Der Anteil der Radfahrer am Straßenverkehr nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Das Radwegenetz und die Fahrradfreundlichkeit in Bad Kissingen hinken dieser Entwicklung bislang jedoch noch hinterher. Damit sich das ändert, fragt die Stadt aktuell in einer Online-Umfrage die Bedürfnisse, Wünsche und Verbesserungsvorschläge von Radfahren ab. Die Ergebnisse sollen in die Verkehrsplanung mit einfließen. Die Umfrage läuft noch bis 15. Februar und wird bisher überdurchschnittlich gut genutzt, berichtet Rathaussprecher Thomas Hack. "Die Teilnahme ist sehr rege", sagt er. Einige hundert Teilnehmer hätten bisher die Möglichkeit genutzt, um sich einzubringen.

Zum Vergleich: Die Umfrage zu Bad Kissingens Bewerbung für die Landesgartenschau hatten bislang rund 40 Menschen wahrgenommen. Das das Thema Radwege ein großes Interesse hervorruft, sei nicht überraschend, denn das Thema betreffe die Bürger ganz unmittelbar. "Es ist den Bürgern ein Anliegen, uns aber auch", betont Hack. Zum Inhalt der bislang eingegangenen Rückmeldungen gibt die Stadt gegenwärtig noch keine Auskunft. Die Umfrage soll bis Ende Februar vom Bauamt ausgewertet und dann im Stadtrat vorgestellt werden.

Radwege in Stadtteile bewertet

Darüber hinaus hat eine Gruppe aus ökologisch-interessierten Bürgern und aus Mitgliedern des Ortsverbandes der Grünen eine Liste mit Verbesserungsvorschlägen zum Radwegenetz erarbeitet. Diese Liste wurde jetzt an Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) übergeben. "Wir wollen einen Beitrag zum derzeit laufenden Verkehrsentwicklungsplan leisten und alle Bürgerinnen und Bürger auffordern, sich bei der Umfrageaktion zu beteiligen und sich Gedanken über nachhaltige Mobilität zu machen", erklärt Richard Fix, Stadtrat und Sprecher des Grünen Ortsverbandes.

Die Gruppe hat sich schwerpunktmäßig die Radwege von den Stadtteilen in die Kernstadt angeschaut. Dafür haben sie im Herbst verschiedene Bürger-Radtouren organisiert. Herausgekommen ist eine dreiseitige Beurteilung mit rund 30 Kritikpunkten und Anregungen.

Winkels beim Radwegenetz außen vor

Grundsätzlich sieht die Gruppe Luft nach oben, was die Sicherheit von Radfahrern angeht. Kreuzungsbereiche müssten ausreichend für den Radverkehr gekennzeichnet und Bordsteinkanten bei Übergängen abgesenkt werden. "Für den Radverkehr sollten, wenn möglich Nebenstrecken genutzt werden", heißt es in der Beurteilung. In Bezug auf Abstellplätze hält die Gruppe Abstellplätze an wichtigen Eingangspunkten in die Fußgängerzone für notwendig, etwa am Landratsamt, am Rathaus, and er Ecke Untere Markt- und Ludwigstraße. Zudem brauche es im Zentrum Ladestationen für E-Bikes. In den Stadtteilen sei die Anbindung in Winkels am schlechtesten. "Hier gibt es keine Radwege", weiß Britta Söpper, ebenfalls Sprecherin der Kissinger Grünen.

Winkels komme im bayerischen Radverkehrswegeplan nicht vor. Entsprechend fehlt sowohl eine Radwegverbindung zum Ostring und in die Innenstadt.Immerhin gibt es stadtauswärts von der Stadt hoch zum Sinnberg den Schutzstreifen für Radler in der Erhardstraße. Dieser kann auch von Winkelsern genutzt werden. Hier regt die Gruppe an, den Schutzstreifen über die Kreuzung mit dem Ostring bis zum Parkfriedhof weiterzuführen.

Weitere wesentliche Kritikpunkte: Der Radweg von Arnshausen Richtung Kissingen endet baulich auf Höhe der Kläranlage. Die Fortführung über das Gewerbegebiet an der Kläranlage müsse deutlicher gekennzeichnet werden. Für Reiterswiesen schlägt die Gruppe in der Kissinger Straße einen Schutzstreifen in Richtung Kissingen vor. In der Gegenrichtung am steilen Krankenhausberg solle der Fußweg als gemeinsamer Geh- und Radweg ausgewiesen werden. Für den Radweg ab der Unteren Saline in Richtung Hausen und Kleinbrach sei es sinnvoll, den Radweg durchgehend zu asphaltieren und zu verbreitern. "Der Weg wird gerade am Wochenende intensiv von Ausflüglern, Spaziergängern und Radfahren genutzt", sagt Söpper.

Rad-Parkanlage am Bahnhof im Bau

Auf dem ausgeschilderten Radweg zwischen Poppenroth und Albertshausen solle nur noch landwirtschaftlicher Verkehr erlaubt sein, um die Sicherheit der Radler zu gewährleisten. Für Garitz lautet die Anregung, den Marbach-Radweg zu asphaltieren und an Übergangen sicherer zu gestalten. Ab der Maxstraße sei ein Schutzstreifen bis zur Realschule sinnvoll, damit Kinder aus Garitz den Weg sicher als Schulweg fahren können. Zudem hält die Gruppe es für wichtig, den Radweg, der am Garitzer Kreisel/Westring entsteht, mit dem Marbach-Radweg und somit Richtung Innenstadt zu verbinden.

"Das Thema Radwege begleitet mich seit Tag eins als Oberbürgermeister", meint Dirk Vogel. Seit Amtsantritt 2020 habe die Stadt bereits einige Dinge umgesetzt, um den Radverkehr zu verbessern: den Schutzstreifen in der Salinenstraße anzubringen zum Beispiel, Einbahnstraßen zu öffnen, damit Radler dort entgegen der Fahrtrichtung fahren dürfen sowie die Durchfahrt durch die Kurhausstraße zu erlauben. Am Bahnhof entsteht aktuell eine Fahrrad-Parkanlage mit 48 überdachten Stellplätzen sowie E-Bike-Ladestation. Mittel- und langfristig brauche es ein klares Wegesystem. "Ich glaube, dass wir Fahrradstraßen brauchen werden, auf dem Radfahrer sich durch die Stadt bewegen", sagt der Oberbürgermeister.