Ein Mann soll in seinem Leben bekanntlich drei Dinge erledigen: ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen. Bei der dritten Aufgabe kann die Stadt künftig helfen. Sie will einen "Familienwald" anlegen. Bei familiären Ereignissen können die Bürger dort einen Baum pflanzen.
"Es sind viele Anlässe denkbar, bei denen ein Baum für die Nachkommen gesetzt werden kann", sagte Reimar Glückler (CBB). Seine Fraktion hatte die Idee in den Stadtrat eingebracht.
Glückler bezog sich dabei auf den "Neustädter Familienwald" in Neustadt bei Coburg als Vorbild.
Dort können die Bürger über den Bauhof einen Baum kaufen. Sechs Sorten stehen zur Auswahl. "Wir haben zwei Pflanztermine, einen im Frühjahr und einen im Herbst", erklärte Frank Röser auf Nachfrage. Der Bauhof bereitet die Aktion vor. Die Mitarbeiter graben die Löcher und sind vor Ort, um den Bürgern beim Pflanzen zu helfen, so der Leiter des Neustädter Standesamts.
Wer will, kann sich gegen eine zusätzliche Gebühr eine Plakette mit Name, Datum und Anlass gravieren lassen. Dann bleiben Ereignisse wie Geburten, Hochzeiten, runde Geburtstage oder Ehejubiläen für eine lange Zeit in Erinnerung. Laut Röser beteiligten sich an der ersten Pflanzaktion im Herbst 2011 rund 20 Personen, im Frühjahr waren es ungefähr 25 Leute.
Wo der Familienwald in Hammelburg entstehen wird, ist noch offen. Der Stadtrat sprach sich mit zwei Gegenstimmen nur grundsätzlich für den Vorschlag aus, auch um zunächst das Interesse der Bürger abzuwarten. "Die Idee ist ein Stück Umwelterziehung", sagte Ursula Müller-Ahammer (SPD). Auch Annemarie Fell (Die Grünen/ BfU) fand das Vorhaben gut. Kritik kam aber von Walter Bay (Die Grünen/ BfU): "Wir halsen dem Bauhof zusätzliche Arbeit auf." Außerdem forderte er ein Gestaltungskonzept.
Glückler empfahl für den Familienwald Flächen am Sportzentrum. Der endgültige Standort soll aber noch geklärt werden. Ebenso muss darüber beraten werden, welchen Teil der Nebenkosten die Stadt übernimmt. Denn zu dem Kaufpreis für die Bäume, den die Privatleute zahlen, kommt der Aufwand des Bauhofs. So müssen die Bäume in den ersten ein bis zwei Jahren gewässert werden.
Den Familienwald kann die Stadt aber vielleicht ihrem Ökokonto gutschreiben. Für Stefan Seufert (CSU) war es eine Möglichkeit, einen Ausgleich für das Gebiet Hochstein zu schaffen.