Das monatliche Treffen findet auf Initiative von Dr. Elisabeth Müller und Anita Schmitt statt, heißt es in einer Pressemitteilung der Organisatoren. Noch im Oktober fand das Treffen in der russisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Sergius von Radonesch statt.

"Auf russischer Erde"

Priester Alexej Lemmer erklärte, dass dies ein historischer Ort sei. "Wir befinden uns auf russischer Erde", sagte er. Bereits 1856 plante die Stadt Bad Kissingen anlässlich eines Besuches, Zar Alexander II ein Grundstück zu schenken. Der Kuraufenthalt fand aber nicht wie angekündigt statt, sondern erst 1864 und 1868. Mit ihm und seiner Familie kamen viele russische Schriftsteller, Künstler, Beamte und Geschäftsleute zu Besuch. Es waren die Vertreter der Mittelschicht.

Angehörige des Hochadels zog es eher nach Baden-Baden. Eine Kirche wurde notwendig, und es folgte 1897 der Kauf des Grundstückes und in den Folgejahren weiterer zwei Nebengrundstücke, um die Sicht auf die Kirche nicht zu versperren. 1898 wurde der Grundstein gelegt, und im Jahr 1901 die Kirche eingeweiht. Während des Ersten Weltkrieges war die Kirche geschlossen, alle russischen Priester ausgewiesen, das Vermögen eingezogen, die Glocken beschlagnahmt und eingeschmolzen. Im Zweiten Weltkrieg diente es Flüchtlingen als Unterkunft. Mehr als 200 Russen, vor allem Priester und ihre Familien, wurden von Erzpriester Alexander Bogatschow im Kirchengebäude betreut.

Eine der schönsten Kirchen in Deutschland

Seit 1990, durch den Zuzug der Russlanddeutschen, wuchs die Gemeinde, sagte Priester Alexej. Sie umfasst zur Zeit circa 200 Gläubige. Das Gebäude bezeichnet er als eine der schönsten Kirchen in Deutschland. "Viele Gemeinden halten ihre Gottesdienste in Gemeinderäumen oder Turnhallen ab, wir dürfen das im neobyzantischen Stil gestaltete Gebäude nutzen", freute er sich. Die Kirche ist der Kathedrale des heiligen Wladimir in Kiew nachempfunden, wurde vom Petersburger Hofarchitekt Victor von Schroeter entworfen und vom Kissinger Architekten Carl Krampf errichtet. Priester Alexej gab einen Einblick in den Glauben: In der russisch-orthodoxen Kirche gibt es sieben Sakramente.

In der Kirche befinden sich Ikonen, Bilder und anderes historisches Inventar. Im Untergeschoss der Kirche ist ein kleines Museum eingerichtet, das die Neubürger neben dem Lesesaal ebenso besichtigen durften. Die Gemeinde finanziert sich aus eigenen Mitteln, das heißt durch Spenden, sagte Priester Alexej. Wir gründeten 2008 eine Gemeindeschule und unterrichten 40 Kinder und Jugendliche in den Fächern der russischen Sprache und Literatur, geben Religions- und Malunterricht.

Einladung zum Tee

Die russisch-orthodoxe Gemeinde lud zudem die Neubürger zu einem Tee und russischem Gebäck ein. Bei der geselligen Runde beantwortete Priester Alexej die vielen Fragen. Die russisch-orthodoxe Kirche in der Salinenstraße kann am Dienstag, Freitag, Samstag und Sonntag in der Zeit von 14 Uhr bis 16 Uhr besichtigt werden.