausgeruht.


Für Mensch und Material

Erstmals rollte auch der Nachschub an Verpflegung und Material auf der Schiene. Die bayerische Armee benötigte 1800 Zentner Mehl, 300 Zentner Fleisch, 70 Liter Branntwein, 1800 Zentner Hafer und 400 Zentner Stroh. Das alles war mit drei Zügen zu bewerkstelligen.
Jürgen Bereiter und Edgar Thomas, der Vorsitzende des Arbeitskreises 1866, bedankten sich herzlich bei Manfred Hofmann und Sohn Markus, dass sie im Rahmen des Bayrisch-Preußischen Fläär 1866 ihre Modelleisenbahn-Ausstellung für interessierte Besucher öffnen. Am 8., 9. und 10. Juli werden sie Gelegenheit bekommen, in einer umfunktionierten Scheune viele historische Lokomotiven und Eisenbahnwaggons zu bewundern. Allerdings werden nur jeweils 20 Personen Zugang erhalten, denn die kostbaren Exponate dürfen nicht beschädigt werden.
Jürgen Bereiter ist selbst "Modelleisenbahn-Freak"; seine Anlage ist allerdings wesentlich kleiner. Manfred Hofmann, früher Finanzbeamter und jetzt Penionär, befasst sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit dem Auf- und Ausbau von Modellbahnstrecken. Seine Anlage sei eine "Spur IIm", sagt er.
"Früher, als wir noch nicht über einen großen Raum verfügen konnten, haben wir die Modellbahnen zum Beispiel an Weihnachten aus Schränken geholt, damit gespielt und nach dem Fest alles wieder weggeräumt", sagt Manfreds Sohn Markus. Er ist gelernter Elektroingenieur und beruflich als Technischer Messeleiter tätig. Voll und ganz teilt er die Leidenschaft seines Vaters, und auch sein Herz wird höher schlagen, wenn viele Fläär-Besucher zur Ausstellung erscheinen und ihr Werk bewundern. In einem Teilbereich der Scheune ist Markus übrigens dabei, das Modell einer Hafenanlage fertigzubauen.


Ausstellungen besucht

Wie Manfred Hofmann erzählt, haben er und Markus schon viele Ausstellungen besucht und auch so manchen Euro dort gelassen. Sie waren unter anderem in Sinsheim, Köln, Nürnberg und Leipzig.
Beim Besichtigen eines Nebenraumes, den Manfred sein "Schatzkästchen" nennt, zeigt er auf besonders schöne Waggons und bemalte Zinnfiguren, die er von seinen Reisen mitgebracht hat. "Was ich in der Scheune ausgestellt habe, ist nur ein Bruchteil von allen Modellen und Landschaften", äußert er sich stolz. Sein Lieblingsstück ist eine besonders schöne Lokomotive. Sie wird sicher auch das Highlight für die Besucher sein.