Die letzten Fuhren Schutt sind abgeholt. Von Kurhaushotel und Kurgastzentrum ist nichts mehr zu sehen. Der Geschäftsführer des für den Abriss zuständigen Abbruchunternehmens findet den Status quo gar nicht so schlecht: "Vom städtebaulichen her ist das Bild jetzt deutlich schöner als es vorher war", sagt Florian Bock. Gerade für den Anblick des Kurhausbades sei es schade, wenn es wieder "eingepackt" würde.


Die Abrissarbeiten sind nach Plan verlaufen. "Es gab keine Probleme", sagt Bock. Die Tiefgarage sei voll erhalten geblieben. Außerdem sei es weder am Maxbrunnen noch an anderer Stelle zu nennenswerten Schäden gekommen. Und das trotz der Umstände.

Baustelle mit Hindernissen

"Vom Schwierigkeitsgrad her ist die Baustelle ziemlich weit oben anzusiedeln", sagt Florian Bock. Das liege an der Kombination aus dem Schutz der Quelle, der Innenstadtbebauung und den statischen Herausforderungen durch die Tiefgarage. Thomas Hack, Pressesprecher der Stadt, lobt die Zusammenarbeit mit der Abbruchfirma: "In Anbetracht der Komplexität der Arbeiten sind wir mit dem Ablauf sehr zufrieden." Die Firma habe sofort auf Hinweise reagiert und sei sehr kooperativ gewesen.

Im Nachgang werden nun noch Schutzmaßnahmen für den Maxbrunnen durchgeführt. Dazu werden im Bereich des Hotels Kies, Sand und eine Abdichtungsfolie aufgetragen. Ziel ist es, das Oberflächenwasser kontrolliert ablaufen zu lassen.

Stadt braucht neues Hotel

Bereits kurz nach dem Auszug der Staatsbad GmbH aus dem Gebäude hatte Kurdirektor Frank Oette gesagt, dass er den Blick auf den Kurgarten vermissen werde. Schlimmer wiegt aber natürlich der Abschied vom einstigen Wahrzeichen. "Der Abbruch des Kurhaushotels und des Kurgastzentrums ist ein markanter Einschnitt im Herzen des Bad Kissinger Kurzentrums", sagt Frank Oette.

Umso mehr werde die Notwendigkeit deutlich, dass an dieser Stelle ein Hotelprojekt im qualitativ hochwertigen Segment realisiert wird. Das sei im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Standortes unverzichtbar. "Zu der Nutzung des Areals als hochwertigem Hotelstandort gibt es aus meiner Sicht für Bad Kissingen keine Alternative", betont der Kurdirektor. Ob das Projekt realisiert wird, steht jedoch in den Sternen.

Investor weiter unbekannt

Bisher gibt es keine neuen Informationen zum geheimen Investor, der das Steigenberger-Areal erwerben möchte. Auf dem 5618 Quadratmeter großen Grundstück soll ein Hotel mit mindestens "Vier Sterne Superior" errichtet werden. Im Februar 2015 hatte das bayrische Finanzamt bekannt gegeben, dass es ein "substanzielles Angebot" gebe.

Es fehlten allerdings Unterlagen, um das Angebot abschließend zu bewerten. Aus gut unterrichteten Quellen hieß es, dass vor allem das Finanzierungskonzept des Investors betroffen ist. So wurde die Ausschreibungsfrist ein weiteres Mal verlängert. Sie endet am 15. April. Dann kann vielleicht geklärt werden, wer der Investor ist, wer als möglicher Betreiber vorgesehen ist und in welcher Sterne-Kategorie das Hotel verortet sein wird.
Ab Mitte 2019 soll das neue Hotel in Betrieb gehen. Das neue "Guckloch" bleibt also in jedem Fall noch eine ganze Weile erhalten.


von Robert Huger und Benedikt Borst