In der Ludwigsstraße in der Fußgängerzone ist oft viel los: Menschen sitzen in Cafés, betrachten Waren und schlendern gemütlich an Schaufenstern vorbei. Radfahrer, die durch die Innenstadt wollen, müssen absteigen und schieben. Daran hält sich nicht jeder.

Auch der Lieferverkehr, der eigentlich auf den Zeitraum bis zehn Uhr beschränkt ist, hat sich in die Mittagszeit ausgedehnt. Deshalb kontrollierte die Bad Kissinger Polizei am Freitagvormittag Menschen in der Fußgängerzone. Und sie verteilten Flyer an Radfahrer, die über Bußgelder informieren.Das Ziel der Verkehrskontrolle: Sanktionierung von Verstößen und Prävention, sagt Florian Heuring.

Das Ergebnis der Kontrolle

Der Polizeikommissar und Sachbearbeiter für Verkehr der Polizeiinspektion Bad Kissingen zählte mit seinen Kollegen, wie oft sie Bürger in der zweistündigen Kontrolle verwarnten. Das Ergebnis: Das sechsköpfige Einsatzteam sprach mit rund 100 Radfahrern, die durch die Fußgängerzone in der Innenstadt oder durch den Luitpoldpark kamen. 20 Mal stellten die Polizisten fest, dass Radfahrer nicht abstiegen oder erst dann, als sie die Uniformen erkannten. Fünf Personen erhielten ein Bußgeld von 15 Euro.

Einsichtige verwarnte Radfahrer

"Wir haben bei der Kontrolle einen gewissen Ermessensspielraum", sagt Hauptkommissar Eugen Dietz. Ein Fahrradfahrer ist ihm am Morgen direkt in die Arme gefahren. "Ich habe den Mann darauf hingewiesen, dass hier Fußgängerzone ist und er absteigen muss. Er hat sich sehr einsichtig gezeigt", sagt Dietz. Außerdem sei er mit Helm gefahren. "Das ist vorbildlich", sagt Dietz, der seit 43 Jahren im Dienst ist. Es bleibt bei der mündlichen Verwarnung, es gibt kein Bußgeld.

Auch im anschließenden Gespräch mit der Presse zeigt sich der Mann ehrlich und schuldbewusst: "Ich war mir bewusst, dass ich hier nicht fahren darf." Er sei langsam und vorsichtig gefahren. "Aber das war nicht in Ordnung", räumt er ein. Warum er trotzdem gefahren ist? Er verweist auf sein lädiertes Bein. Mit dem Rad sei es leichter.

Zusätzliche Radwege in der Innenstadt findet er nicht notwendig. Man komme auch ohne diese schnell von einem Ort zum anderen.

Auch Lob für Radfahrer

Matthias Kleren ist bei der Polizei für die Verkehrserziehung in Kindergärten und Schulen zuständig. Er lobt bei der Kontrolle auch Fahrradfahrer. "Sie machen das vorbildlich. Sie sind vom Rad abgestiegen", sagt er zu einer Frau. "Das mache ich nicht immer", räumt sie ein.

Schrittgeschwindigkeit - eine Lösung?

Sie schlägt eine Änderung vor: Man sollte doch mit Schrittgeschwindigkeit durch die Innenstadt fahren können.

In der Fußgängerzone sei aufgrund der beengten räumlichen Situation keine einheitliche Verkehrsführung für Radfahrer möglich, erklärt Heuring. Und: "Wenn Schrittgeschwindigkeit gilt, kann man auch laufen."

Ein älterer Mann, der sein Pedelec durch die Fußgängerzone schiebt, findet es gut, dass man absteigen muss. "Als Jugendlicher bin ich auch schnell gefahren", sagt er.

Gegenseitige Rücksicht wichtig

Vereinzelt würden sich Radfahrer rücksichtslos verhalten, sagt Heuring. Dieses Verhalten einzelner Personen habe zu dem schlechten Bild geführt, das man in Bad Kissingen über Radfahrer habe.

Wichtig sei gegenseitige Rücksichtnahme. Er verweist auf Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht." Das betreffe alle Verkehrsteilnehmer, nicht nur Radfahrer.

"Es ist ein allgemeiner Trend geworden, das Rad zu benutzen." Die Verkehrsteilnehmer müssten die Verkehrsräume neu untereinander aufteilen. Es sei daher absehbar gewesen, dass es zu Beschwerden komme.

Beschilderung

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Polizei und der Stadt Bad Kissingen sei in diesem Zusammenhang wichtig. Die Beschilderung müsse eindeutig sein und stimmen. "Nur wenn die Beschilderung stimmt, können wir Verkehrsteilnehmer auch verwarnen." In der Innenstadt findet Heuring die Ausschilderung schon sehr gut. So stehe oft unter dem Schild für die Fußgängerzone ein zusätzliches Hinweissschild "Radfahrer absteigen".

Im Luitpoldpark bestehe noch Handlungsbedarf. An der Kreuzung in der Nähe des Kneippbeckens und des Luitpoldbads ist bisher nicht eindeutig, dass man absteigen sollte, wenn man rechts in Richtung Bismarckstraße abbiegt.

In Zukunft wollen die Polizisten regelmäßig auch beim Streifendienst die Fußgängerzone kontrollieren.