Er kämpft noch ein wenig mit seiner Brille, setzt sie ab und wieder auf. Beim Festakt zum 100. Geburtstag des Regentenbaus, bei dem er sich erstmals der Öffentlichkeit vorstellte, hatte er sie sicherheitshalber weggelassen. "Da schwimmt noch manches." Aber ab 40, das mag Oette trösten, helfen die meisten ihrer Sicht mit Brille auf die Sprünge.

Es ist leicht, mit Frank Oette ins Gespräch zu kommen. Geht es um Bad Kissingen, kommt er regelrecht ins Schwärmen, sei es über die Anlagen oder die Bauwerke. "Das Besondere an Bad Kissingen ist, dass es seine Lebendigkeit aus der Tradition bezieht. Eine Stadt im Aufbruch."

Er hat bereits etliche Verantwortungsträger kennengelernt, die hier "mitmischen". In den letzten zwei Wochen war er - in Bad Oeynhausen ist noch nicht alles offiziell übergeben - öfters hier. "Der OB hat mich begleitet, mir viele vorgestellt, und Frau Schallenkammer hat mir einen guten Einstieg ermöglicht." In der Staatsbad GmbH hat er sich vorgestellt. Von 160 Mitarbeitern waren 120 dabei: "Mitarbeiter sind das höchste Gut jedes Unternehmens."

Gutes Betriebsklima wichtig

Kontakt ist ihm wichtig, sagt der Mann, der angetreten ist, Bad Kissingen besser zu vermarkten. "Die Basis für gute Arbeit ist ein gutes Klima, betriebsintern, mit der Stadt und mit dem Freistaat", sagt er. Daher hat er bereits Ansprechpartner im Finanzministerium in München kennengelernt. Für sie, wie für alle, mit denen er zu tun bekommt, verspricht er ein offenes Ohr zu haben und erreichbar zu sein. Getragen vom Bewusstsein, dass alles, was eine Staatsbad GmbH tut, für Menschen geschieht, für die Bad Kissinger, für die aus der Region, für die Gäste. Das könne nur gelingen mit der Einheit aus Stadt, Staatsbad GmbH und den Leistungsträgern. "Nicht zuständig dafür", diese Antwort, soll es gar nicht geben, findet Frank Oette.

Er tritt sein Amt gerne an, hat für sich und seine Frau ein Zuhause in der Stadt gefunden. "Ich möchte von Berufs wegen und privat Teil dieser Stadt sein, und man wird mich im Stadtbild sehen", verspricht er. Wie und wo er indes seinen fußballerischen Neigungen frönen will, ist nicht entschieden. Aber er bleibt den "Roten Teufeln vom Betzenberg" verbunden. "Das ist quasi seit Geburt so." Und das gilt auch in schwerer Zeit.

Champions League

Gegenüber Journalisten im Kommunalbad Bad Oeynhausen hatte Oette Bad Kissingen schon mal als die "Champions League" bezeichnet, in die er wechsele. Was er meint, ist, dass er die Stadt als etwas ganz Besonderes erlebt - und erlebt hat. Zu Kissinger Sommer-Konzerten war er früher schon mit Frau und Eltern da. Mittlerweile hat er sich kundig gemacht, gelesen, gesprochen, mehr gesehen und sagt: "Bad Kissingens Potenzial liegt nicht nur im Bereich Gesundheit." Es habe nicht zuletzt dank seines kulturellen Angebots großes touristisches Potenzial, "dieses Profil gilt es zu stärken." Dafür will er auch neue Zielgruppen ansprechen: "Solche, die in zehn Jahren 50 oder älter sind, "im Prinzip solche wie mich", schmunzelt der 40er.

Auf die Frage nach seiner besten Eigenschaft antwortet er: "Geduld", gesteht aber zugleich, dass er selten auch mal sehr ungeduldig werden kann. Mit Geduld will er sich einarbeiten. "Ich muss alles gesehen, mit allen gesprochen haben." Er hält wenig davon, nach den berühmten 100 Tagen gefragt zu werden, was er erreicht hat. "Ich bin doch kein Politiker", sagt er, "nur ein politischer Mensch." Ein Parteibuch brauchte er dafür in seinem bisherigen Berufsleben nicht und ist überzeugt: "Letztlich geht es um die Sache, und für Sachentscheidungen braucht's kein Parteibuch."