Die Berufswahl "ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben", sagt Peter Schlereth, Pressesprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA). Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Absicherung: "Fehlende Bestätigung und Unzufriedenheit sind größere Stressfaktoren als eine hohe Arbeitsbelastung im gern ausgeübten Beruf", sagt Schlereth.
Um die Suche nach dem Traumberuf zu erleichtern, fand gestern und findet heute an der Staatlichen Realschule Bad Kissingen das Berufswahlseminar der Bundesagentur für Arbeit statt. In rund 50 Vorträgen stellen die Referenten ihre Berufe vor, besprechen die Anforderungen und beantworten die Fragen der Schüler. Die meisten Referenten sind Ausbilder, teils werden sie von ehemaligen Schülern der Realschule, die gerade in der Ausbildung sind, unterstützt.
So kehrt Johanna Leierich nach vier Jahren wieder an ihre alte Schule zurück, um Interessenten an einer Erzieherausbildung zu beraten. "Ich finde es spannend, hier nun von meinem schönen Beruf erzählen zu können", sagt sie. Vor fünf Jahren war sie selbst beim Berufswahlseminar und hatte sich über die Ausbildung erkundigt, nun ist sie im vierten Lehrjahr. "Die Veranstaltung hilft, sich zu orientieren."
Das Angebot ist breit: Handwerks- und Kaufmanns-Berufe , therapeutische und pflegerische Tätigkeiten, Berufsmöglichkeiten in der Informations-Technologie (IT), Polizei und Bundeswehr bis hin zur Fremdsprachen-Korrespondenz werden vorgestellt. "Der Trend geht ganz klar zur höheren Schullaufbahn", sagt Manfred Hußmann, Berufsberater der BA für die Region Bad Kissingen. Auf dem Seminarplan steht auch ein Vortrag zum Übertritt an die Fachoberschule (Fos). 93 Schüler haben sich in diesem Jahr dafür angemeldet. "Das werden immer mehr", sagt er. Ebenfalls hoch im Kurs stehen die auch unter Auszubildenden immer beliebteren IT-Berufe. Hierfür haben sich 96 Schüler eingetragen.


Bankräuber am PC

"Computerspezialisten brauchen auch wir immer dringender", sagt Bianca Rittelmeier, Einstellungsberaterin der Landespolizei für die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld. "Was ein Räuber früher in der Bank gemacht hat, passiert heute am PC", erklärt die Polizistin. Früher sei die Fahndung leichter gewesen: "Da hatten wir Personenbeschreibungen, Videos, ein Fluchtauto... heute haben wir nur eine IP-Adresse."
Rund 100 Schüler haben sich für den Vortrag bei der Landespolizei angemeldet, "vielleicht auch, weil er viel Action bietet", schätzt Berufsberater Hußmann. Die Schüler zeigen vor allem Begeisterung für das Sondereinsatz Kommando (SEK). Besonders faszinierend findet eine Schülerin, dass die Beamten vom SEK nicht über ihren Beruf sprechen dürfen, "auch nicht mit der Familie", sagt Rittelmeier, "aus Sicherheitsgründen." Ein sportlich wirkender Schüler erkundigt sich über die Trainingseinheiten beim SEK. "In voller Ausrüstung das Treppenhaus nach oben, vom Helikopter abseilen, vier Stunden Training am Tag, ich würde das nicht machen wollen", sagt Rittelmeier. Doch immer mehr Frauen entscheiden sich dafür.
Weniger Interesse zeigen die Schüler an Berufen, in denen es auch an Auszubildenden mangelt. Zahnmedizin und soziale Berufe sind kaum besucht, für die Altenpflege etwa interessierten sich nur sechs Schüler.


Bad Kissingen recht erfolgreich

Das jährliche Berufswahlseminar ist ein Teil der Schülerberatung der BA. Neben Bewerbungstipps und dem Seminar setzt die Behörde vor allem auf persönliche Beratungsgespräche. Im Landkreis Bad Kissingen können laut Berufsberater Manfred Hußmann rund 80 Prozent der Schüler erfolgreich vermittelt werden.